Foto: Katja Weiger-Schick/Rüdiger Wysotzki

Weihnachten im Ankunftszentrum in Meßstetten: Deutsche und ukrainische Bräuche sorgen für ein festliches Flair und lassen beim Fest in der Fremde ein wenig die Sorgen und Nöte in der umkämpften Heimat vergessen. Auch den Helfern gibt das Fest viel zurück.

Wohl zum letzten Mal haben viele Kinder und Jugendliche die Vorweihnachtszeit im Ankunftszentrum Ukraine auf dem Geißbühl verbracht. 2023 wurden dort insgesamt rund 5000 Geflüchtete aufgenommen und von dort in die Landkreise verlegt. Derzeit sind 600 Ukrainerinnen und Ukrainer auf dem Gelände der früheren Zollernalb-Kaserne untergebracht. Die meisten von ihnen leben in der Erstaufnahme des Landes, gut 100 in der vorläufigen Unterbringung des Landkreises.

 

„Man spürt gerade in der Weihnachtszeit bei unseren Bewohnern eine große Nachdenklichkeit“, erzählt Katja Weiger-Schick, die Ehrenamtskoordinatorin im Ankunftszentrum. Marco Rigano, der Einrichtungsleiter vom Regierungspräsidium Tübingen, ergänzt: „Wir können niemanden seine vertraute Umgebung ersetzen, wohl aber für ein wenig Behaglichkeit sorgen.“

Der TSV Meßstetten spendet den Baum

Diese begann für viele Bewohner mit warmer Kleidung. Die ehrenamtlichen Helfer kümmerten sich um kuschelige Anoraks, wärmende Mützen, Schals und Winterschuhe. Das Team des Ankunftszentrums indes schuf auf dem gesamten Gelände weihnachtliches Flair. Im großen Gebäude 7 steht ein geschmückter Weihnachtsbaum, genauso in der Kinderbetreuung – gespendet vom TSV Meßstetten.

Anhänger und Sterne haben die Kinder und Erwachsenen gemeinsam gebastelt, ebenso wie unzählige Festtagskarten, die sie zu den Lieben in die Ukraine geschickt haben. Bei der Caritas entstanden Adventskränze und weihnachtliche Gestecke.

Die Mannschaft von Forst BW fertigte unter Thomas Holls Leitung kleine Futterhäuschen mit den Kindern, und das Team des Diasporahauses Bietenhausen kam, um mit ihnen Lampions und Weihnachtsschmuck zu basteln.

Selbst in den Sprachkursen wurde es weihnachtlich: Die Lehrerinnen Iris Hroch, Annette Huwald und Sabine Hartmann-Tajbakhsh machten ihre Schüler mit dem passenden deutschen Vokabular zum Fest und zum Jahreswechsel vertraut.

Die Hilfe der Vereine ist ein Glücksfall

Was bitte bedeutet „Gutsle“? Und wie wird in Deutschland Weihnachten gefeiert? Die Betreuer des Lego-Projekts um Ottmar Erath stellten mit den Kindern kleine Friedenslichter in den ukrainischen Nationalfarben Blau und Gelb her.

„Wir bekommen viel dankbare Rückmeldung“, resümiert Katja Weiger-Schick. „Wir als Team freuen uns über jede Art der Unterstützung, die Bewohner über willkommene Abwechslung in ihrem Alltag“, pflichtet ihr Harry Maisner bei, der Verwaltungsleiter für das Landratsamt Zollernalbkreis. Als Glücksfall wertet Weiger-Schick die Zusammenarbeit mit vielen örtlichen Vereinen – etwa mit dem internationalen Frauenverein „Happy Woman“. Dieser macht regelmäßig Sing- und Tanzangebote. Ende Dezember kommen die Frauen erneut nach Meßstetten: zu einer großen Weihnachtsaufführung. Der Ebinger Chor „Rejoice“ verzauberte bei einem weihnachtlichen Gospelkonzert seine Zuhörer.

Vor allem die Kinder und Jugendlichen erzählen, wie sehr sie die Großmutter vermissen, ihre vertraute Umgebung, die Freunde. Für sie gab es deshalb ein kleines Fest, bei dem „Väterchen Frost“ Geschenke verteilte. Rund 200 Kinder und Jugendliche wurden beschenkt. Das Team der ORS-Kinderbetreuung hatte weit mehr als 200 Päckchen geschnürt. Punsch und Zopfbrot, von Landrat Günther-Martin Pauli geordert, waren der Lohn. Gespendet hatten den größten Teil der Geschenke Schüler und Lehrer der Balinger Sichelschule. Viele Dutzend Kuscheltiere waren auf Initiative von Susanne Menge zusammengekommen. Treue Helfer fand die Ehrenamtskoordinatorin im vergangenen Jahr traditionell in den „Pfotenengeln“.