Über steigende Besucherzahlen in den Weiler Museen freut sich Barbara Brutscher. Das Textilmuseum profitierte von zusätzlichen Veranstaltungen im Kesselhaus.
Mit vielbeachteten Sonderausstellungen und der engen Vernetzung in der Region, ist es der Weiler Museumsverantwortlichen Barbara Brutscher gelungen, mehr Besucher für die städtisch geführten Häuser in Weil am Rhein zu gewinnen.
Fast 2000 Besucher verzeichnete im Jahr 2025 das Museum Weiler Textilgeschichte in Friedlingen, die meisten in diesem Jahr unter allen Weiler Museen.
Dabei sei dieses Museum nur sonntags geöffnet und habe im Sommer lange geschlossen, fügt Brutscher hinzu, um diese Zahl ins richtige Licht zu setzen.
Im Juli endete dort die Ausstellung mit Textil-Entwürfen des Designers Theo Baumann, aktuell läuft dort die Ausstellung „Die Fäden in der Hand“ mit von Weiler Schülern angefertigten Marionetten.
„Die Textilindustrie ist in der Schweiz noch viel präsenter“, erläutert Brutscher zum Hintergrund. Der Name Schwarzenbach – die Unternehmerfamilie, welche den Textilstandort Friedlingen ganz wesentlich prägte – stehe für das dereinst, vor rund 100 Jahren, größte Textilunternehmen der Welt.
Kontakt mit Basel wird intensiviert
Dass so viele Besucher kamen, sei aber auch zwei Sonderveranstaltungen zu verdanken, die vor allem viele Schweizer in das denkmalgeschützte Kesselhaus-Areal lockten: der erstmaligen Teilnahme am „Open House“ Basel, zu dem jedes Jahr bedeutende architektonische Denkmäler ihre Türen öffnen, sowie dem „offenen Kesselhaus“ als Auftaktveranstaltung des Weiler ESC-Festivals.
Hinzu kam der traditionell gut besuchte Kunsthandwerksmarkt am Kesselhaus. „Die Vernetzung mit den Schweizern wird immer besser“, berichtet Brutscher. Jüngster Höhepunkt dieses intensiven Kontakts: Die Teilnahme an der Museumsnacht Basel am 23. Januar.
Mit einer besonderen Ausstellung wartete im Jahr 2025 auch das Museum am Lindenplatz in Alt-Weil auf. „Kunst & Design: 100 Jahre Hans Theo Baumann“ hieß die von Barbara Brutscher kuratierte Schau mit Geschirr und anderen Design-Objekten des in Weil am Rhein aufgewachsenen Designers. Rund 1700 Besucher zog diese an.
Mehr Besucher im Landwirtschaftsmuseum
Im Landwirtschaftsmuseum, wo im vergangenen Frühjahr die Schülerausstellung „Das Fremde im Vertrauten“ eine Brücke schlug zwischen Vergangenheit und Gegenwart waren im Jahr 2025 gut 700 Besucher zu verzeichnen – ebenfalls ein Rekord.
Im laufenden Jahr ist dort vorerst nichts Neues geplant. Einzig der Garten des Anwesens soll zusammen mit der Stadtgärtnerei neu – bäuerlicher – gestaltet werden.
Mehr Besucher als im Vorjahr gab es auch in der Dorfstube Ötlingen, die von einem Verein betrieben, von der Stadt aber auch gefördert, wird. Die genaue Zahl liegt Brutscher noch nicht vor.
Zum 100. Todesjahr des Malers Hermann Daur gab es 2025 dort eine Ausstellung mit Werken des Malers. Daur hat von 1906 bis 1925 – von seiner Hochzeit bis zu seinem frühen Tod – in Ötlingen gelebt, im Kogerschen Anwesen, heute bekannt durch das Café Inka. Die Museumsabteilung unterstützte den Förderverein der Dorfstube beispielsweise beim Ausleihen von Bildern.
