Die Schülerzahlen an der Hechinger Weiherschule steigen – die Raumnot nimmt zu. Als Interimslösung soll nun das ehemalige Schulgebäude in Haigerloch-Stetten angemietet werden. Mittelfristig steht ein gemeinsamer Neubau mit dem BSZ zur Debatte.
Der Verwaltungs- und Finanzausschuss des Kreistags hat in seiner jüngsten Sitzung über das Gesamtkonzept für die Sonderpädagogischen Bildungs- und Beratungszentren (SBBZ)im Kreis beraten. Konkret geht es dabei um die Raumnot der Weiherschule in Hechingen. Mittelfristig wird ein gemeinsamer Neubau mit dem Beruflichen Schulzentrum (BSZ) Am Schloßberg diskutiert. Fragen und Antworten zu den kurz- und langfristigen Lösungen:
Wie entwickeln sich die Schülerzahlen?
Die Schülerzahlen der Weiherschule sind in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen. In Zahlen: 2016 wurde die Weiherschule von 71 Schülern besucht, im Schuljahr 2024/25 sind es bereits 100 Schülern. Und ein Ende ist laut der Vorlage der Ausschuss-Sitzung nicht in Sicht. Prognostiziert werden bis zum Jahr 2030 111 Schüler an der Hechinger SBBZ-Schule. Die Weiherschule in Hechingen hat den Förderschwerpunkt auf der geistigen Entwicklung der Schüler. Schulträger ist der Landkreis.
Warum wird über einen Neubau nachgedacht?
An der Weiherschule wird es angesichts der steigenden Schülerzahlen immer enger. Insgesamt stehen elf Klassenzimmer und drei Fachräume (Atelier, Lehrküche und Rhythmikraum) zur Verfügung. Aufgrund der bestehenden Raumnot seien bereits zwei Fachräume zu Klassenzimmern umfunktioniert worden. Dazu weichen die Weiherschüler schon jetzt in einen Werkraum im angrenzenden KBF-Kindergarten, in ein Klassenzimmer der Joachim-Schäfer-Schule in Rangendingen sowie in das Buck-Gebäude in der Ermelesstraße als auch in Klassenzimmer des BSZ aus. Katharina Pawlowskij, Leiterin des Dezernats 1 für Verkehr und Kreisimmobilien, erklärte im Verwaltungs- und Finanzausschuss: „Die derzeitige Verteilung der Weiherschule auf vier Standorte ist aus pädagogischen und schulorganisatorischen Gründen auf Dauer nicht tragbar.“
Welche Interimslösung wird angestrebt?
Der Raumbedarf für das Schuljahr 2024/25 sei mit den genannten Ausweichmöglichkeiten gedeckt. Ab dem Schuljahr 2025/2026 soll für die Weiherschüler die ehemalige Werkrealschule in Haigerloch-Stetten als Interimslösung angemietet werden. Das hat der Ausschuss dem Kreistag, der final entscheidet, so auch einstimmig empfohlen. Kostenpunkt für die Interimslösung, die der Landkreis trägt: eine jährliche Miete von 100 000 zuzüglich Nebenkosten in Höhe von rund 8300 Euro pro Monat kalt. Nötige Sanierungen in Sachen Heizung und Elektro übernimmt die Stadt Haigerloch; die Netzverkabelung der Landkreis. Auch für die zusätzlich anfallende Fahrten der Schüler nach Stetten wird mit 90 000 Euro jährlich mehr kalkuliert.
Kann die Weiherschule räumlich erweitert werden?
Nein, wie die Stadt Hechingen dem Landratsamt bestätigt habe. Da aufgrund einer Raumbedarfsberechnung des Regierungspräsidium Tübingen der Hechinger Weiherschule dennoch ein Flächendefizit in Höhe von 1262 Quadratmetern bis zum Jahr 2030 bescheinigt wurde, plant der Landkreis voraus. Der Verwaltungs- und Finanzausschuss hat dem Kreistag daher einstimmig empfohlen, eine Machbarkeitsstudie in Auftrag zu geben, wie am Standort Hechingen weiterverfahren wird.
Was wird im Rahmen der Machbarkeitsstudie untersucht?
Diese solle im Jahr 2025 ermitteln, wie der Raumbedarf wirtschaftlich bestmöglich gedeckt werden kann. Hier kommt nun der BSZ-Standort in der Straße Am Schloßberg ins Spiel: Sowohl eine Sanierung der Bestandsgebäude als auch ein Neubau samt Abriss der Bestandsgebäude werden untersucht. An den beiden älteren Bestandsgebäuden (Gebäude A und B) stünden künftig ohnehin Sanierungen oder Baumaßnahmen an. Zur Einordnung: Das Gebäude A des BSZ Hechingen wurde in den 1950er Jahren erbaut und bedarf einer Kernsanierung. Hierbei könnte ein separater Bereich für die Weiherschule eingeplant werden. Auch ein Neubau an diesem Standort steht im Raum. Marisa Hahn, Pressesprecherin im Landratsamt, auf Anfrage: „Sowohl eine Sanierung des Bestandsgebäudes als auch ein Neubau werden untersucht.“ Die Machbarkeitsstudie solle zudem untersuchen, inwieweit die Zusammenführung der beiden Schularten in einem Gebäude funktionieren könne.
Welche Synergieeffekte könnte ein gemeinsames Gebäude von Weiherschule und BSZ bringen?
Konkret geht es um die gemeinsame Nutzung der Mensa, der Werkräume, der Lehrküche, der Aufenthaltsbereiche, der Kreissporthalle oder der Aula. Hahn weiter: „Durch die gemeinsame Nutzung eines Schulgebäudes kann der Weg zur Inklusion gefördert werden.“
Wozu braucht es überhaupt die Machbarkeitsstudie, wenn ohnehin feststeht, dass mehr Platz benötigt wird?
Pressesprecherin Hahn stellt klar: „Die Prognose der Schülerzahlen stellt die Grundlage für eine Machbarkeitsstudie dar. Eine Machbarkeitsstudie wird durchgeführt, um die Umsetzung der pädagogischen und technischen Anforderungen an ein Schulgebäude und an den Standort zu überprüfen.“ Sie liefere zudem eine Kostenkalkulation. Es ist davon auszugehen, dass das Projekt – sei es Sanierung oder Neubau – Millionen kosten wird.
Wie geht es weiter?
Noch muss der Kreistag in seiner Sitzung am kommenden Montag, 21. Oktober, der Interimslösung mit der Werkrealschule in Stetten und dem Auftrag der Machbarkeitsstudie zustimmen.