Elina Bashliy kümmert sich um ukrainische Geflüchtete in Weil. Viele von ihnen haben hier eine neue Heimat gefunden. Foto: Beatrice Ehrlich

Der Krieg in der Ukraine geht ins vierte Jahr. Dennoch geht Integrationsmanagerin Elina Bashliy, zuständig für ukrainische Geflüchtete in Weil, die Arbeit nicht aus.

Den Erfolg ihrer Arbeit kann sie jeden Tag sehen. Viele der Menschen, die seit ihrer Ankunft in Weil am Rhein betreut und begleitet hat, haben mittlerweile Arbeit gefunden und organisieren ihre Angelegenheiten selber. Mit ihren Kindern, in manchen Fällen auch dem Ehepartner, führen sie ein fast schon normales Leben.

 

Dennoch geht der Frau, die in ihrem Heimatland einst Chemietechnologie studiert und in diesem Bereich gearbeitet hat, die Arbeit nicht aus. Auf ihrem Diensthandy, auf dem sie rund um die Uhr erreichbar ist, hat Bashliy 280 Namen von Ukrainern gespeichert, die Familienangehörige nicht inbegriffen. Bei unserem letzten Gespräch im Herbst 2023 waren es 170. Das hat zwei Gründe: Erstens kommen aus den umliegenden Gemeinschaftsunterkünften immer wieder neue ukrainische Flüchtlinge nach Weil.

Auf Anfangsschwierigkeiten folgen neue

Der zweite Grund ist, dass auf die Schwierigkeiten am Anfang neue folgen, und manche Ukrainerinnen sie weiterhin als Hauptansprechpartnerin betrachten.

Ein Beispiel: Ein Kind hat die Grundschule beendet, nun stehen die Eltern vor der Entscheidung, es an der Realschule oder am Gymnasium anzumelden. Bashliy fragt dann zurück: „Was sagen denn die Lehrer?“. „Es ist wichtig, was Sie sagen“, erhält sie dann zur Antwort.

Behördenmitarbeiter sind froh

Nicht alle Neuankömmlinge benötigen Hilfe. Für jene, die sie brauchen, ist Bashliy da. Sie begleitet die Menschen zur Registrierung beim Landratsamt und zum Jobcenter. Sie sorgt dafür, dass die Frauen einen Deutschkurs besuchen können und ist dabei, wenn abgesprochen wird, was weiter geplant werden könnte. „Ich kann nicht nur die Sprache besser, sondern kenne auch das Leben hier." Beide Seiten schätzen das, die Betroffenen, aber auch die Mitarbeiter die Behörden. Es sei leichter mit ihr, die Absprachen seien besser, man habe mehr Übersicht, sagen sie zu ihr.

„Muss ich mit?“ ist die Frage, die sie sich täglich stellt

Beim wöchentlichen Jour fixe im Ukrainetreff in der August-Bauer-Straße 3 können sich die Ukrainerinnen mit ihren Anliegen an sie wenden. Sie entscheidet dann, ob ein Problem telefonisch gelöst werden kann, oder ob sie mit muss, etwa zu einem Arztbesuch. Gleich morgen früh steht der nächste an, es geht um eine Röntgenuntersuchung, danach ist sie zu einem Gespräch im Jobcenter verabredet.

Nachrichten in drei Sprachen

Die Ereignisse in der Ukraine beschäftigen Bashliy, die seit 1992 in Deutschland lebt, weiterhin. Täglich verfolgt sie die Nachrichten auf Deutsch, Ukrainisch und Russisch, weil sie hören will, was die verschiedenen Seiten sagen. Ihr größter Wunsch ist das Ende des Kriegs und die Wiederherstellung der ganzen Ukraine. Auf einen Pakt mit Putin gibt sie nichts. Aggressor bleibe Aggressor, er werde sich nicht ändern.

Wunden, die erst viel später sichtbar werden

Von Ukrainerinnen, die in ihrer Heimat zu Besuch waren, hört sie, dass die Lage dort nicht ungefährlicher geworden ist. Im Gegenteil: Zivilisten würden gezielt ins Visier genommen, man könne sich seines Lebens nie sicher sein. Die Leute hätten aber gelernt, in dieser Situation weiterzuleben. Selbst hier bekämen viele noch eine Gänsehaut, wenn sie den Motor eines Flugzeugs hören.

Oft würden Wunden, die der Krieg hinterlassen habe, erst viel später sichtbar, etwa wenn ein Kind Probleme in der Schule bekommt. Erst im Gespräch mit der Rektorin, der Lehrerin und der Schulpsychologin habe eine Mutter dann erstmals über das berichtet, was sie und ihr Kind haben durchmachen müssen. „Das ist schrecklich. Das ist unmenschlich“, sagt sie.

Viele haben Arbeit gefunden

Viele ukrainische Frauen, mit denen Elina Bashliy in Kontakt ist, haben in Weil am Rhein eine Stelle gefunden. Sie sind Verkäuferinnen, arbeiten in der Gastronomie oder begleiten Kinder mit Unterstützungsbedarf in Schulen. Mehrere von ihnen befinden sich in Ausbildung, etwa zur Zahnarzthelferin oder zur Erzieherin, berichtet die Integrationshelferin. Eine Frau ist Erzieherin, ihr ukrainisches Diplom wurde anerkannt. Der Mann einer Mutter von fünf Kindern hat eine Arbeitsstelle auf dem Bau gefunden.

Manche wollen nicht arbeiten

Bashliy kennt aber auch solche, die nicht arbeiten wollen. Sie höre dann, dass es mit dem Deutschkurs nicht klappe oder andere Gründe, warum die Frauen das Haus nicht verlassen wollen. „Nicht jeder hat die Chance in einem anderen Land zu leben und andere Traditionen kennenzulernen“, sagt sie dann. „Man muss diese Chance nutzen.“

Dabei gelte es aber zu unterscheiden: Manche litten unter einem großen Schock nach ihrer Ankunft in der neuen Umgebung. Die Folgen von Kriegserlebnissen machten sich bei ihnen bemerkbar. „Wenn man ihnen hilft, fangen sie an, rauszugehen. Es kommt langsam in Ordnung“, sagt sie.

„Diese Leute unterstütze ich nicht“

Es gebe aber auch solche, die sich in ihrer passiven Position eingerichtet hätten. Sie leben in einem sozialen Land – sie hätten Glück gehabt, so ihre Einstellung. „Diese Leute unterstütze ich nicht“, sagt sie. Man könne nicht immer nur sagen: „Geben Sie mir“, man müsse auch selbst etwas tun, findet sie.