Der Gipser- und Stuckateurbetrieb Albert Fuchs schließt überraschend zum Ende dieses Jahres seine Tore. Das Unternehmen musste Insolvenz beim anmelden.
Als vorläufige Insolvenzverwalterin wurde die Rechtsanwältin Stefanie Wehrle-Gressler eingesetzt, die bis zum Jahresende gemeinsam mit Geschäftsführer Dietmar Fuchs die Geschäftsführung übernahm.
Mit Hochdruck wurde in den zurückliegenden zwei Monaten, sagte der Firmeninhaber gegenüber unserer Zeitung, nach einer Lösung zur Weiterführung des Betriebs mit den zuletzt noch 14 Mitarbeitern gesucht. Einige Mitarbeiter wurden laut Fuchs von befreundeten Firmen übernommen, andere suchen noch eine Anschlussanstellung, da ihnen von der Insolvenzverwalterin gekündigt wurde.
Übernahme gescheitert
Zunächst hatte eine Firma aus dem Schwarzwald, die im Bereich Maler- und Stuckateurgewerbe tätig ist und bereits drei Filialen zwischen Hochschwarzwald und Bodensee betreibt, Interesse an einer Übernahme des Betriebs gezeigt, allerdings sei die verbliebene Zeit bis zur Insolvenzeröffnung zu knapp gewesen, um einen geordneten Übergang zu ermöglichen. Daraufhin machte die betreffende Firma einen Rückzieher. Da sich in der sehr kurzen Zeit bis Jahresende keine tragfähige Lösung eröffnete, muss der mittlerweile fast 97 Jahre alte Handwerksbetrieb, der einen guten Ruf in der Region genossen hat, zum Jahresende schließen.
Nach 97 Jahren Schließung
Albert Fuchs Senior hatte 1929 gemeinsam mit seinem Kompagnon Wilhelm Ratzel ein Gipser- und Dekorationsgeschäft an der Altweiler Hauptstraße gegründet. Nach wenigen Monaten stieg Ratzel aus dem gemeinsamen Betrieb aus, und Albert Fuchs Senior führte diesen alleine weiter.
1965 übernahm Sohn Albert Fuchs Junior die Firma. Dietmar Fuchs, der Enkel des Firmengründers, stieg 1987 in den Betrieb ein und übernahm wiederum 2010 die Firmenleitung von seinem Vater. Die Firma Fuchs gehörte in den 1970er- bis 1990er-Jahren zu den mitarbeiterstärksten Gipserunternehmen im Landkreis Lörrach und hatte in diesen Zeiten mehr als 40 Beschäftigte.
„Tiefrote Zahlen“ im dritten Jahr in Folge
Geschäftsführer Dietmar Fuchs schildert die Situation, die zur Insolvenz geführt haben, wie folgt: Die Gründe seien vielfältig. Zum einen habe man im dritten Jahr in Folge „tiefrote Zahlen“ geschrieben, bedingt durch die seit der Coronazeit drastisch gestiegenen Lohnkosten.
Ebenso seien in dieser Zeit auch die Materialpreise regelrecht durch die Decke gegangen. Diese Kostensteigerungen hätten nicht mehr an die Kunden weitergegeben werden können, da der Markt diese Preise nicht hergegeben habe. Dies zumal die konjunkturelle Schwächephase in der Bauwirtschaft weiter anhalte.
„Darüber hinaus hat speziell die Gipser- und Stuckateur-Branche seit Jahren schon mit einem erhöhten Preisdruck durch Billiganbieter zu kämpfen“, erklärt Fuchs und fügt hinzu: „Was aber spezifisch und dann erschwerend in unserem Betrieb hinzukam, war die Situation, dass sich unsere Belegschaft seit Herbst 2022 in einem Zeitraum von etwa eineinhalb Jahren nahezu unfreiwillig halbiert hat. Von den anfangs der 2000er-Jahre noch beschäftigten knapp 30 Mitarbeitern haben innerhalb kurzer Zeit sechs Mitarbeiter von sich aus den Betrieb verlassen, um dem Bau komplett den Rücken zu kehren.“ Es handelte sich laut Fuchs hierbei alles um langjährige und gut ausgebildete Facharbeiter im mittleren Alter. Der Dienstälteste hiervon war 28 Jahre im Betrieb.
Belegschaft geschrumpft
Diese Mitarbeiter hätten befürchtet, gesundheitlich auf dem Bau nicht bis zur Rente durchzuhalten und wollten in körperlich weniger anstrengende Berufe wechseln, solange dies für sie noch möglich war, erklärt Fuchs und fügt hinzu: „Im selben Zeitraum haben weitere sieben Mitarbeiter durch Krankheit und Rente den Betrieb verlassen. Eine solche Schrumpfung der Belegschaft innerhalb so kurzer Zeit ist für einen Betrieb nicht gesund, da die gesamten Fixkosten nahezu gleich bleiben, ob mit 30 oder mit wie zuletzt noch 14 Mitarbeitern.“ Nach Angaben von Geschäftsführer Dietmar Fuchs hat das „eine fatale Abwärtsspirale in Gang gesetzt“, der man nicht mehr haben entkommen können.
In diesem und im vergangenen Jahr sei verschärfend auch noch „eine sehr schlechte Zahlungsmoral einiger Kunden“ hinzugekommen sowie die stark nachlassende Auftragslage in der Baubranche. Dies tat in der ohnehin schon angespannten Situation dann noch ihr Übriges, erklärt Fuchs.