Der Weiler Metzgermeister Joachim Lederer, hier in seinem Betrieb mit einer Auszubildenden aus Indien, hat es vorgemacht, die Stadt Weil am Rhein zieht nach und will nun Erzieherinnen aus Indien anwerben. (Archivfoto). Foto: Maja Tolsdorf

Bei der Gewinnung von Fachpersonal für ihre Kitas geht die Stadt neue Wege. Sie hat mit weiteren Kommunen in Indien ein Pilotprojekt gestartet.

Im Kultur-, Sport- und Verwaltungsausschuss (KSVA) machte die Stadtverwaltung klar: Der Bedarf an Fachpersonal für die Kitas kann über die Ausbildung eigenen Nachwuchses und Neuanwerbungen auf dem einheimischen Markt zukünftig nicht mehr gedeckt werden.

 

Deshalb wolle man in Kooperation mit der India Works GmbH auch Auszubildende in Indien gewinnen, führte Hauptamtsleiterin Annette Huber aus.

Zusammenarbeit mit indischer Organisation

Das Modell ist nicht neu, denn Metzgermeister Joachim Lederer hat diesen Weg bereits erfolgreich beschritten. Man wolle in Indien gezielt motivierte junge Leute ansprechen, die im Ausland beruflich etwas erreichen wollen, schilderte OB Diana Stöcker.

Weil eine eklatant hohe Jugendarbeitslosigkeit herrsche, könne Indien selbst beileibe nicht allen jungen Menschen Perspektiven eröffnen. „Die Kandidaten sind freundlich, enorm fleißig und haben häufig bereits ein abgeschlossenes Studium. Außerdem müssen sie auch eigenes Geld in ihre Ausbildung investieren“, so Stöcker weiter.

Deutschkurse werden bereits in Indien absolviert

Das Modell sieht vor, dass die Bewerbenden noch in Indien Deutschkenntnisse bis zum Niveau B 1 erwerben. Sie bilden sich in Deutschland dann sprachlich bis zum Niveau B 2 weiter und sammeln parallel erste praktische Erfahrungen in Kitas. Erst danach startet die Ausbildung.

Um eine größere Gruppe junger indischer Azubis bilden zu können, habe man drei weitere Gemeinden ins Boot geholt. Dank der Initiative der Metzger und anderer Branchen gebe es im Dreiländereck bereits eine beachtliche indische Community. Die Voraussetzungen, dass sich die Neuankömmlinge rasch zurechtfinden werden, seien also gut.

Gegen Abwerbungen ist man nicht ganz gefeit

Die Lehrlinge aus dem Ausland seien sehr dankbar für die Chance, die ihnen eröffnet werde, weshalb sie ihren Ausbildungsbetrieben in der Regel auch die Treue halten, berichtete Stöcker. Gegen Abwerbungen sei man jedoch nie ganz gefeit. Es bestehe aber die Möglichkeit, für diesen Fall „Ablösesummen“ im Arbeitsvertrag zu fixieren, ergänzte Huber.