Weihnachtsflair in VS – auch die musikalische Gestaltung kam gut an, nur bei den Gottesdienstbesuchern nicht. Foto: Jörg Carstensen/Jörg Carstensen

„Endlich“ seien die Weihnachtsmärkte in VS wirklich schön gewesen, freuen sich viele Doppelstädter dieses Jahr. Doch jetzt mischen sich laute Misstöne und sogar eine Morddrohung unter den Jubel rund um eine „Lärmbelästigung zur Gottesdienstzeit“.

Es war Samstag, 18.30 Uhr – Gottesdienstzeit im Villinger Münster. Markus Maier saß an der Orgel, bereit in die Tasten zu greifen, denn er war der Organist dieses Abends.

 

Doch statt der Orgelklänge und besinnlicher Musik seien die Kirchgänger quasi der reinsten Kakophonie ausgesetzt worden – einem wilden Durcheinander von Orgelmusik und Rockkonzert. Denn während drinnen der Gottesdienst beginnen sollte, startete draußen, auf dem Weihnachtsmarkt in Villingens Mitte, ein Rockkonzert.

„Gleichzeitig zu Beginn des Gottesdienstes fing auch eine Band so laut zu spielen an, dass der Gottesdienst durch diese Lärmkulisse erheblich gestört wurde“, schildert Markus Maier den Abend rückblickend, an dem sich die Situation noch ungut zuspitzen sollte.

„...schlage ich Dich tot“

„Früher wurde auf den Weihnachtsmärkten besinnliche Musik gespielt. Heute läuft während des Vorabend-Gottesdienstes zeitgleich ein Rockkonzert“, fasst der Organist zusammen. Das eigentliche Problem aber sei die Lautstärke gewesen.

Der Mesner und auch andere Besucher hätten die Band dann „mehrfach höflich angesprochen, die Lautstärke zu reduzieren“ und um Rücksicht gebeten. Aber: „Leider schien das niemanden zu interessieren und die Lautstärke blieb unverändert hoch.“ Doch damit nicht genug, die Situation eskalierte verbal. Ein unserer Redaktion namentlich bekannter Gottesdienstbesucher, der mehrfach versucht habe mit der Band zu reden, hatte es am Ende offenbar mit einem besonders aufgebrachten Weihnachtsmarktbesucher zu tun. Er sei mit den Worten, „wenn Du nochmals kommst, schlage ich dich tot“, harsch angegangen worden.

Für den Organisten ist der Vorgang unverständlich. „Meines Wissens gab es auch eine Absprache mit der Stadt, dass während der Gottesdienste störende Musikdarbietungen unterbleiben werden.“ Kannten diese Absprache nicht alle?

Reaktion der Veranstalter

Mit dem Vorfall konfrontiert, sagt Matthias Jendryschik, Leiter der Stabsstelle Stadtmarketing, die die Weihnachtsmärkte mit organisiert hat: „Ja, diese Absprache mit der Münsterpfarrei gab es.“ Am Samstagabend aber entwickelte sich die Situation dynamisch: „Die Band war früher da und war früher fertig mit dem Aufbau – da der Markt voll war, fing sie auch gleich an zu spielen“, erzählt er. Dass die Emotionen dann jedoch ungut hochkochten, bedauert Jendryschik: „Dafür können wir uns jetzt nur entschuldigen, es tut mir leid, dass es die Münstergänger getroffen hat.“

Für die Zukunft hat der WTVS-Chef schon einen Plan: „Vielleicht müsste man da mehr Puffer einbauen.“

Trübt positives Bild

Besonders bitter für Jendyrschik und sein Team: Der Vorfall trübt die sonst so positive Bilanz. Denn es gab von vielen Seiten sehr positive Rückmeldungen. Die Weihnachtsmärkte in Villingen und Schwenningen fanden in diesem Jahr rundum Anklang. „Das Feedback, auch von den Ausstellern, war bei beiden Märkten sehr gut.“ Vor allem Schwenningen, wo der Markt die stärkste Wandlung erfahren hat und die Architekturbeleuchtung um den Muslenplatz für eine tolle Atmosphäre gesorgt hatte, habe profitiert – „das hat dem Stadtbezirk und dem Markt mehr als gut getan“.

Auf die positiven Erfahrungen wollen die Weihnachtsmarkt-Macher im kommenden Jahr gerne aufbauen – denn trotz des positiven Fazits ist klar: Das eine oder andere, so Jendryschik, lasse sich noch verbessern.

Kritik an der Gesellschaft

Markus Maier indes zeigt durchaus Verständnis für die Ausnahmesituation Weihnachtsmarkt, schließlich finde dieser gerade einmal zwei Wochen lang in Villingen statt. „Aber gerade dann mit lauter Beschallung anzufangen, wenn zeitgleich ein Gottesdienst stattfindet, das muss ja wirklich nicht sein.“

Er hofft nun auf „geeignete Maßnahmen, um solche Vorfälle in Zukunft zu vermeiden, denn dass Gottesdienst-Besucher derart hart angegangen werden, das gebe ihm „zu denken“. „Wo bleibt die gegenseitige Rücksichtnahme in der Gesellschaft?“, beklagt er.