Weihnachten hat nicht nur in privaten Haushalten eine besondere Bedeutung, sondern auch im kommunalen Miteinander. Drei Bürgermeister des Kleinen Heubergs berichten.
Weihnachten, die Geburt Christi – heute ist es so weit. Im Lukasevangelium ist die Geburt des Lichts und des sogenannten Erlösers beschrieben und wird in vielen Gottesdiensten rezitiert.
Doch welche Bedeutung haben Heiligabend und die Kirche generell noch in der Gesellschaft?
Drei Bürgermeister des Kleinen Heubergs teilen ihre Beobachtungen – und ihre eigene Art, Weihnachten zu feiern.
Weihnachten in Schömberg
„Schömberg ist ein traditionsbewusstes Nest“, erklärt Bürgermeister Karl-Josef Sprenger. Alle Highlights der Stauseestadt wurzeln in den christlichen Traditionen. Mit Juchzern und scheppernden Schellen wird etwa aus der Fasnet ein Riesenfest – bevor die 40-tägige Fastenzeit beginnt. „Gut leben vor dem Fasten“, wie es der Schultes beschreibt. An Fronleichnam, im Städtle der „Herrgotstag“ genannt, zieht die Monstranz durch die Straßen. Äußerst imposante Blumenbilder und geschmückte Altäre werden gestaltet.
„Auch Weihnachten hat in Schömberg immer noch einen sehr großen Stellenwert, allerdings mit rückläufiger Tendenz, gerade in puncto Kirchenbesuchen und derlei Dingen“, beobachtet Sprenger. Für ihn und seine Familie sei es jedoch besonders wichtig, die Tradition beizubehalten. Ehefrau Nadja Sprenger ist Messnerin am Palmbühl – „und gefordert als erstklassige Bäckerin, was dem Fest eine besondere Genussnote verleiht“, schwärmt der verheiratete Mann bereits zur Adventszeit. „Gutes Essen gehört auch dazu.“
Die Söhne sind als Ministranten tätig. Selbstverständlich besucht die Familie Sprenger daher den Gottesdienst, „um die weihnachtliche Stimmung zu erspüren“. Dafür bietet übrigens auch das Weihnachtsdorf Gelegenheit, das bereits Anfang Dezember auf dem Zehntscheuervorplatz veranstaltet wurde und zuletzt mit 18 Ausstellern eine Rekordbeteiligung erzielte. Zwischen den Jahren darf der Bürgermeister alias selbsternannte „Leseratte“ auch mal die Füße hochlegen und ein bis zwei Bücher verschlingen.
Weihnachten in Rosenfeld
Die Weihnachtszeit beginnt in Rosenfeld mit dem Missionskreis in Heiligenzimmern und dem Rosenfelder Weihnachtsmarkt. Bis zum vierten Advent gibt es viele Angebote in allen Ortsteilen, auch zum Mitmachen. „Die Veranstaltungen sind grundsätzlich offen für alle“, sagt Bürgermeister Thomas Miller.
Auch in den Kindergärten würde sich das Programm an den christlichen Feiertagen orientieren. „Es ist aber nicht nur auf die christliche Weltanschauung beschränkt, sondern situationsbedingt an die kulturellen Hintergründe der Kinder angepasst“, so die Auskunft. „Es wird alles vorgestellt, zum Beispiel auch das Zuckerfest.“
Aufgrund der familiären Prägung durch christliche Überzeugung steht Weihnachten im Hause Miller hoch im Kurs. Der ehemalige Kirchengemeinderat und Kinderkirchhelfer begeht das Fest klassisch mit Baum und Geschenken. „Dass man gut isst, zusammen ist und zusammen Heiligabend begeht“, sei ihm wichtig. Der Kirchgang findet nicht nur an den Feiertagen, sondern bereits in der Adventszeit statt. „Weihnachten ist für mich der Beginn des Neuen – Geburt, Anfang, Aufbruch.“ Listen mit guten Vorsätzen für das neue Jahr gibt es beim Rosenfelder Schultes jedoch nicht, dafür aber ein gutes Buch, vorzugsweise einen Regionalkrimi, um nach der Hektik des Alltags zu entschleunigen.
Weihnachten in Geislingen
„Weihnachten ist für Geislingen eine Zeit der Entschleunigung und der Begegnung, in der Gemeinschaft spürbar wird“, bemerkt Bürgermeister Oliver Schmid. Dazu gehören musikalische Konzerte, die Weihnachtsfeiern der Vereine sowie das städtische Adventssingen, das bereits zum 16. Mal stattfand.
Letzteres beinhaltet einen kurzen Jahresrückblick auf das Stadtgeschehen sowie musikalische Begleitung, wenn zusammen Lieder angestimmt werden. Für den Schultes ein Ereignis wie kein anderes: „Es ist etwas Besonderes, was es viel zu wenig gibt: gemeinsam etwas Traditionsreiches zu feiern. Weihnachten bringt Menschen zusammen, auch über Generationen hinweg.“
Wieso ihm das so wichtig ist? „Nur dann, wenn man seine Traditionen bewahrt, kann man sich zusammen weiterentwickeln. Es geht darum, wertzuschätzen, was andere Generationen geleistet haben. Denn wir leben in einer Gesellschaft, in der es uns sehr, sehr gut geht.“
Mit der Kritik der Jugend, dass sie ausbaden müsse, was die älteren Generationen versäumt haben, sei es hinsichtlich Renten- oder Naturschutzpolitik, tue sich der Bürgermeister schwer. „Die bisherigen Generationen haben mit viel Fleiß im ureigenen Sinn den Lebensstandard erschaffen und die Jugend kritisiert, was jetzt am Wohlstand kratzt. Das sind die gesamtpolitischen und weltpolitischen Entwicklungen, auch die jüngere Generation muss umdenken. Mit einer Vier-Tage-Woche werden wir den Wohlstand unserer Zeit nicht beibehalten. Ich wünsche mir weniger Empörungskultur und mehr Vertrauen in alle politischen Entscheidungsträger. Weg vom Ich, mehr an die Gemeinschaft denken.“
Der Tannenbaum wird im Hause Schmid übrigens einen Tag vor Heiligabend aufgestellt und an Dreikönige wieder eingepackt. Die Feiertage verbringt der Schultes dann mit Familien und Freunden. Im städtischen Geschehen bemerkt er: „Die Weihnachtszeit erinnert uns daran, dass eine Stadt nicht nur aus Gebäuden und Straßen besteht, sondern auch aus Menschen, die füreinander Verantwortung übernehmen.“