Mit seinem Stand auf dem Villinger Weihnachtsmarkt geht für Dominik Breier ein Jugendtraum in Erfüllung. Er bietet 3D-gedruckte Dekofiguren an.
In seinem selbst restaurierten, zum Verkaufswagen umgebauten und für das weihnachtliche Flair eigens mit Holzplanken versehenen Anhänger Baujahr 1991 bietet er an, was er zu Hause in Marbach in seinem „3D-Druck & Laser Stüble“ selbst herstellt: 3D-gedruckte Dekofiguren in den Schwarzwald-Farben schwarz, rot und weiß.
Mit denen hat er sich im vergangenen Jahr schon auf verschiedenen Märkten einen Namen gemacht und wurde deswegen in diesem Jahr für den Weihnachtsmarkt auf dem Münsterplatz angefragt.
Dahinter steckt das außergewöhnliche Hobby einer dreiköpfigen Familie. Angefangen habe alles durch seinen kleinen Sohn Luca, erzählt der gelernte Nutzfahrzeugmechniker. Für dessen Spielzeug-Gabelstapler zum Aufsitzen fertigte der Papa selbst einen Anhänger an, scheiterte jedoch zunächst an der Anhängerkupplung. Da auf dem Markt nichts Passendes zu finden war, erwarb er einen 3D-Drucker und stellte das benötigte Teil selbst her.
Zusammenarbeit mit Designern
„Ich bastle gern“, erklärt der 29-Jährige und zeigt Bilder eines selbstgebauten, vier Meter langen Lastwagens, über den sich Luca das vergangene Jahr an Weihnachten freuen durfte. Das Drucken begeisterte Dominik Breier so, dass eine Idee entstand. Er erwarb Lizenzen für Figuren, steht heute mit drei Designern in Deutschland, den USA und Kanada in persönlichem Kontakt und passt mit ihnen das eine oder andere Modell seinem Geschmack an.
Sein Verkaufsschlager, der Hirschkopf mit Bollenhut, ist dagegen eine Eigenkreation. Je nach Größe braucht ein 3D-Drucker dafür rund 15 Stunden. Heute besitzt Dominik Breier 14 Drucker, die in seiner Wohnung ein ganzes Zimmer füllen und 24/7 vor sich hin surren. Ein jeder von ihnen trägt den Namen eines Familienmitglieds, und auch der vierjährige Luca kann „Oma Edeltraud“, „Oma Margot“ oder „Elli“ schon bedienen.
Familienprojekt
Mit dem Drucken allein ist es indes nicht getan. Der weihnachtlich ausstaffierte Pinguin zum Beispiel besteht aus 17 Teilen. Die zusammenzufügen ist Aufgabe von Jacqueline Breier. Das „Familienprojekt“, wie die Breiers ihr Engagement nennen, findet freilich nur nach Feierabend und am Wochenende statt. Dominik Breier ist als Baumaschinenmechaniker bei einem Villinger Straßenbauunternehmen beschäftigt, seine Frau arbeitet in der Verwaltung einer Mutter-Vater-Kind-Klinik in Bad Dürrheim.
Urlaub genommen
Für den gerade gestarteten zehntägigen Weihnachtsmarkt haben beide Urlaub genommen. Aus dem Hobby ein berufliches Standbein zu machen, kommt für beide nicht in Frage. Ein- bis zweimal im Monat gehen sie seit einem Jahr auf Märkte im ganzen Schwarzwald-Baar-Kreis, sind mit ihrem Sortiment in fünf Läden vertreten und freuen sich, wenn dabei die Kosten für einen Familienurlaub herausspringen. Denn bei den Preisen für seine Objekte denkt Dominik Breier sehr sozial.
„Die Leute sollen es sich leisten können und Freude daran haben“, sagt er und weist auf die Kantensitzer in Engel- oder Schneemannform, auf die Toilettenpapierrollenhalter mit Schaf- oder Waschbärkopf und auf den behüteten Hirschkopf hin, den es auch LED-beleuchtet gibt. Auch auf dem Villinger Weihnachtsmarkt wird er wie immer einen 3D-Drucker dabei haben, um damit die Entstehung seiner Figuren vorort zu demonstrieren. Die dabei entstehenden kleinen Drachen dürfen die Kinder mit nach Hause nehmen.
Dominik Breier ist gebürtiger und wie er sagt, ein leidenschaftlicher Villinger, mit der ganzen Familie aktives Mitglied der Schanzelzunft, und war auch schon Teil des Vorstandteams. Auch der Historischen Narrozunft gehört die Familie an, die seit drei Jahren im Herzen Marbachs lebt und dort ihr 3D-Projekt beim Nikolausmarkt im vergangenen Jahr startete. In seiner Jugend fuhr Dominik Breier begeistert Kart, brachte es bis zum Schwarzwaldmeister und nahm an Europa- und Weltmeisterschaften teil. Von seinen Erfolgen zeugen zahlreiche Pokale, die in seinem „Druckzimmer“ Platz gefunden haben.
Durchhaltevermögen hilft
Der für den Rennsport notwendige Ehrgeiz und das Durchhaltevermögen helfen ihm jetzt, wenn es manchmal stressig wird. Hin und wieder fällt ein Drucker aus oder produziert Ausschuss, und die Ware für den Weihnachtsmarkt stapelt sich im Wohnzimmer. Denn repariert wird selbst, verpackt, transportiert und verkauft auch.