Muharrem, einer der Schüler der Weiherdammschule, zeigt stolz seinen selbst gefertigten Oranosauros. Fotos: Mahler Foto: Schwarzwälder Bote

Weiherdammschule: Modell des ehemaligen Erzabbaus / Handwerkliche Fähigkeiten vermittelt

Schon einige Jahre gestalten die rüstigen Pensionäre Wolfgang Sonntag und Jürgen Mahler den Werkunterricht an der Weiherdammschule in Blumberg.

Blumberg. Bei den bisher vielen durchgeführten Projekten sollen die Schüler vordringlich handwerkliche Fähigkeiten im Umgang mit Werkzeug und einfachen Maschinen erlernen. Aber auch eigenes kreatives Gestalten ist ein wichtiger Bestandteil des Unterrichts.

Jürgen Mahler hat bei dieser Tätigkeit bereits sein zehn-jähriges Dienstjubiläum erreicht. Die Arbeit mit den Mädchen und Jungen der Weiherdammschule bereitet ihm immer noch großen Spaß.

Am Weihnachtsmarkt 2016, wo Jürgen Mahler einige seiner Werke ausgestellte hatte, fragte ihn Karl-Heinz Trüby vom Geschichts- und Heimatverein, ob er sich vorstellen könnte mit den Weiherdammschülern ein Modell des ehemaligen Dogger-Erzabbaus in den Jahren 1936 bis 1942 für das geplante Museum zu erstellen. Nach intensiven Erkundigungen beim hiesigen Heimatforscher Bernhard Prillwitz zum Thema Doggererzabbau wurde bald danach von Jürgen Mahler eine Grobplanung erstellt.

Fachkundige Hilfe benötigt

Dabei war ihm klar, dass er für das Mammutwerk mit den Abbaueinrichtungen im Nordwerk den umfangreichen Aufbereitungsanlagen im Südwerk und den vielfältigen Transporteinrichtungen fachkundige Hilfe benötigte. Mit dem in der Region bekannten Krippenbauer Wolfgang Sonntag fand er einen kompetenten Mitarbeiter. Im März 2017 wurde dann mit dem Bau der Modellanlage begonnen, nachdem man schon vorher mit den eingereichten Planungsunterlagen beim Vereinswettbewerb Schwarzwald-Baar einen Preis im Wert von 2000 Euro in der Tonhalle in Villingen überreicht bekommen hatte. Neben dem Bau der Doggererzabbauanlagen stellte sich naturbedingt auch die Frage nach der Entstehung von Doggererz und warum das relativ minderwertige Eisenerz in der Zeit von 1936 bis 1942 gerade in Blumberg abgebaut wurde.

Der Hauptbestandteil des Eisens liegt beim Doggererz in Form von Ooiden (kleine kuglige Mineralkörper) vor. Die Ooide bilden sich vorzugsweise im seichten wellig bewegten Wasser. Der Vorgang hält so lange an, bis der rund geformte Körper zu schwer wird, auf den Grund absinkt und im vorhandenen Mineral eingebettet wird. Diese Voraussetzungen waren vor 187 bis 157 Millionen Jahren gegeben, wo auch der süddeutsche Raum von seichtem Meerwasser bedeckt war. So entstanden auch im Raum Blumberg vor allem im Bereich Eichberg und Stoberg große Vorkommen von Doggererz.

Neben dem Bau der Doggererzmodellanlage wurde in den vergangenen Monaten auch das Thema der Dinosaurier im Werkunterricht aufgegriffen. Warum dieses Thema? Gerade in die Zeitepoche der Bildung von Doggererz, vor 170 Millionen Jahren, fällt auch das Leben der Dinosaurier, die in großer Anzahl auf der ganzen Welt so auch im süddeutschen Raum vorhanden waren. Diese Parallele nahmen die Hobbyhandwerker zum Anlass, verschiedene Darstellungen der Dinosaurier mit den Schülern anzufertigen.

So wurden von den Schülern viele Dinoarten mit der Laubsäge ausgesägt und entsprechend bemalt. Der Höhepunkt war dann die insgesamt 39 Skeletteile des "Ouranosaurus" im Maßstab 1:30 auf Sperrholz aufzuzeichnen, mit der Laubsäge auszusägen und naturgetreu zusammenzufügen. Höhepunkt war dann aber noch die Herstellung des bisher größten gefunden Oberschenkelknochens aus Hartschaum im Maßstab 1:1 mit einer Länge von immerhin 2,4 Meter.

Stolz ist nun das gelungene Werk in der Schule ausgestellt, und die Schüler freuen sich, wenn sie im Anschluss ihre Arbeiten mit nach Hause nehmen dürfen. Der riesige Oberschenkelknochen bleibt zunächst im Foyer der Schule zur Anschauung stehen, und man kann sich gut vorstellen, dass er einmal im geplanten Blumberger Museum eine Bleibe findet.

Im Zuge der Autarkiepolitik im "Dritten Reich", das sich für seine Rüstung von Rohstoffzufahren aus dem Ausland unabhängig machen wollte, kamen die staatlichen Stellen auf die Idee, auch Doggererze abzubauen. Vor dem Zweiten Weltkrieg fand man in Blumberg, auch bedingt durch die vorhandene strategische Eisenbahnlinie, einen geeigneten Standort zum Abbau von Doggerez. Immerhin waren in der Hauptzeit des Abbaus bis zu 1200 Mitarbeiter im Bergwerk beschäftigt.

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