Anne Hecht zeigt ihre hübsche Weihnachtskrippe – eine Erinnerung an ihren verstorbenen Papa Winfried Hecht.
Sie sieht fast ein wenig geheimnisvoll aus, die alte, schon leicht mitgenommene Zigarrenkiste aus Spanholz, mit der Aufschrift „Operas“, die mit einem Bindfaden verschnürt auf dem Tisch steht. „Sie ist ein Geschenk von meinem Vater Winfried Hecht und zugleich eine schöne Erinnerung an meine Kindheit“, erzählt Anne Hecht.
Sie kann sich noch gut daran erinnern, wie die Krippe in ihren Kindertagen daheim im Wohnzimmer in der Zollernstraße 9 unter dem Weihnachtsbaum gestanden habe. Sie habe diese Zeit sehr gemocht.
Vorsichtig wickelt Anne Hecht die zarten, etwa vier bis fünf Zentimeter großen, Figuren aus dem zerknitterten, gewachsten und schon leicht vergilbten Papier. Die Heilige Familie und das winzige Jesuskind, gerade mal eineinhalb Zentimeter groß, Hirten, Schafe, Könige und mehr kommen da zum Vorschein. „Besonders das Jesuskind hatte es mir damals angetan“, sagt Anne Hecht und lacht. Auch heute noch ist sie stolz, dass es über die Jahre nicht verloren gegangen ist.
Mit dabei ist ein kleiner Ziehbrunnen mit zwei winzigen Eimern, die an einer Schnur befestigt sind. Und natürlich der Stall, mit Stroh gedeckt. Alles, was zu einer Krippe eben so dazu gehört. Wie alt dieser besondere Schatz ist, das kann Anne Hecht nicht sagen. Das sei für sie aber auch nicht entscheidend, sondern vielmehr die Erinnerung und die damit verbundenen Emotionen.
In einer Zigarrenkiste
„Als mein Vater mich vor einigen Jahren fragte, was ich mir von all seinen Weihnachtssachen wünsche, war das diese Krippe“, erzählt Anne Hecht. Er habe gesagt, dass es sich dabei aber um einen Massenwareprodukt handle, das an sich nichts Besonderes sei. Doch für Anne Hecht hat die Krippe ganz besonderen emotionalen Wert. Und sie bekam sie, verpackt in der besagten Zigarrenkiste, vermutlich so, wie Winfried Hecht sie damals selbst bekommen oder gekauft hatte.
Und dann gibt es da noch eine ganz besondere Erinnerung an ihren Vater. Einen kurzen Brief – handgeschrieben. Quasi eine Kurzgebrauchsanweisung für die Krippe. „Beim Kripple ist ein Ziehbrunnen dabei, und dabei auch ein ganz kleiner Holzeimer an einem Fädele. Pass auf! Mir ist das Eimerle schon wiederholt abhandengekommen! Viel Freude am Kripple“ – schöner kann eine Erinnerung doch kaum sein.
Und auch die Recherche zur Zigarrenkiste überrascht: „Es gibt historische Zigarrenkisten mit der Aufschrift ‚Operas‘, von Marken wie der „Kais. Kön. Österr. Tabak-Regie“ (aus Cernowitz in der heutigen Ukraine) oder der Marke „Pom Pom“, die oft aus dem frühen 20. Jahrhundert stammen und historische Bezüge zur Donaumonarchie zeigen“, ist hierzu zu lesen.