In den drei historischen Kinos der Stadt Weil am Rhein, dem „Bali“, der „Camera“ und dem „Cinema“ sind die Lichter schon vor vielen Jahren ausgegangen.
Viele Erinnerungen sind ehemaligen Kinogängern in der 3-Länder-Stadt präsent.
Alles begann im November 1929, als zum ersten Mal im Saalanbau mit 300 Sitzplätzen des Bahnhofhotels Hermann (heute Insel) mit einem Projektor der Film „Das Gewissen der Männer“ gezeigt wurde.
In den 1930er- und 40er-Jahren gab es zahlreiche Anfragen bei der Stadt von Kinobetreibern, die ein richtiges Lichtspielhaus errichten wollten. Diese endeten aber alle im Nichts.
Erst nach dem Zweiten Weltkrieg, im Jahr 1946, eröffnete wieder ein Kino unter dem Namen „Bali“ (Bahnhofslichtspiele). 1954 wurde von Karl Möbius und Elisabeth Keller der Saal umgebaut und ein komfortables Balkontheater mit 530 Plätzen eingerichtet.
Der erste Film hieß damals „Königliche Hoheit“ mit Dieter Borsche und Ruth Leuwerick. Erster Weiler Filmvorführer war Josef Buhl, der später ein eigenes Elektrogeschäft eröffnete.
Filmrollen wurden auf kleinere Spulen überspielt
Er machte Otto Glück das Amt schmackhaft, indem er dem Radio- und Fernsehtechniker die Räume zeigte. Von da an schleppte dieser die fünf jeweils 25 Kilogramm schweren Filmrollen über die Außentreppe in den Vorführraum.
Zuerst mussten die Rollen auf kleinere Spulen überspielt werden. Dabei ließ er den Film zwischen Daumen und Zeigefinger gleiten, um einen Riss sofort zu erkennen. Denn der musste geklebt werden, damit die Zuschauer den Film störungsfrei genießen konnten.
Kaufhaus für Alle verdrängte die „Camera“
Als an der Leopoldstraße 2 ein großer Wohn- und Geschäftshauskomplex gebaut wurde, wo im Keller die Trocadero-Bar und im Erdgeschoss das „Kaufhaus für Alle“ (KfA) einzogen, wurde 1956 durch Hans Möbius dort ein Kino namens „Camera“ mit 388 Sitzen eingerichtet. Da die Betreiberfamilie des KfA aufgrund des großen Erfolgs die Verkaufsräume unbedingt schnell vergrößern wollte, gab Möbius das Kino 1961 bereits wieder auf.
Die in Alt-Weil aufgewachsene Hilde Ziegler schrieb in ihrem Buch „Und an der Verlobung warf einer einen Hering an die Decke“ wie sie 1948 mit elf Jahren zum ersten Mal im Kino war. Der Film hieß „Der große Caruso“ mit Mario Lanzo. Sie war jedoch lediglich im Kino, den Film konnte sie nicht sehen, weil eine Birne durchgebrannt war und ein Ersatz nicht vorhanden war.
Großes Vergnügen für junge Leute und Senioren
Sie versuchte es noch einmal mit einer Freundin. „Im Bahnhofhotel gibt es jetzt ein Kino. Ohne anzuhalten rennen Gertrud und ich von Alt-Weil bis zum Bahnhofhotel. Der Film heißt: Rausch einer Nacht und ist nicht jugendfrei. Sie lassen uns nicht hinein. Gertrud sagt: Jetz hämmer d‘ Dräck.“ Im Dezember 1964 lud Bürgermeister Wilhelm Schellenberg alle Einwohner über 70 Jahre zur Filmvorführung „Kohlhiesels Töchter“ ein.
Bis 1979 betrieb Möbius das „Bali“ noch, dann wurde es in ein sogenanntes „PAM-Kino“ umgewandelt.
Dieser Kinokette war es per Gesetz erlaubt, Sexfilme zu zeigen. Ein weiteres Kino gab es ab 1956 an der Hauptstraße 216, als ein Saalanbau am Hotel Central zu einem Kinosaal umgebaut wurde.
Das „Cinema“ beim Hotel Central hatte 390 Plätze
Nur zehn Jahre später mussten aufgrund eines Brandes die Räumlichkeiten neu aufgebaut werden. Es wurde ein Kinosaal mit 390 Plätzen geschaffen und als „Cinema“ eröffnet.
Als letztes der drei Kinos schloss dieses 1987. Viele Zeitzeugen erinnern sich gern an diese Zeiten, als Kino noch ein Ausgehvergnügen war. Es wurden damals vor den Filmen die Wochenschauen gezeigt, Vorläufer der späteren Nachrichtensendungen. Das war damals wie ein Blick durch das Schlüsselloch zu bewegten Bildern aus der ganzen Welt.
Eiskonfekt wurde in der Pause verkauft
Die Filme wurden durch eine Pause unterbrochen. Dann kam jemand mit einem Bauchladen und rief: „Will jemand Eis?“ Gemeint war in einer Sechserpackung zu Dominosteinen geformtes Vanilleeis. Der Eintritt kostete weniger als eine Mark und vorne waren die Plätze am günstigsten.