Die heutigen Akteure bei den „Ghetto-Singers“, v. l.: Stefan Heizmann, Silvano Nardone, Reinhard Schühlein, David Pakalski. Es fehlt Marco Läubin. Foto: Monika Merstetter

Ein halbes Jahrhundert „Getto-Singers“ – so lange gibt es keine andere Weiler Schnitzelbangg-Gruppe. Fast so lange, seit 1981, ist Reinhard Schühlein mit dabei.

Die Friedlinger Getto-Singers sind Urgesteine einer fasnächtlich ereignisreichen Zeit. Es war in den frühen 70er-Jahren, als sich der Stadtteil Friedlingen zu einer wahren Fasnachtshochburg entwickelte.

 

Unter anderen gab es damals mehrere Enthusiasten, welche die Tradition des Schnitzelbangg-Singens wieder aktivieren wollten. Bereits 1929 und 1930 hatten ein paar findige Akteure der „Alti Fabriknächt Cligge“ Bänkellieder zum Besten gegeben.

Schon in den 20er-Jahren gab es Schnittzelbänggler

Damals hielten diese einen Abgesang auf einen geplanten Luftschiffhafen: „Z‘ Friedlinge…am Rhy/jo do lache si/Will der Luftschiffhafe isch nit cho/und d’ Chirsibäum vo dä Wiler Chinder bliebe stoh – Für d‘ Basler, für d‘ Basler am Rhy.“

Im Winter 1972/73 berieten Karl Kiefer, Willi Rau, Artur „Atzki“ Weber, Horst Hohmann und Detlef Schlosser in der „Zwitscherstube“, wieder mit dem Schnitzelbangg-Singen zu beginnen.

Alles lief bis dahin völlig ungeordnet. Albert Kummer und Horst Hohmann von den Fabriknäschtlern waren die treibenden Kräfte dafür, dass es ab 1977 einen geordneten Zug durch die Beizen gab.

Mit den „Notehobler“ im Pfarrsaal aufgetreten

Sie beide traten unter dem Namen „Getto-Singers“ auf. Am 11. November 1976 hatten sie ihren ersten Auftritt im katholischen Pfarrsaal, zusammen übrigens mit der „Guggemusik Notehobler“.

Damals hatte Friedlingen so viele Beizen mit Stammtischen zahlloser Vereine im Quartier, dass es an einem Abend eine eigene Tour durch den Ortsteil gab. Nach Alt-Weil fuhren die „Getto-Singers“ dann beim ersten Mal mit dem Linienbus von Friedlingen aus für 4,80 Mark, um in die dortigen Beizen zu gelangen. In den Jahren danach wurde die Strecke dann mit dem Auto zurückgelegt.

In den ersten Jahren trugen sie Frack

Viele Jahre waren sie in feinem blauem Frack mit gelbem Revers und Zylinder unterwegs. Als die Hosen zusehends spannten griffen sie aus Kostengründen auf das Kostüm ihrer Clique zurück und nahmen zusätzlich ein sogenanntes Gäzzi mit, das Schöpfgeschirr der Färber.

Unvergessen: Bis 2005 war Albi Kummer mit dabei

Dieses soll auf die früher bedeutsame Textilindustrie Friedlingens hinweisen soll. Bis 2005 war der unvergessene Albi Kummer mit an Bord – im guten Bewusstsein, dass sein Schwiegersohn Reinhard Schühlein und Tochter Monika, die nicht nur das Getto-Singer-Archiv pflegt, sondern auch die Texte schreibt, die Familientradition weiterführen würden.

Ein legendäres Foto aus dem Jahr 1982: v. l. Albi Kummer, Herbert Guggenbühler, Reinhard Schühlein, Horst Hohmann und fast verdeckt dessen Sohn Harald Foto: Monika Schühlein

Einige Jahre waren mit Enkel Nico Schühlein sogar drei Generation mit an Bord der unermüdlichen Gruppe. 2007 gründeten die „Getto-Singers“ einen Verein im Verein der „Alti Fabriknäscht Cligge“, damit der Schnitzelbangg-Name geschützt ist.

Schon seit 1985 sorgt Monika Schühlein in bewährter Weise und verlässlich dafür, dass die in Gemeinschaft vorgeschlagenen Texte in achtzeilige Verse gebracht werden und auch ohne Musikbegleitung den richtigen Ton treffen.

Nachdem letztes Jahr Jürgen Ehlert aufgehört hat und nun auch das langjährige Mitglied Holger Rüping zurückgetreten ist, wird Reinhard Schühlein dieses Jahr mit Stefan Heizmann, Silvano Nardone, David Pakalski und – neu mit dabei seit vergangenem Jahr – mit Marco Läubin auftreten.

Maler Frank Schmohl steuert Helgen bei

Die Helgen mit Zeichnungen zum Thema steuert, nachdem ihnen über 25 Jahre Isolde Schleifnig ihren unverwechselbaren Charakter gegeben hat, seit ein paar Jahren der visierte Maler Frank Schmohl bei.