Interessierte können Saatgut mitnehmen, aussäen, pflegen und nach der Ernte einen Teil der gewonnenen Samen an die Bibliothek zurückgeben.
Schon beim Eintreten wird deutlich: Die Stadtbibliothek Weil am Rhein unterscheidet sich in vielem von anderen Büchereien. Unter dem Gewölbe der früheren Kirche St. Peter und Paul kann man nicht nur lesen und lernen, sondern auch Kunstwerke oder technische Geräte ausleihen – und ab dem 5. Februar sogar Pflanzensamen.
„Unsere Stadtbibliothek ist in vielerlei Hinsicht besonders“, betont Kulturamtsleiter Peter Spörrer, der beim Vor-Ort-Termin Bibliotheksleiterin Ellen Benz vertritt.
Das Haus sei nicht nur Ausleihstelle, sondern ein Ort für viele Bedürfnisse: Kleine Kinder stöbern in Bilderbüchern, manche Erwachsene kommen täglich zum Zeitunglesen, viele Schüler regelmäßig zum Lernen. Selbst Besucher aus dem Elsass und der Schweiz schätzen die Bibliothek als ruhigen, freundlichen Ort mitten in der Stadt.
Das Angebot ist dabei so breitgefächert wie das Publikum. Zwischen den Regalen warten neben Büchern auch Filme, Musik und Gesellschaftsspiele. In der „Regiothek“ finden sich unter anderem regionale Titel und Wanderkarten.
Der Lernhilfenbereich wurde jüngst im Erdgeschoss zentralisiert und nach Fächern und Altersstufen gegliedert – ein Angebot, das laut Spörrer gut nachgefragt wird.
Bibliotheksstandort erzählt ein Stück Stadtgeschichte
Der Standort selbst erzählt ein Stück Stadtgeschichte. Seit 1994 ist die Bibliothek im ehemaligen Kirchengebäude St. Peter und Paul untergebracht – und wird seither von Ellen Benz geleitet. In diesen drei Jahrzehnten ist das Angebot stetig gewachsen und umfasst heute drei Etagen, über 75 000 physische Medien und mehr als 11 000 digitale Titel. Indes wird die Vielseitigkeit der Weiler Bibliothek besonders dort sichtbar, wo sie über das reine Lesen hinausführt – in der Artothek und der „Bibliothek der Dinge“.
In der „Artothek“ gibt es Kunst zum Mitnehmen
In der Artothek können Kunstinteressierte Originalwerke verschiedener Stilrichtungen zu günstigen Konditionen für bis zu ein Jahr mit nach Hause nehmen. Die 2023 eingeführte „Bibliothek der Dinge“ erweitert das Ausleihkonzept um praktische Geräte, die man nicht täglich braucht: vom 3D‑Drucker über Roboter, Grafik‑Tablet, Tonie-Box und Nintendo Switch bis hin zu Kärcher‑Fenstersauger, Nähmaschine oder Kassetten‑Digitalisierer. „Das Angebot folgt dem Gedanken der Nachhaltigkeit und gemeinschaftlichen Nutzung“, sagt Peter Spörrer.
Saatgut-Ausleihe startet am 5. Februar
Genau diese Idee stecke auch hinter dem neuesten Projekt: Ab dem 5. Februar startet in der Bibliothek die Saatgut‑Ausleihe. In Kooperation mit dem „Verein zur Erhaltung der Nutzpflanzenvielfalt“ können Interessierte Saatgut ausleihen, im Garten oder auf dem Balkon aussäen, pflegen und nach der Ernte einen Teil der gewonnenen Samen an die Bibliothek zurückgeben.
Fünf Gemüsesorten stehen zur Auswahl
Zur Auswahl stehen fünf Gemüsearten – Tomaten, Salat, Gartenmelde, Erbsen und Bohnen – sowie fünf Blumensorten: Cosmea, Ringelblume, Sonnenblume, Klatschmohn und Strohblume. Dazu gibt es Anleitungen, Tipps und einen Newsletter während der Gartensaison. Auch Anzuchtkästen und Quelltabletten können ausgeliehen werden. Die Sorten sind robust und sollten selbst gärtnerischen Anfängern keine Probleme bereiten.
Floristin stellt ihre Arrangements in den Räumen aus
Parallel startet am 5. Februar um 16.30 Uhr die Vernissage zur Ausstellung „Artothek meets flowers“, die das Thema Pflanzen aufgreift und einen Bogen zurück zur Kunst schlägt.
Die selbstständige Weiler Floristin und „Homestagerin“ Rita Brucker hat dafür aus der Artothek verschiedene Werke ausgewählt – florale ebenso wie abstrakte – und sie floristisch-dekorativ neu interpretiert. „Mir ist wichtig, mit dieser Ausstellung auch auf das schöne und vielseitige Handwerk der Floristik aufmerksam zu machen“, sagt Brucker.
Rundherum Bildungs- und Begegnungsort
Die Schau ist bis 27. Februar während der Öffnungszeiten der Bibliothek zu sehen. Am 17. Februar sprechen Rita Brucker und Sina Simmendinger von 16.30 bis 18 Uhr über ihre gemeinsame Leidenschaft. Der Eintritt ist frei. Das Gespräch wird aufgezeichnet und später als Podcast veröffentlicht.
Für Peter Spörrer fügt sich die Saatgut‑Ausleihe logisch in das Konzept der Bibliothek als Bildungs‑ und Begegnungsort ein: „Wir möchten möglichst viele Zielgruppen ansprechen – Menschen, die lesen, lernen, sich informieren oder Neues ausprobieren.“