So steil wie einige Hänge in Nußbach sind, könnten sie eigentlich nur von Hand gemäht werden. Bei Familie Kratt kommen etwa ein Dutzend flauschige Helfer zum Einsatz.
Einen überaus beschwerlichen Weg müsste man hinter sich bringen, um das Haus von Familie Kratt in der Nußbacher Liembergstraße vom nur wenige Meter entfernt verlaufenden Weg aus zu erreichen: Steil geht es über Wiesen bergauf. Doch die kleine Herde, die hier ihr Habitat hat, bewegt sich mit Leichtigkeit im schwierigen Terrain fort: Das grobe Dutzend Schafe trottet behände am Hang auf und ab.
„Das ist mit die schwierigste Topographie, die wir in Nußbach haben“, sagt Bernhard Kienzler, Vorsitzender des Ortsvereins Nußbach vom Badischen Landwirtschaftlichen Hauptverband (BLHV), beim Besuch vor Ort – und diese schwierigen Verhältnisse rund um den Hof sind auch genau der Grund, wieso die Flächen an dieser Stelle mit Schafen bewirtschaftet werden.
„Weil es so steil ist“, halte die Familie „sicher schon seit 20 Jahren“ Schafe als Weidetiere, sagt Gabi Kratt. Mittlerweile hat ihr Sohn Kevin Kratt die Landwirtschaft der Familie übernommen – im Nebenerwerb, wie es viele in Nußbach machen. Er bewirtschaftet den Hof – das Gebäude stammt aus dem 19. Jahrhundert – in der vierten Generation.
Insgesamt vier bis fünf Hektar bewirtschaftet die Familie. Ein Teil davon werde gemäht und komme – erst einmal getrocknet – als Winterfutter zum Einsatz. Doch auf den Flächen, die nur in Handarbeit oder mit Berg-Spezialmaschinen gemäht werden können, übernehmen etwa zehn Mutterschafe, ein Bock und bisweilen einige Jungtiere die Mäharbeit.
Mähen in Handarbeit wäre beschwerlich
Ohne die tierische Unterstützung, sagt Gabi Kratt, wäre es kaum möglich, diese Flächen so zu bewirtschaften. Früher habe man das noch getan – doch es sei an den steilen Hängen schon immer sehr beschwerlich gewesen.
Nun kommen hier den Sommer über Schafe zum Einsatz Wobei die Tiere bei ihrer Nahrung nicht besonders wählerisch sind: „Die fressen beinahe alles – und sind ganz genügsame Tiere“, sagt Gabi Kratt.
Geländegängige und leichte Weidetiere
Zudem sind die vergleichsweise kleinen Tiere ziemlich geländegängig. „Und sie machen die Weide nicht so kaputt“ im Vergleich zu schwereren Weidetieren wie etwa Rinder. Maximal 60 Kilogramm bringen die Schafe Gabi Kratt zufolge auf die Waage. „Für so eine extensive Landwirtschaft sind die Tiere eigentlich perfekt“, findet Kienzler.
Wenngleich die Schafe beim Mähen unterstützen, verursachen sie auch Arbeit – wie alle Tiere. Unter anderem verrücke man im Sommer quasi jeden Abend den mobilen Zaun um ein Stück, um die betreffenden Wiesen relativ gleichmäßig abzuweiden, erklärt Gabi Kratt.
Wolle kommt im Garten zum Einsatz
Einmal im Jahr müssen die Schafe zudem geschert werden – normalerweise im Frühjahr. In der Regel komme der Schafscherer immer im April. Dabei habe es in der Vergangenheit sogar noch die Möglichkeit gegeben, die Schafwolle zu verkaufen. Aber mittlerweile bringe man diese nicht mehr gewinnbringend veräußert.
Abnehmer gebe es dennoch genügend, sagt Gabi Kratt. Sie verteile die Wolle einfach an Bekannte. Denn das weiße, dichte Fell der Schafe eigne sich bestens als Wasserspeicher und Langzeitdünger für Blumen.
Mini-Serie
Hofgeschichten
Berge, Täler und steile Hänge prägen die Landschaft rund um Nußbach – und sie bergen für Landwirte ganz besondere Herausforderungen. Weidetiere helfen ihnen, diese zu meistern – und bringen Besonderheiten mit sich. Eine Mini-Serie bietet exemplarisch einen Überblick. Diesmal geht es um Schafe.