Die Aufholjagd in letzter Minute bei der Landtagswahl sorgt für Freude bei den Grünen und für Stirnrunzeln bei der CDU. Der FDP-Vorsitzende ist traurig und froh zugleich.
Wie sie das Ergebnis ihrer Partei bei der baden-württembergischen Landtagswahl und in Weil am Rhein einordnen, haben wir Vertreter der an der Wahl beteiligten Parteien in Weil am Rhein gefragt.
Günter Dußmann, Ortsverbandsvorsitzender der CDU, lässt wissen, dass für ihn im Hinblick auf die bevorstehenden Koalitionsverhandlungen seiner Partei mit den Grünen noch nichts klar sei. Schließlich sei der Stimmenvorsprung der Grünen im Land mit 0,5 Prozentpunkten minimal, die Zahl der errungenen Parlamentssitze (56) sogar gleich. Auch im Wahlkreis Lörrach falle der Abstand der siegreichen Sarah Hagmann mit lediglich 106 sehr knapp aus.
Dußmann führt das auf eine „unsaubere“ Kampagne der Grünen in der Endphase des Wahlkampfs zurück, womit er sich auf Videoaufnahmen bezieht, in denen Spitzenkandidat Manuel Hagel schlecht wegkommt. Dies zum Thema zu machen sei für ihn „schlechter Stil“. Normalerweise hätte Peter Schelshorn den Wahlkreis gewonnen, ist er überzeugt.
Im Hinblick auf die erfolgreiche Arbeit der CDU-Oberbürgermeisterin von Weil am Rhein, Diana Stöcker, hätte er sich in der 3-Länder-Stadt mehr Zuspruch für seine Partei gewünscht.
Ulrike Fröhlich, Grüne, freut sich über den Wahlsieg ihrer Partei. „Das war eine enorme Aufholjagd“, hält sie mit Blick auf die anderslautenden Prognosen vor Weihnachten fest. „Das hat uns in den vergangenen Wochen motiviert.“ Durch die vielen Neumitglieder hätten die Grünen in Weil einen intensiven Wahlkampf führen können. Zwei Dinge sind der Weiler Ortsvorsitzenden an den Wahlkampfständen in diesem Jahr aufgefallen.
Erstens hätten typisch „grüne“ Themen die Menschen am meisten interessiert: Umweltschutz, erneuerbare Energien – dies auch gerade in Anbetracht der jüngsten politischen Entwicklungen im Nahen Osten und in den USA unter Trump.
Und zweitens seien die Menschen freundlicher gewesen, hält sie fest. Die Grünen seien an ihren Wahlständen weniger beschimpft worden als früher. Auf die Koalitionsverhandlungen blickt sie mit Optimismus: „Ich hoffe, dass das beste aus beiden Parteien zusammenkommt.“
Drei Dinge stellt der SPD-Ortsvereinsvorsitzende Stefan Reinelt zum Ergebnis der Landtagswahl in Weil am Rhein fest: Was die Wahlbeteiligung betreffe, gebe es noch Luft nach oben. Dass die Rechtspopulisten so stark abgeschnitten haben, findet er schlimm.
Außerdem hält er fest, dass die SPD dank ihres starken Kandidaten Jonas Hoffmann im Wahlkreis Lörrach besser abgeschnitten habe als die SPD landesweit.
Für ihn ist klar, dass seine Partei Federn lassen musste zugunsten der Grünen, um Cem Özdemir als Ministerpräsidenten im Zweikampf mit Manuel Hagel zu unterstützen. Dies hätten ihm Wähler mitgeteilt.
Für Taylan Kahraman, den Vorsitzenden der Weiler FDP ist der Wahlausgang seiner Partei ein klares Zeichen, dass die Wähler der FDP die Ampelkoalition nicht verziehen haben. „Die liberale Stimme wird fehlen“, sagt er. Gleichzeitig finde er es aber auch traurig, dass die SPD so schlecht abgeschnitten habe, denn eine große Meinungsvielfalt im Parlament ist ihm wichtig. Zum Glück habe die SPD wenigstens den Sprung in den Landtag geschafft.
Und ganz unzufrieden mit der Wahl ist Kahraman dann auch wieder nicht. Denn es sei ja so: Nicht die Grünen hätten den Unterschied gemacht sondern ihr Spitzenkandidat Cem Özdemir, in seinen Augen „der beste Ministerpräsidenten-Kandidat, den wir hätten haben können“. Mit diesem könne er gut leben, auch in der Ampelregierung habe er gut gearbeitet, betont er. Für die FDP, die nun nach und nach aus mehreren Landtagen gefallen sei, gelte es jetzt, sich auf sich selbst zu besinnen und sich nach und nach wieder hochzuarbeiten. „Das wird uns gelingen, bestimmt“, so Kahraman. „Wir haben jetzt die Chance, uns neu zu erfinden.
Die AfD Weil am Rhein zeigt sich mit dem Ergebnis der Landtagswahl sehr zufrieden. Mit rund 19 Prozent der Stimmen konnte die AfD ihr Ergebnis im Vergleich zur Wahl 2021 um 9,8 Prozent deutlich verbessern und sich als drittstärkste politische Kraft in Weil am Rhein etablieren, heißt es in einer schriftlichen Stellungnahme zum Wahlergebnis, die am Montag nach Redaktionsschluss bei unserer Redaktion eingegangen ist. Die Stadtverbandsvorsitzende Andrea Ufer nimmt den hohen Stimmenanteil im Stadtteil Friedlingen in den Blick, der einen hohen Anteil an Einwohnern mit Migrationshintergrund habe. „Dieses Ergebnis zeigt, dass unsere Themen auch in Weil am Rhein viele Bürger ansprechen und wir Vertrauen gewinnen konnten“, schreibt sie.
Nach der Wahl wolle die AfD ihre politische Arbeit vor Ort weiter intensivieren. Ziel sei, regelmäßig den direkten Austausch mit den Bürgern zu suchen und ihre Anliegen aufzunehmen. Dazu plant der Stadtverband Infostände in der Stadt. „Uns ist wichtig, dauerhaft bürgernah präsent zu sein und nicht nur im Wahlkampf erreichbar zu sein“, betont Ufer. Nach ihren Angaben konnte die AfD Zuge des Wahlkampfs neue Mitglieder gewinnen.