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Weihnachten im Schuhkarton Wie ein Kuscheltier die Welt retten kann

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Auch die Ärmsten Teile der Welt werden im Rahmen der Aktion beschenkt. (Symbolfoto) Foto: oneinchpunch/ Shutterstock

Einen Monat lang packt Susanne Brieskorn mit Geschenken gefüllte Schuhkartons aus, sortiert ihren Inhalt nach Kategorien und packt sie wieder ein – damit auch bedürftige Kinder etwas von Weihnachten haben. Ein paar Mal war sie beim Verteilen der Geschenke selbst vor Ort in den ärmsten Gegenden Moldawiens dabei. Was sie dort erlebt hat, erfahren Sie in unserem (SB+) Artikel.

Loßburg - Das bunte Päckchen in den Händen des kleinen, moldawischen Jungen lässt die marode Straße mit den Hütten ohne Strom oder fließendes Wasser gleich ein bisschen weniger trostlos erscheinen. In der ganzen Straße gibt es nur ein Plumpsklo für alle. Und als seine Schwester sich einmal das Bein gebrochen hat, konnte die Familie nur warten und hoffen. Der Arzt ist in der Stadt und für sie unbezahlbar.

Viele schöne Erinnerungen

Endlich ist Weihnachten. Die Kinder packen ihre Geschenke aus. Die Augen des Jungen leuchten, als er ein paar Schuhe im Paket seiner Schwester sieht. Susanne Brieskorn fragt, warum er sich so freut. Er sagt: "Ich wollte immer mit meiner Schwester draußen spielen. Jetzt kann ich das, weil sie endlich Schuhe hat." Bisher hat sich die ganze Familie zwei paar Schuhe geteilt.

An diesen Tag erinnert sich Susanne Brieskorn, zuständige Gebietskoordinatorin Kreis Freudenstadt für die Aktion "Weihnachten im Schuhkarton", gerne. Ein paar Mal war sie schon beim Ausliefern der Weihnachtsgeschenke vor Ort. Erinnerungen wie diese sind ihr Antrieb und der Grund, warum sie sich schon seit 23 Jahren für die weltweite Aktion engagiert. "Häufig gehen die Schuhkartons aus unserer Region nach Moldawien", erklärt sie. "Es ist unvorstellbar, wie arm dort viele Menschen sind. In ihren Unterkünften würde man hierzulande nicht einmal Ziegen halten." Die Kinder freuen sich über die kleinsten Dinge, weil für sie nichts selbstverständlich sei. "Ich will nicht als selbstverständlich hinnehmen, was ich habe. Selbst wer hier im Land arbeitslos ist, hat mehr als so mancher Mensch dort."

Jährlich etwa 1500 Schuhkartons im Landkreis

Doch bevor die Pakete an ihren Bestimmungsorten ankommen können, passiert an anderen Orten auf der Welt so einiges – zum Beispiel in Loßburg. "Ich haben die Päckchen viele Jahre lang zu Hause gepackt", erinnert sich Brieskorn, die die aufwendige Arbeit immer mit drei bis zehn Helfern leistet. "Im Kreis Freudenstadt kommen jährlich etwa 1500 Schuhkartons zusammen", sagt sie. Die habe sie alle die Treppe hinauf in ihre Wohnung geschleppt, dort in jeder freien Ecke gelagert und nach dem zollfertigen verpacken über den Balkon hinuntergelassen. Ein unvorstellbarer Aufwand. Bis eine Freundin aus Loßburg sie an den dortigen Pfarrer der evangelischen Kirchengemeinde verwiesen habe. "Wir haben lange nach Rä­umen gesucht und keine gefunden. Und dann hat das Pfarramt uns das Gemeindezentrum angeboten", freut sie sich.

Gummistiefel und Schulsachen sind besonders gefragt

"D ie Gemeinde Loßburg ist sehr engagiert", sagt Brieskorn. "Hier wird immer viel abgegeben." Von den etwa 100 Geschenken, die aktuell im Gemeindehaus liegen, seien 34 allein aus Loßburg, der Rest unter anderem aus Freudenstadt, Dornstetten und Pfalzgrafenweiler.

