Der zu Breitenberg gehörende Weiler Weikenmühle an der Teinach mit dem modern ausgestatteten Sägewerk und Wohnhäusern liegt zwischen Wald und Wiesen. Foto: Schabert

Die Weikenmühle in Neuweilers Teilort Breitenberg hat eine wechselvolle Geschichte. Erstmals erwähnt wurde der Bau im Jahr 1530. Über die Jahrhunderte nahmen sich immer wieder andere Besitzer der Mühle an. Bis heute hat das Gebäude Bestand.

Neuweiler-Breitenberg - Die Weikenmühle ist fast ohne Unterbrechung seit 1731 – inzwischen in neunter Generation – Besitz der Familie Haisch. Aber schon zuvor, nachweislich seit dem Mittelalter, hat dort das Wasser der Teinach das bis heute bestehende Sägewerk angetrieben. Früher gab es auch einer Mahlmühle mit Gerbgang die erforderliche Triebkraft und brachte einer Ölmühle den nötigen Schwung. Offensichtlich wurde an dem Platz auch Holzkohle erzeugt.

In einem Vorgängerblatt dieser Zeitung heißt es 1851: "Unterzeichner hat etwa 22 Klafter frisch gebrannte gute Kohlen um billigen Preis feil. Haisch auf der Weikenmühle." Die heutigen Betreiber des verbliebenen, modernen Sägewerks in dem Weiler zwischen Wald und Wiesen sind Mirjam und Andreas Haisch.

Nach dem Bericht jüngst in unserer Zeitung über die Typhusepidemie, die 1896 Breitenberg traf, meldete sich Mirjam Haisch. "In einem Brief an seinen Vetter schildert der Großvater meines Mannes einen weiteren Typhusausbruch zehn Jahre später", erläuterte die an der Historie interessierte Frau.

Mirjam Haisch und ihr Mann halten eine größere Sammlung alter Bilder und Dokumente in ehren. Die Familie wohnt in dem gut erhaltenen und modern für Wohnzwecke gestalteten Inneren der ehemaligen, im 18. Jahrhundert erbauten und wieder erstellten Mahlmühle.

Haisch hat auch den achtseitigen Brief in alter Deutscher Schrift von Friedrich Haisch subskribiert. Er hat diesen mit 71 Jahren 1966 an seinen vier Jahre jüngeren Vetter David – aus der Erinnerung an das schreckliche Geschehen 60 Jahre zuvor – geschrieben. Der Typhus-Tod löschte um die Jahreswende 1906/1907 von den 20 Einwohnern des Weilers fast eine komplette Großfamilie aus. Von wahrscheinlich acht Erkrankten wurden im Calwer Krankenhaus nur Vetter Elias und der Knecht der Familie wieder gesund und überlebten.

Mutter in Teppichen

Wie sie teils dort hinkamen, schildert der Brief so: "Anderntags hat euch dann euer früherer Knecht, Milchmann Greule, dorthin geführt. Ich vergesse es nie, wie er die Gasse hinuntergefahren ist, deine Mutter in Teppiche gehüllt, in jedem Arm eines ihrer kranken Kinder. […] Am Sonntag, 3.3.1907, wurde sie neben deinem Vater zur ewigen Ruhe gebettet." Dies erklärt auch Verkäufe und Versteigerungen von Sägewerk und Mahlmühle um diese Zeit. Kurzzeitig gehörte beides sowie die anderen Liegenschaften einer Firma "Lehmann und Seeger".

Bald wurde im Calwer Wochenblatt ein Teilverkauf angeboten, zu dem "nähere Auskunft" laut der Anzeige Holzhändler Lehmann aus Dillweißenstein gab.

1900 einen Mahlknecht und 1911 einen Pferdeknecht hatte nach früheren amtlichen Versteigerungen für hinterbliebene Waisen ein "Mühlebesitzer Hörmann" auf die Weikenmühle gesucht. Eine Annonce aus dem Jahr 1913 auf eine Zwangsversteigerung gibt den Hinweis, dass wohl ein Malermeister Karl Maier aus Pforzheim mit seinem erheblichen Teil des großen Besitzes so wenig zurechtkam, wie die ursprünglichen Erwerber.

Jedenfalls landete bald wieder die gesamte obere Mühle von Breitenberg – wie der Platz zur Unterscheidung von der Glasmühle ein Stück weiter im Tal auch genannt wurde – in den Händen der Familie Haisch. Im Jahr 1914 wird veröffentlicht, dass ein "Haisch, Friedrich von Weikenmühle, Gde. Breitenberg" die Prüfung zur "Versehung unständiger Lehrstellen an Volks- und Mittelschulen" erfolgreich am Lehrerseminar abgelegt hat.

Professor Adolf Essich beschreibt 1936 im Calwer Tagblatt den Weg der Weikenmühle durch die Jahrhunderte. Sein Vorfahre Sebastian Essich aus einer alten Calwer Müllersfamilie ist 1515 Besitzer der späteren Weikenmühle.

Sie trug ab diesem Zeitpunkt den in verschiedener Schreibweise dokumentierten Namen Essigmühle. Aber sie bestand schon vorher, denn bei der Übernahme hieß sie "Ruoffen Mülin". Ihren Namen behielt die Essigmühle auch beim Sohn Matthäus und Enkel Georg des Erwerbers. Zur Glasmühle hat der Professor ebenfalls geforscht. Dazu hält der alte Bericht fest: "Die wenig talwärts gelegene Glasmühle, richtiger Klasmühle (nach Niklas), kam in die Hand von Georgs Stiefbruder Bartolomäus Essich, der Bürgermeister und Vogt in Neubulach wurde." Aber im altwürttembergischen Lagerbuch ist das Anwesen bei Breitenberg bereits um 1530 als "Martelins oder glaßmülin" erwähnt.

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