Mit neuen Strategien soll vorhandenes Personal gehalten und neues gewonnen werden.
Das „System Kita“ sei „so angespannt wie selten zuvor“, berichtete Hauptamtsleiterin Annette Huber im Kultur-, Sport- und Verwaltungsausschuss (KSVA). Der aktuelle Kindergartenbedarfsplan für 2025/2026 belegte diese Aussage.
Aktuelle Versorgungsbilanz
Bei der Kleinkindbetreuung sind aktuell 259 Betreuungsplätze belegt, der Bedarf liegt rechnerisch aber bei 299,5 Plätzen. Der daraus resultierende Fehlbedarf von 40,5 Krippenplätzen relativiere sich aber, wenn man wisse, dass bei Tagespflegeeltern noch etwa 30 bis 35 Plätze verfügbar seien, sagte Huber.
Ganz anders sieht es bei der Betreuung der Kinder über drei Jahren aus: Hier stehen 134 Plätze zu wenig zur Verfügung, es fehlen also gut sechs Gruppen. Und von den aktuell 1100 vorhandenen Plätzen drohen aufgrund von Kündigungen, Schwangerschaften und zu wenigen neuen Bewerbungen weitere vorübergehend wegzufallen – etwa in der Kita „Hand in Hand“ in Friedlingen oder im Kindergarten Kirschenstraße in Haltingen.
Hinzu kommt, dass immer mehr Kinder mit Verhaltensauffälligkeiten Ressourcen binden. Waren es vor einigen Jahren ein bis zwei Kinder mit individuellem Förderbedarf pro Einrichtung, so seien es heute oft drei bis fünf pro Gruppe. Einige von ihnen könne man „keine Minute aus den Augen lassen“, berichtete Christine Krauth von der Stadtverwaltung.
Versorgungsbilanz
Die an der Blauenstraße in Friedlingen im Rahmen eines großen Neubauprojektes geplante neue Kita des freien Trägers „United Kids“ wird 20 zusätzliche Ganztagesplätze im Ü 3-Bereich und zehn Krippenplätze für Kleinkinder schaffen. An den Betriebskosten beteiligt sich die Stadt analog den Vereinbarungen mit anderen Freien Trägern mit 75 Prozent. Dem stimmte der KSVA einstimmig zu.
Bilinguale Plätze Ende 2026
Die neuen, bilingualen Plätze stehen Ende 2026 zur Verfügung. Der Kindergarten Ötlingen soll statt eineinhalb- künftig zweigruppig geführt werden, was 17 zusätzliche Plätze bringt. Der eingruppige Kindergarten Sankt Franziskus in Otterbach soll abgerissen und zweigruppig neu gebaut werden, was 25 weitere Plätze schafft, die allerdings erst 2028 bereitstehen.
Neue Strategien
Einig war man sich im KSVA, dass die 2022 zunächst befristet eingeführte Verkürzung der Ganztagsbetreuung von 50 auf 45 Wochenstunden bis auf weiteres beibehalten werden muss. Um die Erzieherinnen bei der Betreuung verhaltensauffälliger Kinder zu entlasten, will die Stadt außerdem multiprofessionelle Teams aufbauen. Sie hat als Pilotprojekt eigene Heilpädagoginnen eingestellt und konnte deren Finanzierung über den Kreis mittlerweile verstetigen. Zehn Prozent der Personalkosten bleiben dennoch an der Stadt hängen.
Heilpädagogin Laura Pospiech schilderte, wie hilfreich die Festanstellung im Alltag ist. Sie müsse nun nicht mehr warten, bis ein Antrag auf Eingliederungshilfe, den die Stadt für jedes förderbedürftige Kind stellen muss, bewilligt wird (das kann bis zu zehn Monate dauern), sondern könne ihre Arbeit mit dem Kind ab Antragstellung sofort beginnen. Weitere Fachkräfte aus den Bereichen Logopädie und Ergotherapie in die Teams zu holen, sei wünschenswert. Dafür gebe es derzeit aber kaum Fördermöglichkeiten. Auf Hilfskräfte ohne pädagogische Ausbildung, etwa Eltern oder Großeltern, will man dagegen nur in Ausnahmefällen setzen.
Fachkräfte aus Indien
Nach dem Vorbild des Modells von Metzgermeister Jogi Lederer hat die Stadt in Kooperation mit der Gesellschaft India Work ein Projekt zur Gewinnung von Fachkräften aus Indien aufgegleist, von dem sich OB Diana Stöcker einiges verspricht.
Vorerst weniger Plätze
Einem Antrag der vom Verein „Arbeit für Alle“ getragenen „Kita Sonnenschein“, ab September nur noch Plätze mit Verlängerten Öffnungszeiten und keine Ganztagesplätze mehr anzubieten, wurde stattgegeben. Auch wenn dies, wie Ulrike Fröhlich bemerkte, nicht im Sinne der Vereinbarkeit von Beruf und Familie sei. Für Erziehende sei eine Kita ohne Ganztagsbetreuung jedoch attraktiver, so der Träger. Außerdem könnten sich in Friedlingen immer weniger Eltern einen Ganztagesplatz leisten, weshalb es zuletzt Probleme gegeben habe, diese zu besetzen. Alle Rednerinnen und Redner würdigten die enormen Anstrengungen, die auf allen Ebenen unternommen werden, um eine qualitativ gute Betreuung in möglichst frühem Alter sicherzustellen.