Für Flüchtlinge aus der Ukraine wie Ihor und Denys, die in Unterkirnach bestens bekannten Pankiv-Brüder, wird Weihnachten von einem besonderen Gefühl begleitet: Heimweh.
Ihor und Denys Pankiv sind zwei hochbegabte Akkordeonisten, die an der Musikhochschule Trossingen Akkordeon mit künstlerisch-pädagogischem Profil studieren.
Seit April 2022 leben sie in einer kleinen Wohnung in Trossingen, in einem Gespräch mit unserer Redaktion erklären sie: „Natürlich haben wir Heimweh nach unserem Zuhause in der Ukraine, aber gleichzeitig sind wir sehr dankbar, dass uns die Hochschule die Möglichkeit gegeben hat hier zu studieren und auch schon mehrere Konzerte zu geben“, unter anderem zweimal in Aachen bei der Verleihung des Karlspreises in Aachen und einmal im EU-Parlament im Rahmen einer Ukraine-Konferenz.
Auch in Unterkirnach haben sie schon drei Konzerte gegeben, einmal wurden sie von Bürgermeister Andreas Braun zu einer Ehrung verdienter Bürger eingeladen, einmal von der Hapimag-Anlage und einmal vom Akkordeon Spielring Unterkirnach/Villingen.
Deutsch lernten sie schnell
Beide spielen das Knopfakkordeon, auch Knopfgriff-Akkordeon genannt. Darauf wird nicht nur der Bass, sondern auch der Diskant mit Knöpfen gespielt. Sie erzählen in fließendem Deutsch, „das mussten wir hier schnell lernen“, von ihrer Heimat Velykyi Lubin, einer kleineren Stadt, die 30 Kilometer von Lemberg (Lwiw) entfernt liegt, und die sie verlassen mussten, nachdem Putin in der Ukraine einmarschiert war.
„Wir saßen im Bus auf dem Weg nach Lemberg, als wir hörten, dass der Krieg begonnen hat“, berichten Ihor und Denys Pankiv. „Damit hatten wir nicht gerechnet, denn wir glaubten, dass Putin nur drohe. Den Menschen um uns herum ging es genauso, alle waren durcheinander und verwirrt, wir kehrten wieder um und fuhren zurück“, erklärt Ihor.
Ein neuer Plan
Zwei Monate hätten sie zuhause gesessen und mit den Eltern beraten, wie es weitergehen soll, die Mutter sei Sängerin und Chorleiterin, der Vater Musikschulleiter, so die Brüder. Denys zeigt auf seinem Handy Bilder, die er unweit des Elternhauses machte, sie zeigen Krater von Raketen-Einschlägen.
„Unsere Eltern hatten gehört, dass es in Trossingen zwei freie Plätze an der Musikhochschule gibt, da haben wir uns beworben“, erklärt Ihor. Und auf die Frage, wie sie das machten, antwortet er: „Wir ließen uns Papiere von unserem Studium in Lemberg geben, die schickten wir, zusammen mit einem Video von uns nach Trossingen.“ Ihr Professor an der Musikhochschule habe das Video gesehen und gesagt: „Wir nehmen sie“, so Ihor.
Also ging es im April 2022 mit dem Bus von Lemberg über Krakau nach Rottweil, von dort nach Trossingen, ihre Mutter begleitete sie und fuhr dann wieder zurück. Sie habe sie schon zweimal besucht, ihr Vater dürfe die Ukraine nicht verlassen, er rechne jeden Tag damit, dass er eingezogen wird, erklären sie beklommen.
Wenig Hoffnung auf Frieden
Denys war bei der Flucht 16 Jahre alt, Ihor 17. Jetzt, mit 18 und 19 Jahren, können sie die Ukraine nicht besuchen, da sie eingezogen würden, wissen sie.
Sie lesen jeden Tag die Nachrichten und telefonieren oft mit ihren Eltern, auch rechnen sie nicht mit einem baldigen Ende des Kriegs: „Russland wollte immer die Ukraine haben“, betonen die Brüder. Im Alter von fünf und sechs Jahren übten die Brüder in der Heimat schon das Spiel auf dem Akkordeon, dazu kam Klavier, heute ihr Zweitfach in Trossingen.
„Wir fingen hier als Gaststudenten an, absolvierten zwei Semester, dann kam die Aufnahmeprüfung“, berichtet Ihor. „Wir mussten einige Stücke auf dem Akkordeon spielen, das war nicht schwer für uns, dann gab es ein zehnminütiges Gespräch in deutscher Sprache, dann gab es eine Begabtenprüfung mit der Interpretation einiger Stücke.“ „Zum Beispiel über Bach“, wirft Denys ein, und natürlich Musiktheorie.
Leben wird selbst finanziert
Auf die Frage wie sie abgeschnitten hatten, antwortet Ihor: „Wir erhielten 24 von 24 Punkten.“ Nun studieren sie weiter, um den Bachelor zu machen, nächstes Ziel: den Master erreichen. Und als Profi-Musiker hoffen sie auf viele Konzerte, die sie geben möchten, dazu streben sie später eine Anstellung als Akkordeonlehrer an.
Der Unterricht beginnt mit Vorlesungen um 9 Uhr, nach einer Stunde Mittagspause geht es den ganzen Tag weiter, mal ein Tag Theorie, mal ein Tag Akkordeonspiel. Das Stipendium und eine weitere finanzielle Unterstützung seien jetzt ausgelaufen: „Ab jetzt müssen wir alles selbst bezahlen, Wohnung, Lebenshaltungskosten, dazu geben wir Konzerte“, betonen sie.
Auf die Frage, ob ihnen die Gagen zum Leben reichen, antworten sie: „Ja, wir kommen klar“.
So feiern sie Weihnachten
Ihor und Denys sind total auf ihr Studium, auf Konzerte und auf lernen, lernen und nochmals lernen fokussiert. Sie zeigen sich dankbar, dass sie in der Musikhochschule aufgenommen worden, sie danken auch ihrer Deutschlehrerin Marga Müller, die sie privat unterrichtete. Dass sie auf ein Ende des Kriegs hoffen, ist selbstverständlich. Auf die Frage, ob sie Weihnachten nach dem gregorianischen oder julianischen Kalender feiern, antworten sie: „Wir sind Ukrainische-Orthodox und feiern nach dem gregorianischen Kalender Weihnachten, hier in Trossingen.
Wer eins der exzellenten Konzerte mit dem „Ukrainian Accordion Duo Brothers“ buchen möchte, hier die Kontaktdaten pankivigor 007@gmail.com und ihor.pankiv@ukr.net oder pankiv Brothers auf Facebook.