Adventskalender: Hinter der Tür 15 am Gärtnerweg in Haltingen verbirgt sich die Weihnachtsbäckerei von Ulrike Häfner. Die Springerle-Model sind ein Stück Familiengeschichte.
Jedes Jahr ab dem 10. Dezember erfüllt ein unverwechselbarer Duft das Haus Nummer 15/1 in Haltingen. Ulrike Häfner beginnt mit dem Backen und setzt damit eine liebevolle Adventstradition fort. Ihre Küche verwandelt sich in eine Weihnachtsbäckerei, in der vor allem eines nicht fehlen darf – die berühmten Springerle.
Die Springerle-Tradition geht auf die Schwiegermutter von Ulrike Häfner zurück. Nach deren Tod führt Ulrike Häfners Vater das Backen der Anisplätzchen weiter – mit einem besonderen Model aus Familienbesitz, das Edelweiß- und Hasenmotiv ziert. Bis heute wird jedes Jahr mit diesem Model ein Stück Familiengeschichte in den Teig gedrückt. Auch ihre Mutter hinterließ ihre Spuren. Aus der Schweiz brachte sie ein Model mit Eicheln, Herzen, Enten, Brunnen und Eichhörnchen mit. „Ein Erbstück, das ich nun in Ehren halte“, erzählt Ulrike Häfner.
Auf den Rat einer Freundin hin besuchte Ulrike Häfner den Basler Weihnachtsmarkt am Münsterplatz und wurde fündig: Ein Model mit Blumenkranzmotiv und passende Ausstechformen erweiterten die Sammlung. Während die alten Model traditionell aus Holz gefertigt sind, besteht das neue Basler Stück aus einer modernen Gießmasse. Auch ihr Sohn, selbst Hobbybäcker, bereichert die Sammlung regelmäßig mit neuen Modeln – ein imposantes Engel- und Kontrabass-Model aus Wachs vom Freiburger Weihnachtsmarkt, ein selbst entworfener 3D-Druck mit Pfadfinderlilie – als Erinnerung an seine jahrelange Pfadfindertätigkeit – sowie ein Kunststoff-Model mit Rose- und Rentier-Motiv.
Damit die Springerle schön weich bleiben oder nach dem Backen wieder werden, nutzt Ulrike Häfner einen bewährten Trick ihrer Schwiegermutter. Die Plätzchen kommen nach dem Backen in ein Baumwollsäckchen, das im Freien auf der Terrasse aufgehängt wird. „Das Säckchen stammt von meiner Mutter – sie hat es selbstgenäht“. Die Freude am Backen teilt sie gerne. Springerle und weitere zehn Sorten, darunter Spritzgebäck, Hildabrötchen, Zimtsterne, Kokosmakronen und Lebkuchen, werden liebevoll verpackt und an Nachbarn, Freunde und Familie verteilt. „Wichtig ist mir, dass das Gebäck stets klein und fein bleibt – eine Vorliebe, die ich von meiner Mutter übernommen habe“, betont die Weihnachtsbäckerin.
Das Rezept für die Springerle stammt aus einem altbewährten Kochbuch der Koch- und Haushaltungsschule Karlsruhe, von 1925, geschrieben von E. Wundt, einer bedeutenden Fortbildungsschullehrerin des Badischen Frauenvereins. Das Buch, das Ulrike Häfner von ihrer Mutter geschenkt bekam und das 1982 neu aufgelegt wurde, ist seitdem ihr treuer Begleiter.
Der Weihnachtsbaum wird bei Familie Häfner erst an Heiligabend aufgestellt. Die von ihrem Vater gebaute Krippe mit Figuren aus Betlehem verleiht dem Fest einen besonderen Glanz.
Gefeiert wird im Kreise der Familie mit den beiden Söhnen, deren Partnerinnen und dem Enkelkind. Spätabends ist der Besuch der Christmette in der Kirche St. Maria Tradition, danach treffen sich alle bei Glühwein und Punsch vor der Kirche. Ein stimmungsvoller Ausklang des Heiligabends unter freiem Himmel. Nach Mitternacht kehrt die Familie heim, und am Ersten Weihnachtstag kommen weitere Verwandte zum traditionellen Sauerbraten essen. So lebt die Advents- und Weihnachtstradition der Familie Häfner Jahr für Jahr weiter – getragen von gemeinsamen Erlebnissen und Erinnerungen.
Springerle
Zubereitung:
Fünf Eier schaumig schlagen. 500 Gramm gesiebten Puderzucker zufügen und mit der Küchenmaschine 15 Minuten kräftig rühren, bis die Masse richtig weiß und schaumig ist. 625 Gramm Mehl sieben und mit den Knethaken unterheben. Ein Teelöffel Anissamen unterrühren (entweder direkt in den Teig oder später aufs Backblech streuen). Den Teig 30 Minuten ruhen lassen. Den Teig auf bemehlter Fläche einen Zentimeter dick ausrollen. Model gut bemehlen und fest in den Teig drücken, damit das Muster schön sichtbar wird. Model vorsichtig entfernen, die Springerle mit Backrädchen ausradeln oder mit einer Form ausstechen. Auf ein mit Backpapier ausgelegtes Blech legen. Die Springerle 24 Stunden in einem zugfreien Raum trocknen lassen. Vor dem Backen die Springerle auf ein feuchtes Küchentuch legen – so wird die Unterseite feucht, die Oberseite bleibt trocken und das Springerle geht besser auf beim Backen. Bei 130 Grad Celsius Umluft zirka 30 Minuten backen. Zum Nachreifen die Springerle in einem Baumwollsack geben und ins Freie hängen.
Quelle:
Kochbuch der Koch- und Haushaltungsschule Karlsruhe, von Emma Wundt, 1925/ 1982