Die überarbeitete Fortschreibung des Flächennutzungsplans wird im Ortschaftsrat Haltingen glatt abgelehnt.
Die Debatte im Ortschaftsrat entzündete sich am Donnerstag noch bevor Astrid Loquai, Leiterin der städtischen Landschafts- und Grünplanungsabteilung, ihren Vortrag zum überarbeiteten Flächennutzungsplan beendet hatte.
Stein des Anstoßes war die Tatsache, dass Teile von Flächen am westlichen Ortsrand, die bisher als mögliches Bauland ausgewiesen waren, nun aus Gründen des Naturschutzes nicht mehr dafür zur Verfügung stehen sollen.
Dies betrifft sowohl das Gebiet „Untere Bromenacker“ nördlich des Schulgeländes, das nun in zwei durch eine Grünzäsur geteilt ist, als auch die Fläche „Am Heldelinger Weg“, die in der neuen Variante nicht mehr als Streifen am westlichen Ortsrand entlang verläuft.
Sie wurde im nördlichen Bereich gekappt, dafür wurde im südlichen Teil ein kleiner Bereich bis zur dort verlaufenden Überland-Stromleitung ergänzt.
Der Grund dafür seien auf diesen Flächen existierende Streuobstwiesen, hatte Loquai deutlich gemacht. Diese seien einer neuen gesetzlichen Regelung zufolge streng geschützt, vergleichbar mit Biotopen. Da Gerichte diese Regelung bereits restriktiv ausgelegt haben, lasse die Untere Naturschutzbehörde hier Strenge walten, erläuterte Loquai.
„Das sind Flächen, die seit x Jahren als Entwicklungsgebiet ausgewiesen waren“, betonte Axel Schiffmann in seiner Wortmeldung. Den Bürgern habe man dies bereits vermittelt. Warum man dies nun aufgebe? Streuobstwiesen gebe es auch anderswo. Mehr noch: Manche könnten jetzt erst auf die Idee kommen, solche anzulegen, warf er in die Runde.
Ortschaftsrat wollte das Dorf rund haben
Ins gleiche Horn stieß Eugen Katzenstein, der daran erinnerte, dass man das Dorf „rund“ haben wolle, und dass dies in einer Strategiesitzung des Ortschaftsrats so beschlossen worden sei. Dies werde nun verhindert. Er könne dem so nicht zustimmen. Es könne nicht sein, dass hier über Jahre hinweg Räder gedreht würden, und dann komme jemand und werfe all das, was besprochen und beschlossen wurde, einfach über den Haufen, empörte er sich.
Loquai hatte zu Beginn der Ortschaftsratssitzung die Änderungen vorgestellt, welche die Stadtverwaltung im Hinblick auf die frühzeitige Beteiligung von Bürgern und Behörden in den ursprünglichen Entwurf für die Fortschreibung eingearbeitet hatte.
Die Stellungnahmen waren im Rahmen der frühzeitigen Beteiligung eingegangen.
Belange des Naturschutzes und der Erholung haben Gewicht
Die Stadtplanerin hatte auch den Wunsch eines Bürgers ins Feld geführt, welcher in seiner Stellungnahme mit Blick auf die vorgesehenen großen Entwicklungsflächen in Haltingen auf den Naherholungswert der Flächen rund ums Dorf gepocht hatte. So könne man nun beidem gerecht werden, plädierte Loquai: den Belangen des Naturschutzes ebenso wie dem Wunsch nach einer reduzierten Entwicklung.
Nun sollte im Rat grünes Licht für die Offenlage gegeben und der Entwurf der Gesamtfortschreibung gebilligt werden.
Der Ortschaftsrat kam dem nicht nach. Er lehnte die Vorlage mit fünf Nein-Stimmen bei vier Enthaltungen ab. Ein schlechtes Zeichen: Die endgültige Abstimmung im Gemeinderat Weil am Rhein ist in der kommenden Woche geplant.
Bahnflächen wecken Begehrlichkeiten
Nicht ganz klar ist, wie es mit den Flächen aussieht, die derzeit noch im Besitz der Bahn sind, und in denen die Ortschaftsräte erhebliches Potenzial für die Entwicklung von Haltingen sehen. Die Stadt habe zwar erste Gespräche mit der Bahn diesbezüglich geführt, so Loquai. Diese Flächen in Gewerbegebiete umzuwidmen, würde aber zu lange dauern. Einige der Bahnflächen würden als Ausgleichsflächen von der Bahn selbst benötigt. „Ein erster Schritt ist gemacht“, betonte sie.
Da die eingearbeiteten Änderungen nun in Summe zu einem Defizit bei Wohn- und Gewerbeflächen nicht nur in Haltingen, sondern in ganz Weil führen, stünden die Zeichen künftig auf mehr Innenverdichtung, hielt Loquai zum Ende ihres Vortrags noch zusammenfassend fest. Deshalb sei die projektierte Zahl der Bewohner pro Hektar von 100 auf 130 angehoben worden. In dicht bebauten Gebieten wie Friedlingen überschreite man diese Zahl bereits bei Weitem, hielt sie fest.
Linn Fischer appellierte in ihrer Wortmeldung an den Ortschaftsrat, dass man die Verdichtung nicht allein den Innenstadtbezirken überlassen sollte, sondern, dass auch die Teilorte wie Haltingen und Ötlingen ihren Teil beizusteuern hätten.