Am steilen Hang direkt an der Schwarzwaldbahnstrecke sind die Kamerunschafe im Einsatz. Foto: Helen Moser

Kleine Tiere, große Aufgabe: Acht Kamerunschafe grasen bei Nußbach unweit der Schwarzwaldbahnstrecke auf einem Areal, das ohne sie nicht zu bewirtschaften wäre.

670 Meter Höhenunterschied überwindet die Schwarzwaldbahn auf ihrer Strecke, die als besonders sehenswert gilt – mit zwei großen Kehren und durch zahlreiche Tunnel schlängelt sie sich durch die Landschaft des Schwarzwalds. Auf Nußbacher Gemarkung führt die Strecke dabei unmittelbar am Grundstück von Rafael Kammerer vorbei. Und unweit der Gleise grast in unwegsamem Gelände eine Herde recht kleiner Weidetiere.

 

Vom typischen Schaf, wie man es sich mit weißer Wolle vorstellt, unterscheiden sich diese Tiere recht deutlich – und doch sind die Gemeinsamkeiten klar erkennbar. Die kurzhaarigen braunen Schafe, die am Bauch, am Kopf und an den Beinen eine schwarze Zeichnung aufweisen, heißen nicht ohne Grund Kamerunschafe – sie sind nach dem afrikanischen Land benannt. Denn die heutige europäische Landschafrasse stammt vom westafrikanischen Zwergschaf ab.

Die Kamerunschafe fühlen sich auch im Schwarzwald wohl, wie Kammerer berichtet. Die Tierrasse hat er bereits seit 20 Jahren im Einsatz. Zuvor, berichtet er, habe er Wollschafe als Weidetiere gehalten, die jedoch etwas stämmiger seien als die Kamerunschafe, die zudem nicht geschärt werden müssen. Mit der Wolle, sagt Kammerer, könne man heute ohnehin kaum mehr einen Ertrag erwirtschaften.

Derzeit gehören Kammerer zwei Herden mit insgesamt 13 Kamerunschafen. Mit einer der beiden Herden bewirtschaftet er ein Areal in der Retsche, mit der anderen ein Gelände direkt an der Schwarzwaldbahnstrecke unterhalb seines Hauses, wo das Land jenseits der Gleise steil abfällt. Dieses habe er von der Bahn gepachtet, berichtet er. „Ich finde es wichtig, dass das hier offengehalten wird, damit man auch was sieht von der Landschaft.“

Schöne Aussicht wäre ohne sie Geschichte

Würde das topographisch schwierige Gelände mit Bäumen zuwachsen, wäre die schöne Aussicht auf den Schwarzwald dahin – sowohl für die Bahnreisenden als auch für Kammerer selbst.

Äußerst unwegsam ist das Gelände, in dem die Kamerunschafe unterwegs sind. Foto: Helen Moser

Er engagiere sich auch zugunsten des Tourismus, „damit die Leute an der Schwarzwaldbahn mehr sehen als nur Tunnel und Bäume“. Das nämlich wäre die Konsequenz, sagt Kammerer: „Wenn man die Flächen nicht pflegt, hat man irgendwann nur noch Wald.“

Die Entscheidung pro Offenhaltung bringt jedoch einige Herausforderungen mit sich. „Anders als mit diesen Schafen wäre das hier gar nicht zu bewirtschaften“, sagt Kammerer. Wobei auch die Weidetiere Arbeit machen – etwa 40 bis 50 Zaunpfähle müsse er beispielsweise jedes Jahr austauschen, erklärt er. Insgesamt umfassen die Umzäunungen der beiden Weiden, auf denen Kammerers Kamerunschafe grasen, mehr als 1000 Holzpfähle.

Tag und Nacht sind sie draußen

Die Kamerunschafe sind dafür umso umfassender einsetzbar, wie er schildert. Da die Tiere ursprünglich ebenfalls aus Hochlagen kämen, hätten sie mit dem Klima im Schwarzwald kein Problem – auch nicht im Winter. Die Schafe könnten das ganze Jahr über Tag und Nacht im Freien verbringen, erklärt er.