Renate und Hans Hinder feiern am 5. Mai Eiserne Hochzeit – aus gegebenen Anlass im Familienkreis.Foto: Preuß Foto: Schwarzwälder Bote

Jubilare: Renate und Hans Hinder aus Weilersbach feiern ihre Eiserne Hochzeit

VS-Weilersbach. Wer seit 65 Jahren miteinander verheiratet ist, hat viel gemeinsam erlebt. Und doch gibt es immer wieder etwas Neues, eine Pandemie zum Beispiel: "Wir hätten ein schönes, großes Fest gefeiert, aber das geht ja nun nicht", nehmen es Renate und Hans Hinder gelassen.

Eine Eiserne Hochzeit, das gibt es heutzutage sehr selten. Umso mehr wissen die ­Eheleute aus der Weilersbacher Hummelbühlstraße zu schätzen, dass sie den Lebensabend gemeinsam verbringen dürfen.

Hans Hinder, 88, stammt aus Schwenningen. Renate Hinder, 85, kam 1950 als 14-jährige aus Schlesien in Schwenningen an. Man lernte sich über die FSV Schwenningen kennen. Er kickte in der zweiten Mannschaft, sie war begeisterte Geräteturnerin.

"Die Hochzeit am 5. Mai 1956 war eine der letzten in der alten Schwenninger ­"Bretterkirche", erinnert sich das Jubelpaar. Kurz darauf wurde mit dem Bau der ­Johanneskirche neben der Friedensschule begonnen.

Die Wohnungsnot sei damals immens gewesen. Um ein Dach über den Kopf zu haben, zog das frisch vermählte Ehepaar zunächst in ein umgebautes Gartenhaus, "ohne Stromanschluss", wie Hans Hinder betont. Zum Glück baute in den kommenden Jahren ein Kollege aus dem Schachverein Schwenningen ein Haus, das Paar konnte die Einliegerwohnung mieten. Das königliche Spiel hat Hans Hinder nach Ende der aktiven Zeit als Fußballer gepflegt, lange Jahre spielte er in der ersten Mannschaft des Schachvereins Schwenningen. Seit 68 Jahren ist er dem Verein treu, mittlerweile im fusionierten Schachclub Villingen-Schwenningen. In der FSV Schwenningen ist er seit mehr als 70 Jahren Mitglied.

Auch Renate Hinder ist seit langem bei der FSV Schwenningen dabei: "Bis zum Beginn der Pandemie bin ich regelmäßig zur Damengymnastik gegangen." Die 85-jährige als "rüstig" zu bezeichnen, wäre eine Untertreibung. Sie ist Gestalt gewordene Bestätigung, dass Sport bis ins hohe Alter fit hält, so behend bewegt sie sich.

Hans Hinder wiederum ist der Beweis, dass Schach geistig fit hält: Als Diabetiker und Dialysepatient braucht er mittlerweile seinen Rollator und auch einen Rollstuhl, ist aber kognitiv voll auf der Höhe, nicht nur wenn er von früheren Zeiten berichtet.

Beide Eheleute blicken auf ein langes Arbeitsleben zurück. Hans Hinder hat zunächst als Oberleder-Zuschneider bei der damaligen Schuhfabrik gegenüber dem Schwenninger Bahnhof gearbeitet, ist dann auf den Bau gewechselt, hat etliche Jahre bei Kienzle geschafft, um später den Gesellenbrief im Bauhandwerk zu bestehen und 1971 ein eigenes Baugeschäft zu eröffnen. Renate Hinder arbeitete mehr als 40 Jahre bei Kienzle. 1974 bauten sie in Eigenleistung ihr Haus in Weilersbach und zogen in den Stadtbezirk.

Gerne auf Reisen

Die Eheleute haben eine Tochter, zwei Enkelkinder und drei Urenkel, das jüngste ist gerade einmal sechs Monate alt. Natürlich bildet die Familie den Mittelpunkt des Lebens, auch weil die große Leidenschaft, das Reisen, derzeit nicht möglich und auch zu anstrengend geworden ist. Nach dem Eintritt in die Rente hatten sich die Eheleute etliche Reiseträume erfüllt: Thailand, Mexico, Südafrika, Dubai, Malaysia – man war oft und gerne unterwegs. "Heute schauen wir gerne Reisereportagen und freuen uns, viele Ziele wiederzuerkennen", sagte Renate Hinder.

Ob es nochmals auf große Tour geht? Man müsse sehen, wie es sich gesundheitlich entwickelt. Zu allem Überfluss war Hans Hinder im vergangenen Jahr auch noch an Corona erkrankt, hat das Virus aber auch zur Überraschung des Arztes gut überstanden.

Die Eiserne Hochzeit mit guten Freunden feiern – das ist nicht möglich. Die Tochter, die im Haus wohnt, hat aber versprochen, ein Festmenü zu kochen. "Darauf freuen wir uns – und vielleicht können wir eine Feier ja nachholen", meinen die Jubilare.

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