"Ich kümmere mich um die Koordinationsarbeit und das Finanzielle", erklärt sie. "Ich nehme alles entgegen, was die Leute so bringen, und muss den Überblick darüber behalten, wer wann was vorbei bringt." Oft frage man sie, wie die Schuhkartons denn zu packen seien. Die Kartons werden mit Geschenkpapier beklebt und am Ende zugebunden. Aber was komme hinein? "Das kann alles sein von Kleidung über Spielsachen und Plüschtiere oder Hygieneartikel bis hin zu Schulutensilien." In den armen Gegenden Moldawiens radieren die Kinder ihre Hefte am Schuljahresende wieder aus, damit sie sie im nächsten Jahr wiederverwenden können. Es gebe nämlich nicht genug Papier. "Schuhe sind auch immer gut, vor allem Gummistiefel. Die sind unverwüstlich." Darüber hinaus sei der Fantasie keine Grenzen gesetzt. Manche legen sogar selbst gestrickte Masken bei.

Was nicht in die Kartons gehört, bekommt das Kinderheim in Rodt

In diesem Jahr müsse bei der A uswahl der Länder nicht nur auf die kurzen Wege geachtet werden, sondern auch darauf, wo die Grenzen überhaupt offen seien, überlegt Brieskorn. "Man hätte das Projekt aus Angst vor Ansteckung natürlich ausfallen lassen können. Aber gerade jetzt brauchen die Bedürftigen die Unterstützung mehr denn je."

Die Päckchen-Abgabe-Saison neigt sich dem Ende zu, am Montag, 16. November, schließen die Annahmestellen. Wie viele Schuhkartons letztendlich zusammenkommen, könne man noch nicht sagen. "Bisher waren es immer um die 1500", sagt Brieskorn. Aber angesichts der aktuellen Umstände sei fraglich, ob es wieder so viele werden. "Viele sind in Kurzarbeit und bei den Corona-Problemen scheint mir die Aktion ein wenig in den Hintergrund gerückt zu sein", sorgt sie sich.

Zuerst wird alles sortiert

Wenn die Päckchen von allen 25 Annahmestellen im Landkreis – in Schulen, Geschäften, Pfarrhäusern und öffentlichen Stellen – in Loßburg zusammengetragen werden, ist Brieskorn in den kommenden Wochen mit zwei bis drei Helfern damit beschäftigt, die Kartons versandfertig zu packen. "Sonst waren wir immer zehn, aber jetzt in Corona-Zeiten versuchen wir, mit so wenigen Personen wie möglich hinzukommen." Als gemeinnütziger Verein gelte die Zwei-Haushalts-Regel für sie wenigstens nicht.

"Zuerst sortieren wir alles nach Kategorien", erklärt die Koordinatorin. "Oft sind auch Sachen in den Kartons, die nicht hinein dürfen, zum Beispiel verderbliche Lebensmittel." Diese werden dann an das Kinderheim in Loßburg-Rodt gespendet. Der Rest werde wieder verpackt, sodass in jedem Karton von allem etwas ist. Und dann werden die Geschenkekisten von der Post abgeholt und in die Weihnachtswerkstatt nach Berlin gebracht, von wo aus sie an ihre Bestimmungsorte verschickt werden.

Dann kann wieder etwas Ruhe einkehren im Loßburger Gemeindehaus. Und auch bei Brieskorn und ihren Mitstreitern. Die Arbeit lohnt sich, sind die sich einig. Die Dankbarkeit der bedürftigen Kinder und Familien ist ihr Lohn. "Die Geschenke öffnen Herzen", fasst Brieskorn es in Worte. "Es ist einfach unfassbar, wie ein Spielzeugauto oder ein Kuscheltier für diese Kinder ihre Welt retten kann", sagt sie. "Weil es mehr ist als sie jemals hatten."

Weitere Informationen

Fragen beantwortet Susanne Brieskorn unter Telefon 07741/859 05 oder 0157/84 19 65 24. Päckchenabgabe im Pfarramt der evangelischen Kirchengemeinde Loßburg-Schömberg, der Kirche oder dem Bezirkszentrum der Liebenzeller Gemeinschaft bis spätestens kommenden Montag.

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