Weihnachtsstress mal anders: Während viele die Feiertage nutzen, um zu entspannen, ist der Terminkalender der St. Georgener Pfarrer Roland Scharfenberg und Harald Dörflinger voll. Im Gespräch berichten sie, wie sie Weihnachten erleben.
St. Georgen - Es ist eine Zeit für die Familie, eine Zeit, um zur Ruhe zu kommen, und für viele auch Urlaubszeit: die Weihnachtsfeiertage. Doch nicht bei allen steht der Alltag einmal hinten an. Ganz im Gegenteil: Der christliche Glaube hat an Weihnachten Hochkonjunktur. Die Gottesdienstkalender sind so voll wie selten und Pfarrer im Dauereinsatz. Wie erleben sie die besinnlichen Tage?
Roland Scharfenberg, evangelischer Pfarrer in St. Georgen, freut sich bereits auf Weihnachten – besonders auch auf die gut besuchten Gottesdienste und Krippenspiele zwischen Heiligabend und dem zweiten Weihnachtsfeiertag. Als Pfarrer sei es etwas ganz Besonderes und sehr Schönes, die weihnachtliche Botschaft – eine der zentralen im christlichen Glauben – weiterzugeben.
Stressig wird es da schon mal
Doch natürlich sei die Gottesdienstfrequenz in kaum einer Zeit so hoch ist wie an Weihnachten. Nur an Ostern sei die Menge der Gottesdienste ähnlich, sagt Scharfenberg. Es an den Feiertagen gemütlich angehen lassen ist da eher nicht drin. "Aber das weiß man ja auch, wenn man den Beruf ergreift", meint Scharfenberg. Außerdem könne man die Gottesdienste an Weihnachten im aktuellen Team gut abdecken. In vergangenen Jahren sei das deutlich schwieriger gewesen, da die Personalsituation noch angespannter war.
Trotzdem: Wird es bei so vielen Gottesdiensten und Krippenspielen – allein an Heiligabend sind es in der evangelischen Kirchengemeinde St. Georgen/Tennenbronn immerhin sieben Stück – auch manchmal stressig? "Ja, natürlich", sagt Scharfenberg. Man müsse schon immer schauen, dass man zeitlich alles unter einen Hut bekomme und vor allem, wo eine Lücke bleibe, in der man noch im Familienkreis Weihnachten feiern kann. "Aber das ist meine Familie gewohnt", erzählt Scharfenberg. Da müsse jeder Pfarrer herausfinden, "wie es für ihn passt".
Gute Vorbereitung ist Gold wert
Scharfenberg selbst hat das längst: Für ihn ist es wichtig, auch während der Festtage ruhige Stunden im Kreise seiner Liebsten verbringen zu können. "Der Ausgleich ist wichtig", findet Scharfenberg. Wichtig dafür, dass dieser gelingt, ist eine gute Vorbereitung: Schon Wochen vor Weihnachten ist der Pfarrer fleißig dabei, alles Nötige für die Gottesdienste zu organisieren, sodass an Weihnachten alles rund läuft. "Dann kann ich an Heiligabend gemütlich zuhause sein und weiß, dass für den Gottesdienst am nächsten Tag schon alles bereitliegt."
Arbeitsintensiv ist die Vorweihnachtszeit
Auf eine gute Vorbereitung setzt auch Harald Dörflinger, katholischer Pfarrer in St. Georgen. "Das Gottesdienstfeiern an sich ist das Schöne", meint er. Zwar habe er an Weihnachten selbst keine Zeit, um zu seiner Familie in die Heimat zu fahren, die feierlichen Messen und auch die besondere kirchenmusikalische Gestaltung sorgen aber dafür, dass er die Weihnachtszeit dennoch als "sehr wohltuend" empfindet.
Stressig und arbeitsintensiv sind aus Sicht des katholischen Pfarrers eher die Wochen vor Heiligabend, in denen Gottesdienste vorbereitet, Predigten geschrieben, die musikalische Gestaltung festgelegt und allerhand Absprachen getroffen werden müssen. Mit acht Gottesdiensten, die Dörflinger in diesem Jahr über Weihnachten feiert, müsse man zwar dennoch ein Auge auf die Uhr haben, um von einem Gottesdienst rechtzeitig zum nächsten zu kommen. "Das ist man aber von normalen Sonntagen eigentlich schon gewohnt", erklärt Dörflinger.
"Persönliches Weihnachtsfest" etwas später
Ein Marathon bleiben die Feiertage dennoch: "Nach so vielen Heiligen Messen fühlt man sich am Ende schon etwas ausgelaugt", sagt der Pfarrer. Zeit, um einmal richtig durchzuatmen, hat Dörflinger dann in der Zeit zwischen Weihnachten und Neujahr. Mit ein paar freien Tagen steht dann sein "persönliches Weihnachtsfest" an – etwas zeitversetzt zu dem vieler anderer.