Weihnachten ist mehr als „nur“ ein Fest. Für viele ist es ein Gefühl, das ganz viel mit Kindheitserinnerungen und Traditionen zu tun hat. Wir haben uns bei Menschen in Rottweil mal umgehört.
Stadtarchivarin Lena Kunz erinnert sich noch gut daran, dass es immer auch „ein bisschen Weihnachtschaos“ gab. „Zuerst ging es gemeinsam in die Kirche, wo wir mit der örtlichen Musikkapelle den Gottesdienst musikalisch begleitet haben. Dann mussten wir bei meinen Großeltern aufs Christkind warten“, erinnert sich die 32-Jährige. Der Baum sei immer erst am Heiligen Abend aufgestellt und geschmückt worden. „Und es wurde immer ganz besonders gegessen; Dinge, die es sonst unter dem Jahr nicht gab. Und wir haben immer gemeinsam gesungen – Oma besonders schräg“, sagt sie und lacht.
Ganz besonders in Erinnerung geblieben ist ihr, als ihr kleiner Bruder mit dem neuen elektrischen Kindermotorrad unversehens in den Christbaum gerauscht sei.
Tod der Mutter hinterlässt schmerzliche Lücke
Seit dem Tod ihrer Mutter vor zwei Jahren fehle jetzt ein zentraler Punkt an Weihnachten. „Der Rest der Familie versucht aber, an ihre Traditionen zu erinnern und ich bin nun fürs Weihnachtsmenü zuständig. Vielleicht schaut sie ja von oben zu und freut sich, dass wir ihre selbst gemachten Strohsterne immer noch an den Christbaum hängen“, so Lena Kunz.
Kreisbrandmeister hat besondere Tradition
Der neue Kreisbrandmeister Philipp Glunz, 35 Jahre, gibt uns ebenfalls einen Einblick in sein Weihnachtsfest: „In meiner Familie wurde und wird Weihnachten schon immer besinnlich und auch mit der ganzen Familie gefeiert. Wir singen gemeinsam Weihnachtslieder, manche etwas schräg und schief und in der ersten Strophe noch mit vielen Mitsingern – je mehr Strophen folgen, desto dünner wird die Besetzung.
Seit vielen Jahren haben wir eine ganz besondere Tradition: die Weihnachtsgurke! Dabei handelt es sich um einen Christbaumschmuck in der Form einer Essiggurke. Diese wird in den Christbaum gehängt, und zwar so, dass sie nicht sofort entdeckt werden kann. Durch ihre grüne Farbe ist die Gurke nicht ganz so leicht zu finden... Derjenige, der als Erster die Weihnachtsgurke entdeckt, erhält ein kleines zusätzliches Geschenk“, sagt er.
Immer mit Weihnachtslied
Schuhmachermeister Karl-Heinz und seine Frau Bettina, 59 und 53 Jahre alt, schwelgen gern in Erinnerungen. Karl-Heinz Auch: „Im Wohnzimmer meiner Eltern lag immer ein Stapel mit Gesangbüchern und Liederheften, bei jeder Gelegenheit wurde gesungen und musiziert. Egal wer uns besucht hat, ohne ein Weihnachtslied, begleitet von meinem Vater auf der Mundharmonika, ist niemand nach Hause gegangen.
Und Bettina Auch ist das Jahr 1979 ganz besonders in Erinnerung geblieben: „1979 hat mein Vater für meine Schwester und mich ein Puppenhaus zu Weihnachten gebaut. Mit echten elektrischen Lampen, selbstgebauten Möbeln und einer kleinen Terrasse. Obwohl er wochenlang beschäftig war, haben wir überhaupt nichts geahnt. Die Überraschung und die Freude am Weihnachtsabend waren riesengroß.
Ich vergesse nie dieses glückselige Gefühl, wie ich mich am nächsten Morgen schon ganz früh ins dunkle Wohnzimmer geschlichen habe, um andächtig vor der Puppen-Villa zu sitzen und die mini-kleinen Lichtschalter zu betätigen.“
Gemeinsam gebacken
Michaela Oettle, 53 Jahre, ist neue Ortsvorsteherin von Zepfenhan. Ihr ist besonders das klingelnde Glöckchen in Erinnerung, „wenn das Christkind seine Geschenke vorbeigebracht hat und wir Kinder endlich den Raum mit dem toll geschmückten und glitzernden Weihnachtsbaum betreten durften. Weihnachten war bei uns immer ein Fest der Familie. Gemeinsames Backen mit der Mutti und Oma während der Adventszeit waren eine besondere Tradition. Auch den Adventskranz haben wir immer gemeinsam gefertigt. Ach ja, und der Weihnachtsbaum wurde an Heiligabend heimlich von den Eltern aufgestellt. Das Wohnzimmer war in dieser Zeit verschlossen.“
Und auch heute noch feiert Michaela Oettle „fast genauso wie früher. Lediglich der Weihnachtsbaum steht bei uns, wegen unserer Vierbeiner, inzwischen auf der Terrasse.