Über die Berufsmöglichkeiten in der Pflege informierten Fachkräfte und Auszubildende im Pflegeheim Markgräflerland in Weil am Rhein. Foto: Regine Ounas-Kräusel

Die Herausforderung in den Pflegeberufen in den nächsten Jahren ist, dass Fachkräfte verstärkt in Rente gehen. Der Landkreis Lörrach als Träger reagiert.

In den Räumen des Pflegeheims Markgräflerland informierten der Eigenbetrieb Heime und die Agentur für Arbeit über die Ausbildungen „Pflegefachmann/Pflegefachfrau“, Pflegehelfer, Heilerziehungspfleger, Heilerziehungspflege-Assistent sowie über Studiengänge in diesem Bereich. Der Eigenbetrieb Heime ist mit rund 500 Angestellten und 40 Auszubildenden ein großer Arbeitgeber im Bereich Pflege.

 

Der Eigenbetrieb Heime ist Träger von vier Pflegeheimen in Weil, Rheinweiler, Schliengen und Hausen sowie einem ambulanten Pflegedienst in Rheinweiler. Im Markus-Pflüger-Zentrum/Schopfheim-Wiechs werden vor allem Menschen mit psychischen Erkrankungen und Suchterkrankungen betreut und begleitet.

Generalisierende Fachausbildung

Alexandra Scheib, Ausbildungsverantwortliche im Pflegeheim Markgräflerland, berichtete unserer Zeitung über die neue, 2020 eingeführte Ausbildung zum Pflegefachmann. Bei dieser Ausbildung, die für alle Bereiche der Pflege qualifiziert, durchlaufen die Auszubildenden Praxiseinsätze für Langzeitpflege im Heim, für ambulante Pflege, Akutpflege in der Klinik, für Psychiatrie und Kinderkrankenpflege. Der Eigenbetrieb koordiniert die Praxiseinsätze im ganzen Landkreis, also etwa auch in kirchlichen Einrichtungen. Die Theorieblöcke finden in der Manoah-Schule/Lörrach und der Theresia-Schule/Herten statt.

Ausbildung zu Qualifikation und zur Überbrückung

„Menschen zu helfen gefällt mir“, erzählte Virginia Montiel Chaves unserer Zeitung. Die Spanierin, die lange in England als Förderschullehrerin tätig war, arbeitet seit drei Jahren im „Haus am Sonnenstück“ in Schliengen als ungelernte Helferin. Sie hilft den Bewohnern bei der Grundpflege, etwa beim Waschen, und begleitet sie im Alltag. Die Ausbildung zur Pflegefachfrau mache sie, „um die Qualität meiner Arbeit zu verbessern“. Konstantin Kovalenko musste in seinem Heimatland Ukraine wegen des Kriegs sein Medizinstudium abbrechen. Nun hofft er auf einen Studienplatz in Deutschland und nutzt die Wartezeit für eine Ausbildung zum Pflegefachmann.

Die Arbeit in der Pflegeist sehr vielseitig

Alexandra Scheib schilderte, wie vielseitig die Arbeit in der Pflege ist. Nach der dreijährigen Ausbildung plane man zum Beispiel für die „Pflegeempfänger“ die Pflege und führe dafür Gespräche mit den Betroffenen, mit Angehörigen und Ärzten. Vielfältige Fortbildungen stünden Fachkräften offen, etwa als Wundmanagerin, gerontopsychiatrische Fachkraft oder Pflegedienstleitung. Sogar studieren könne man mit Realschulabschluss, Fachausbildung und Berufserfahrung.

In der Heilerziehungspflege stehe die Pädagogik im Vordergrund, schilderte Katharina Klemm, Hausleiterin der Außenstelle Rheinfelden beim Markus-Pflüger-Zentrum. Dort kläre man mit den psychisch- oder suchtkranken Klienten, wie sie künftig leben wollen, in stationärer oder ambulanter Wohnform etwa, und übe mit ihnen den Alltag ein, von Haushaltsführung bis Beziehungspflege zu Mitmenschen. Es sei ein spannender Beruf: „Wir wachsen mit unseren Klienten.“

Dass nur eine Handvoll Interessierter beim Bewerbertag vorbei schaute, bedauerten die Fachfrauen. Möglicherweise habe es an der Hitze gelegen.

Mehr Auszubildende wären willkommen

Alexandra Schaub und Sahra Heidenreich, Ausbildungsverantwortliche beim Eigenbetrieb Heime, würden sich über mehr Auszubildende in der Pflege freuen, sagten sie. Seit Einführung der generalisierten Ausbildung nehme ihre Zahl tendenziell aber zu. Heute würden längt nicht mehr so viele Fachkräfte in die Schweiz abwandern wie noch vor wenigen Jahren, gaben die beiden Frauen ihre Erfahrung wieder. Ein Problem sei vielmehr, dass viele Fachkräfte in den kommenden Jahren in Rente gehen. Aktuell scheint die Zahl der offenen Stellen auf der Internetseite des Eigenbetriebs Heime aber nicht dramatisch hoch: Dort werden sieben Pflegefachkräfte gesucht, darunter eine Wohnbereichsleitung sowie eine Pflegehilfskraft mit einjähriger Ausbildung.

Ohne Migranten wäre die Pflege undenkbar

Ohne Migranten wäre die Pflege allerdings kaum denkbar. Acht von zehn Mitarbeitern hätten Wurzeln im Ausland, hieß es beim Bewerbertag. Man erhalte täglich Bewerbungen aus Ländern wie Kosovo, Marokko oder Kamerun, berichtete Scheib. Ein Anwerbeabkommen mit anderen Ländern, habe der Eigenbetrieb nicht.

Vielmehr wünschte sich Scheib bessere Bedingungen für Migranten, die in Deutschland leben und an einer Pflege-Ausbildung interessiert sind. Sie schilderte den Fall eines Geflüchteten, der in der Bewerbungsphase seinen Abschiebebescheid erhalten habe. Für alle Auszubildenden wünschte sie sich bezahlbare WG-Zimmer und einen gut ausgebauten Nahverkehr, damit sie zu ihren wechselnden Praxiseinsätzen kämen. Zimmerpreise von 600 Euro seien untragbar.