Im Garten einer der beiden Demenz-WGs an der August-Bauer-Straße. Dort sitzen die Bewohner nicht nur zusammen, sondern hängen auch zum Beispiel gemeinsam die Wäsche auf. Foto: Saskia Scherer

Besuch: Wie leben die Menschen in den Wohngruppen an der August-Bauer-Straße? / Aktuell vier Plätze frei

Weil am Rhein - Gut eineinhalb Jahre ist es her, dass die Demenz-WG von der Villa Eckert in die neuen Räume an der August-Bauer-Straße gezogen ist und kurze Zeit später die zweite Wohngruppe, die Villa Bauer, eröffnet wurde, um dem großen Bedarf Rechnung zu tragen. Aktuell sind vier Plätze frei – trotz langer Warteliste.

 

Von Saskia Scherer

Die Angehörigen, die Interesse bekundet haben, tun sich aktuell noch schwer, ihre an Demenz erkrankten Familienmitglieder „abzugeben“, weiß Gabriela Rüter-Bürgin von der katholischen Sozialstation. Diese ist für die Betreuung und Pflege in den Wohngruppen zuständig, Rüter-Bürgin hat die Pflegedienstleitung inne.

„Es heißt, Abschied von einer geliebten Person zu nehmen und den Menschen mit Demenz anzunehmen“, meint sie im Gespräch mit unserer Zeitung. Dabei sollte der Umzug nicht als „abgeben“ gesehen werden, sondern als Wechsel in eine neue Lebenssituation, findet sie.

Bei den täglichen Aufgaben mithelfen

Denn in den Demenz-WGs „Villa Eckert“ und „Villa Bauer“, die über jeweils zwölf Einzelzimmer verfügen, sollen die Menschen mit Demenz einen normalen Alltag erleben. Dabei könne aber eine adäquate Betreuung geboten werden, die zu Hause oft nicht möglich sei. „Wir holen die Menschen dort ab, wo sie stehen, bieten Unterstützung und Anleitung“, erklärt Rüter-Bürgin.

Das Konzept sieht vor, dass die Bewohner bei allen Aufgaben, die im Alltag anfallen, mithelfen oder zum Beispiel auch selbst kochen können. „Es kommt aber auch jeden Tag jemand, der kocht.“ So fühlten sich die Senioren in ihrem Selbstwertgefühl gestärkt, gleichzeitig sei jemand vor Ort, der übernehme, wenn sie nicht weiterkommen. Rund 20 bis 25 Mitarbeiter sind pro „Villa“ beschäftigt.

„Es ist wie in einer Familie“

Beim Frühstück können die Bewohner einfach dazukommen, wenn sie ausgeschlafen haben – auch im Schlafanzug. „Es ist wie in einer Familie“, erklärt Rüter-Bürgin. Für die anderen Mahlzeiten gibt es jedoch feste Uhrzeiten. So soll gewährleistet werden, dass alle in die Gruppe und das Geschehen eingebunden werden. „Ein Rückzug ist möglich, aber niemand soll abgleiten.“

Zusammen zu speisen tue den an Demenz Erkrankten gut. „Das kennen sie von früher.“ Ein ehemaliger Bewohner habe einmal gesagt: „Schauen Sie, alle, die hier am Tisch sitzen, gehören zu mir, auch wenn ich sie nicht kenne.“

Tage werden individuell gestaltet

Die Tage werden individuell gestaltet. Es gibt eine Spiele-Ecke, eine Fernseh-Ecke und einen großen Garten. Manche Bewohner können noch alleine spazieren gehen, andere werden gegebenenfalls von Ehrenamtlichen begleitet. Weitere Ehrenamtliche sind übrigens willkommen.

Es gibt musikalische Angebote und auch eine Geschichtenerzählerin. Es entstünden auch gute Freundschaften, weiß Rüter-Bürgin. Natürlich werde aber auch mal gestritten.

Dass die Angehörigen zu Besuch kommen, ist erwünscht. „Sie haben alle einen Schlüssel, sind quasi die Mieter mit Hausrecht. Wir kommen als Besuch zum Betreuen in die Wohngruppen“, stellt die Pflegedienstleitung klar. „Wir sind kein Heim, keine stationäre Einrichtung“, ergänzt Michael Kils, Geschäftsführer der Sozialstation.

Besuch der Angehörigen ist erwünscht

In früheren Zeiten knüpften auch die Angehörigen untereinander und mit anderen Bewohnern Kontakte. Coronabedingt können derzeit aber keine geselligen Anlässe wie Grillfeste und Raclette- Abende stattfinden. Jeder Besucher muss übrigens getestet sein, auch die Mitarbeiter werden täglich getestet.

Bedarf kann ganz plötzlich entstehen

Seit 2007 existierte die Demenz-WG am alten Standort, dort gab es neun Plätze. Mittlerweile sind es wie bereits erwähnt insgesamt 24. „Der Bedarf ist groß und kann plötzlich entstehen, weil sich Situationen zu Hause verschärfen“, weiß Rüter-Bürgin. „Dann wird schnell ein Platz benötigt.“ Die Anfragen kommen auch nicht gleichmäßig, manchmal melden sich viele auf einmal.

Wer Interesse hat, kann sich an den Träger, den Caritasverband für den Landkreis Lörrach, wenden.