Ein Gospel bringt das Weihnachtsgeschehen in die Oberndorfer Michaelskirche, im Teilort Bochingen spielen Kinder die Heilige Nacht nach. Weshalb das Annäherungen bleiben.
„Weihnachten ist eine Herzensangelegenheit, weil es einfach in den Alltag hinein geschieht und man sich dann ganz plötzlich damit konfrontiert sieht“ – so Diakon Thomas Brehm, der diese Aussage in der Heiligen Nacht am Verhalten von Gastwirt Josua festmachte: In Bochingen hatten die Kinder ein Krippenspiel aufgeführt, das an Josua beispielhaft zeigte, was passiert, wenn Weihnachten das Herz berührt, den Blickwinkel ändert, die Sicht weitet.
In schweren Zeiten im Heiligen Land, habe der Wirt nur an sich selbst und seine Geschäfte gedacht, welche „sein Päckle“ – das übrigens jeder Mensch durch sein Leben tragen müsse- etwas leichter machte. Ganz im Gegensatz zu seiner Frau und Tochter, die Josef und die schwangere Maria nicht abweisen wollten, weil sie im Ungeborenen bereits das Besondere, das Neue erahnten.
Weihnachten geschieht
Weihnachten habe ihr Herz viel eher berühren können, weil sie aufmerksam waren für das, was um sie herum geschah und nicht nur an sich selbst dachten. Zögerlich zwar, doch auch Josua findet noch den Weg zum Stall, spürt Wandlung und Veränderung, ausgehend vom Kind in der Krippe. Die szenische Darstellung mache deutlich, dass man Weihnachten nur dann erfahren und erleben könne, wenn man offen sei für das, was rund herum passiere, dass man Weihnachten „nie aus sich selbst heraus machen könne“, sondern dass Weihnachten einfach geschehe, weil dieses Fest von Gott her platziert sei.
Es sei der eindeutige Entschluss Gottes, mit den Menschen zusammen zu sein, sie zu begleiten auf schweren Wegen, die es auszuhalten gelte. Wer diesem Kind Raum gebe, gebe sich die Chance, dass alles neu werde.
Gospel führt in die Heilige Nacht
In der Oberndorfer Sankt-Michael-Kirche hatte Pastoralassistentin Antonia Löffler den Gospelsong „Mary Did You Know“ („Maria, hast du gewusst?“) zur Grundlage ihrer Weihnachtsbotschaft gemacht. Der Text, ursprünglich für ein Krippenspiel geschrieben, besteht fast ausschließlich aus rhetorischen Fragen an Maria, die zum Zeitpunkt der Geburt ja nicht wissen konnte, was ihr Sohn einmal in der Welt bewirken würde, wie viele Hoffnungen an ihn geknüpft waren. Das Lied beschreibt dann das Wirken Jesu, ruft Bilder hervor, die das Leben der Menschen in existenziellen Situationen erreicht, ihnen Kraft und Mut zusprechen, Hoffnung und Vertrauen schenken.
Dann griff Antonia Löffler zwei Impulse heraus, wie die Bedeutung von Weihnachten für die eigene Lebenswirklichkeit zum Anker werden kann. So dürfe man das Kleine nie unterschätzen, weil Großes daraus entstehen könne. Gottes Plan, den Menschen Hoffnung zu geben, habe in einem kleinen armseligen Stall begonnen: „Kleiner Anfang – Große Wirkung.“ So lade Weihnachten dazu ein, das Potenzial der kleinen Gesten, aufmunternden Worte im eigenen Alltag wahrzunehmen, in den Begegnungen und in der Zeit, die man füreinander einbringe.
Der zweite Impuls sprach die Bedeutung von Weihnachten als Hoffnungsträger in schwierigen und dunklen Zeiten an. Auch die Geburt Jesu habe nicht in einer heilen Welt stattgefunden, dennoch erzähle die Weihnachtsgeschichte diese Situation nicht als Geschichte der Verzweiflung, sondern als Beginn von Hoffnung.
Gerade in einer Zeit, in der die Menschheit mit vielen Krisen gleichzeitig konfrontiert sei, sei diese Botschaft „immens wichtig“. Weihnachten sage nicht, dass alles einfach werde, wohl aber dass Gott den Menschen mit ihm an der Seite ihre Zukunft zutraue, so wie Maria diesem Kind die Zukunft zugetraut habe, ohne zu wissen, wie sie aussehen würde.
Jetzt war die Zeit, dieses Lied zu hören – mit der herrlichen Sopranstimme von Antonia Löffler.