Noch bis zum Dreikönigstag ist in der Täbinger Karsthans-Kirche die Dorf- und Bauernkrippe zu bestaunen. Foto: Schweizer

In Täbingen wurde Weihnachten gleich dreimal gefeiert. Darüber hinaus wartet die Karsthans-Kirche noch bis Dreikönig mit einem besonderen Hingucker auf.

Zwischen Braten, Bescherung und Verwandtschaftsbesuch gehört er für viele nach wie vor an Weihnachten dazu: der Gottesdienstbesuch. Die evangelischen Christen in Täbingen hatten dreimal Gelegenheit dazu. Da sich quasi in allerletzter Minute noch Schnee dazu gesellte, präsentiere sich die schöne Karsthans-Kirche auf der Anhöhe in einem winterlichen Kleid, was die Festtagsstimmung noch verstärkte.

 

Drinnen ging es ebenso feierlich zu. Dafür sorgte am ersten Weihnachtstag der Posaunenchor unter der Leitung von Horst Völkle. Die nicht wenigen Bläser intonierten auf der Empore unter anderem das Lied „Ich steh‘ an Deiner Krippe hier“, was Gemeindepfarrer Stefan Kröger angesichts der Klangfülle besonders freute. Bei „O du fröhliche“ verwandelte sich die Kirche in einen ganz großen Chor, dem viel Applaus folgte.

In seiner Predigt setzte sich Kröger mit der Weihnachtsbotschaft aus dem Brief an Titus auseinander: „Es erschien die Freundlichkeit Gottes.“ Gott habe nicht seine Machtdominanz ausspielen wollen, sondern mit dem Kind in der Krippe das Vertrauen der Menschen zurückgewinnen.

Fast bis auf den letzten Platz besetzt war das Gotteshaus an Heiligabend beim Krippenspiel der Kinderkirche

Beim Christfest gehe es aber auch um die Rettung und die Erlösung – er zitierte aus der Luther-Bibel, wo es heißt „dass Gott uns selig macht“. Für Kröger ist das Wort „selig“ aber zu wenig, zu kraftlos, er interpretierte die Intension der Geburt, die zentrale Botschaft lieber so: „Gott hat uns aus der Verlorenheit gerettet.“

Die Welt habe angesichts von Hass und Brutalität die Rettung nötig, und vor allem Frieden. Er appellierte an alle Gläubigen, Friedensboten zu sein. Und deshalb schüttelten sich die Besucher schon am Anfang der Feier die Hände – mit dem Wunsch: „Der Friede sei mit dir.“ Eine weitere Botschaft aus dem Brief an Titus laute, den Blick nach vorne zu richten, unter der Perspektive der Hoffnung zu leben. „Denn Gott tut alles, dass wir Zuversicht haben, glauben und vertrauen können.“

Fast bis auf den letzten Platz besetzt war das Gotteshaus an Heiligabend beim Krippenspiel der Kinderkirche: 17 Jungen und Mädchen im Alter von vier bis 14 Jahren führten die Weihnachtsgeschichte auf. Dabei war viel Abwechslung geboten – denn immer wieder wurden auch kindgerechte Lieder, darunter „Die beste Nachricht aller Zeiten“, vorgetragen, die so nicht im Gesangbuch stehen. Die Kinderkirche wird von Sarah Hölle geleitet, ihr Mann Jerome und Nelle und Salome Schatz sowie Aileen Sauter unterstützen sie dabei. Der Auftritt an Weihnachten bildet immer den Höhepunkt ihrer Aktivitäten.

Gemeinden wechseln sich ab

Ganz im Zeichen der Ökumene steht immer der zweite Weihnachtstag, wenn sich die evangelischen Täbinger zusammen mit ihren katholischen Nachbarn aus Dautmergen treffen. Früher fand der Gottesdienst immer in Dautmergen statt, mittlerweile wechseln sich die beiden Gemeinden aber ab. Heuer war Täbingen wieder an der Reihe. Pfarrer Stefan Kröger begrüßte dazu nicht nur Diakon Stephan Drobny vom Pastoralteam aus Dotternhausen, sondern auch den Dautmerger Chor mit seinem Dirigenten Martin Kraft. Natürlich waren auch die Sängerinnen und Sänger aus Täbingen unter der Leitung von Beate Vöhringer mit von der Partie – und so wurde aus der Feier ein beinahe kleines konfessionsübergreifendes Sängerfest.

Nicht nur Schönes auf die Ohren, sondern auch auf die Augen gab’s und gibt’s in der Kirche. Vor dem Altar ist noch bis zum Dreikönigstag am 6. Januar 2026 eine außergewöhnliche Dorf- und Bauernkrippe zu bestaunen. Auf Anregung des früheren Pfarrers Werner-Ulrich Deetjen schuf der polnische Volkskünstler Wladimir Naumijuk rund 40 bemalte Holzfiguren – als Zeichen der Versöhnung zwischen Deutschen und Polen und der Verbundenheit der Kirchengemeinde Täbingen mit dem polnisch-orthodoxen Bistum Lublin-Chelm. Naumijuks Eltern wurden während des Krieges von SS-Männern erschossen.

Die 10 bis 30 Zentimeter großen bemalten Figuren sind 1991 nach Fotos von Täbinger Originalen und Ortsansichten entstanden. Sie zeigen im Vordergrund des 1000 Jahre alten Chorkirchturms den Pfarrer, Lehrer und Schultheiß, aber auch den Wagner, Metzger, Dorfschütz und Schäfer – und die Selige Hailwig von Täbingen sowie den Arzt und Wanderprediger Johannes Murer, genannt Karsthans, den Namensgeber der Kirche.