Ulrike Stehle und Maurizio Postiglione sind seit zehn Jahren ein Paar, betreiben gemeinsam einen Pizzawagen sowie ein Cateringunternehmen und engagieren sich nebenbei ehrenamtlich auch noch bei Aktionen wie "Weihnachten einmal anders". Foto: Heinig

Sie lieben es, Menschen Gutes zu tun. Maurizio Postiglione und Ulrike Stehle sind seit zehn Jahren ein Paar, betreiben gemeinsam einen Pizzawagen sowie ein Cateringunternehmen und engagieren sich nebenbei ehrenamtlich auch noch bei Aktionen wie "Weihnachten einmal anders".

VS-Villingen - Mit seinem Vorschlag, einsame Menschen am Heiligen Abend nicht alleine zu lassen, rannte der gebürtige Italiener beim Caritasverband offene Türen ein. Das war vor sieben Jahren. In den ersten fünf Jahren feierte man daraufhin das Weihnachtsfest gemeinsam mit rund 70 Menschen, und Maurizio Postiglione steuerte ein Dreigangmenü – "mit alkoholfreiem Aperitif" – bei.

Seelische und feste Nahrung

In diesem Jahr muss das Fest aufgrund der Coronapandemie nun schon zum zweiten Mal ausfallen. Alternativ erhalten die Alleinlebenden eine mit seelischer und fester Nahrung gefüllte Weihnachtstüte direkt ins Haus geliefert. Maurizio Postiglione hat sich diesmal dafür Gulasch im Glas ausgedacht, das sich jeder Beschenkte zu Hause selbst warmmachen kann. Auch Ulrike Stehle ist Teil des ehrenamtlichen Teams, das "Weihnachten einmal anders" umsetzt und sich am 23. Dezember daranmachen wird, die Tüten liebevoll zu füllen und hernach zu verteilen.

Mit 26 Jahren kommt er nach Deutschland

Maurizio Postiglione erblickte vor fast 61 Jahren in Agropoli bei Salerno als fünftes Kind einer in Armut lebenden Familie das Licht der Welt. Schon als Zwölfjähriger begann er eine Bäckerlehre. Mit 26 entfloh er der Armut nach Deutschland und landete in Friedrichshafen in einem Gastronomiebetrieb. Mit seiner empathischen Art machte er einen Gast – wie sich herausstellen sollte, ein Sonderschuldirektor – auf sich aufmerksam und stieg ein in eine frühe Form der Schulsozialarbeit. Er führte Koch-AGs durch und betreute schwer erziehbare Jugendliche auf ihrem eckigen Weg ins Erwachsenenleben.

Erinnerung an einen romantischen Beginn ihrer Beziehung

Die Arbeit gefiel ihm, zumal sich messbare Erfolge einstellten. Die Bodensee-Presse feierte den engagierten Italiener. Gerne hätte er daraus einen Beruf gemacht, doch es kam anders. Der vierfache Vater reagierte immer wieder auf Hilferufe italienischer Freunde mit Pizzarestaurants in Deutschland und landete auf diesem Weg eines Tages auch in Villingen-Schwenningen. Im Gasthaus "Flughafen" sah er sie zum ersten Mal: Ulrike Stehle, alleine an einem Tisch. "Er sprach mich an und ließ danach nicht mehr locker", erzählt die 59-Jährige und lacht in der Erinnerung an den romantischen Beginn ihrer Beziehung.

Ulrike Stehle wächst in der Südstadt auf

Ulrike Stehle wuchs in der Villinger Südstadt auf. Sie lernte bei Hornuß & Forster den Beruf der Schriftsetzerin, arbeitete bei der Druckerei Leute und ab 1996 an der Seite ihres Mannes im eigenen Betrieb für Laserschweißen in der Niederwiesenstraße. Nach der Trennung ging sie nach Berlin, um ihr Hobby, die Fotografie, als zweiten Beruf zu lernen. Daraus wurde aber nichts, sie tingelte quer durch Deutschland und kehrte schließlich in ihre Heimatstadt zurück. 2012 lernte sie ihren Maurizio kennen und stand zunächst mit ihm gemeinsam im Pizzawagen. Als der Cateringbetrieb wuchs und wuchs, erledigte sie zunehmend die Büroarbeit für "das Stück Italien" in Villingen-Schwenningen. Das ist bis heute so. 2017 sattelte sie beruflich dann aber doch noch einmal um, wurde pädagogische Hilfskraft an der Bickebergschule und ist inzwischen examinierte Erzieherin. "Sie ist ja auch keine Gastronomin", kommentiert Maurizio Postiglione den Weg seiner Frau und zwinkert ihr zu.

Soziales Netzwerk geknüpft

Rund um den Pizzawagen und das Catering, für das die Kunden längst auch vom Bodensee und sogar aus Österreich anklopfen, hat das Paar ein soziales Netzwerk geknüpft. Neben "Weihnachten einmal anders" sind sie auch dabei, wenn der Service-Club Round Table zum Entenrennen bittet, wenn die Lions ihr Weinfest feiern oder sich die Rotarier beim Kinderfest in Rottweil für den guten Zweck einsetzen. "Dann spenden wir Teile oder sogar unseren ganzen Umsatz", sagt der Pizzabäcker. Gerne würden sie noch mehr unterstützen – Schulen, Kindergärten und andere öffentliche Einrichtungen – , doch sie haben die Erfahrung gemacht, dass die deutsche Bürokratie dabei oft so mauerhoch im Weg steht, dass der anvisierte Spendenempfänger lieber verzichtet. "Da gehen mir die Haare hoch", sagt Maurizio Postiglione, der, wie er zugibt, schnell "auf 180" sei, sich aber genauso schnell wieder beruhige, wie Ulrike Stehle versichert und dabei verständnisvoll lächelt.

Neuer Standort des Pizzawagens in Vockenhausen

Bis November 2020 stand der Pizzawagen "Maurizio" in der Niederwiesenstraße, dort befinden sich auch das Lager und die Küche. Nach der Straßensanierung blieben unerklärlicherweise die Gäste aus. Jetzt hat Maurizio Postiglione im Gewerbegebiet Vockenhausen, vor der Max-Planck-Straße 51, einen neuen Standort gefunden.

Glasmosaik gestalten und Porträts zeichnen

Ein Zehn-Stunden-Tag ist für ihn eher die Regel als die Ausnahme, doch "ruhig sitzen" sei für ihn ohnehin nichts, sagt er. Allenfalls beim Glasmosaik legen, kommt er zur Ruhe. Im letzten Lockdown hatte er dazu reichlich Gelegenheit – ein Balkontisch mit floraler Oberfläche ist entstanden. Ulrike Stehle hat auch kein Problem damit, das Bisschen neben ihrem Job an der Schule und im Büro des Cateringbetriebs anfallender Freizeit zu füllen. Sie zeichnet, malt Porträts, häkelt kleine Tiere für ihre beiden Enkel. Neben gemeinsamen Reisen lieben Maurizio Postiglione und Ulrike außerdem, und wie könnte es anders sein, "gutes Essen und ein schönes Ambiente" – und gemeinsam anderen zu helfen.