Die Vereinsvorsitzende Ute Korom und Monika Merstetter von den Stadtführern haben sich um ein attraktives Rahmenprogramm zum Daur-Jahr gekümmert, in dem es von der Kranzniederlegung auf dem Friedhof Ötlingen über ein „Kleines Hochzeitsfest“ in der Dorfstube bis hin zur Malexkursion auf den Spuren des Künstlers an nichts fehlen ließ.
Ausstellungen für das laufende Jahr in Planung
Auch im neuen Jahr geht Museumsleiterin Brutscher die Arbeit nicht aus: Im Rahmen des Netzwerks Museen, an dem insgesamt 40 Museen am Oberrhein beteiligt sind, sind unter dem Motto „Zuhause und unterwegs“ zwei Ausstellungen in Arbeit. Um Berufskleidung geht es in der Schau „Von Kittel bis Krawatte“, die am 18. September im Museum Weiler Textilgeschichte eröffnet wird. Wenig später, voraussichtlich Mitte Oktober, kommt die Ausstellung „Zwischen Brauchtum und Party – So feiert Weil am Rhein“ im Museum am Lindenplatz hinzu. Direkt nach der Finissage der Baumann-Ausstellung werde sie in die vertiefte Recherche zu diesen Themen einsteigen, so Brutscher.
In der Zwischenzeit wird im Museum am Lindenplatz die Ausstellung „Rauschen der Form“ in Kooperation mit dem inklusiven Kunst-Atelier Frida der Lebenshilfe Lörrach zu sehen sein. Diese sollte ursprünglich in der Städtischen Galerie Stapflehus gezeigt werden.
Das Thema verdiene aber durchaus eine größere Bühne, die länger als sechs Wochen bespielt werden könne, begründet die Museumsleiterin den Ortswechsel.
Ein Sommerfest soll erstmals stattfinden
Im Stapflehus wiederum wird am Freitag, 23. Januar, die nächste Schulkunst-Ausstellung unter dem Titel „Textil“ eröffnet. Am Donnerstag, 5. März, ist dort zusammen mit der Galerieleiterin Isabel Balzer eine Veranstaltung zum Internationalen Frauentag mit Vortrag, Performance und Workshop geplant.
Ein gemeinsames Sommerfest des Museums am Lindenplatz und der Städtischen Galerie Stapfelhus gleich gegenüber soll am Wochenende vom 25. und 26. Juli stattfinden, blickt die Museumsleiterin weiter voraus.
Seit 2024 ist Brutscher die Leiterin der damals neu geschaffenen Abteilung städtische Museen und Galerie. Mit 1,75 Stellen handelt es sich dabei um die kleinste Abteilung der Stadt. Neben Isabel Balzer mit 20 Stellenprozenten, steht ihr Susanne Volk-Augustin zur Seite, welche die Abrechnungen übernimmt und darüber hinaus für die Kunst im öffentlichen Raum verantwortlich ist.
Termine
Finissage im Museum am Lindenplatz
Am Sonntag, 11. Januar, endet die Ausstellung „Kunst & Design: 100 Jahre Hans Theo Baumann“ mit einer Finissage ab 17 Uhr im Museum am Lindenplatz, Alt-Weil.
Museumsnacht Basel
Am Freitag, 23. Januar, öffnet das Museum Weiler Textilgeschichte außer der Reihe seine Pforten, von 18 bis 21 Uhr feuert der Schmied Christoph Faller die Schmiede an, es gibt einen Basteltisch und Stadtführer Joachim Kempf führt durch das Museum und über das Gelände der ehemaligen Seidenweberei Robert Schwarzenbach. Auch die Ateliers der im Kesselhaus beheimateten Künstler werden geöffnet sein. Ab 20 Uhr wird DJ Jean-Paul im Kesselhaus-Theater Musik auflegen, die Bewirtung übernimmt dort Elisa Tanneberg-Passlick. Im Kesselhaus kann man auch Eintrittsbändchen für die Museumsnacht erwerben und von dort aus mit einem Bus-Shuttle direkt nach Basel fahren. Für unter 25-Jährige kostet die Museumsnacht keinen Eintritt.