Mit dem gesamtstädtischen Aktivierungskonzept hat Oberndorf ein zentrales Planungsinstrument vorgestellt. Bürgerbeteiligung ist dabei groß geschrieben – und das soll so bleiben.
Bei der Abschlussveranstaltung im Feuerwehrhaus stellten Thomas Geissler und Paulina Steiert von der LBBW Immobilien Kommunalentwicklung die Ergebnisse vor und zeigten auf, welche strategischen Ziele und konkreten Maßnahmen in den kommenden Jahren umgesetzt werden sollen. Das Konzept dient dabei als eine Art Wegweiser für die Stadtentwicklung und baut auf einer umfassenden Analyse sowie einem breit angelegten Beteiligungsprozess auf.
Der Startschuss für das Konzept fiel im zweiten Quartal 2025 mit der Beauftragung. Ein wesentlicher Bestandteil war die Einbindung der Bürgerschaft. So gab es zwischen dem 23. Juli und dem 5. September eine Online-Befragung, bei der Themen wie Lebensqualität, Image der Stadt, Zielgruppen, Zukunftsperspektiven sowie Klimafragen im Mittelpunkt standen. Die Ergebnisse zeigen, dass rund 60 Prozent der Teilnehmenden die Lebensqualität in Oberndorf positiv bewerten, während etwa 30 Prozent Verbesserungsbedarf sehen.
Grünflächen und Kühloasen
Besonders deutlich wurde, dass den Bürgern Grünflächen, sogenannte Kühloasen sowie der Ausbau von Photovoltaik wichtig sind. Auch energetische Sanierungen spielen eine zentrale Rolle. Darüber hinaus wurden Themen wie Innenentwicklung, Bau- und Wohnraumentwicklung, Infrastruktur, Einzelhandel, Mobilität und soziale Angebote intensiv bewertet.
Ergänzend dazu fand eine Jugendbeteiligung statt. Hier standen insbesondere die Themen Sicherheit, Freizeitmöglichkeiten, öffentliche Flächen und Infrastruktur im Fokus. Die Jugendlichen kritisierten vor allem fehlende Treffpunkte sowie mangelnde Angebote für Sport und Spiel. Auch konkrete Vorschläge wie eine längere Beleuchtung öffentlicher Bereiche durch Straßenlaternen wurden eingebracht.
Dreifache Innenentwicklung
Inhaltlich stellt das Aktivierungskonzept die sogenannte dreifache Innenentwicklung in den Mittelpunkt. Diese verbindet die Bereiche Bauen, Mobilität und Grünstrukturen und soll eine nachhaltige Stadtentwicklung ermöglichen. Hintergrund ist unter anderem der Klimawandel, der auch in Oberndorf und Umgebung zunehmend spürbar wird. Steigende Temperaturen und häufigere Hitzeperioden erfordern neue Ansätze in der Stadtplanung, etwa durch mehr Grünflächen und eine bessere Anpassung an klimatische Veränderungen. Ziel ist es, die Stadt sowohl ökologisch als auch städtebaulich zukunftsfähig aufzustellen.
Schaffung neuer Wohnungen
Ein zentraler Schwerpunkt liegt auf der Weiterentwicklung Oberndorf als Wohnstandort. Die Stadt verzeichnet bereits einen positiven Wanderungssaldo, was bedeutet, dass mehr Menschen zuziehen als wegziehen. Gleichzeitig zeigt sich im Wohnungsbau ein deutlicher Handlungsbedarf: Während in den vergangenen zehn Jahren durchschnittlich etwa 23 Wohnungen pro Jahr entstanden sind, soll die Zahl künftig auf rund 40 jährlich erhöht werden. Insgesamt stehen etwa 27 Hektar Bauflächen zur Verfügung, zudem wurden rund 245 Baulücken im gesamten Stadtgebiet identifiziert. Diese sollen gezielt genutzt werden, um neuen Wohnraum zu schaffen, ohne zusätzliche Flächen zu versiegeln.
Neben der Schaffung neuer Wohnungen spielt auch die Modernisierung des bestehenden Wohnraums eine wichtige Rolle. Insbesondere soll Wohnraum künftig stärker seniorengerecht gestaltet werden, um den Anforderungen des demografischen Wandels gerecht zu werden. Die Stadt reagiert damit auf eine alternde Bevölkerung und veränderte Wohnbedürfnisse.
Für alle Ortsteile wurden zudem eigene Entwicklungsperspektiven erarbeitet, die auf die jeweiligen lokalen Gegebenheiten zugeschnitten sind. Insgesamt gilt dabei das Prinzip „Innenentwicklung vor Außenentwicklung“, um vorhandene Flächenpotenziale effizient zu nutzen und gleichzeitig den Flächenverbrauch zu reduzieren.
Konkretisierung der Maßnahmen
Nach der Präsentation des Konzepts richtet sich der Blick nun auf die Umsetzung. In den kommenden Schritten sollen die Maßnahmen konkretisiert, Finanzierungsmöglichkeiten geklärt und Fördermittel beantragt werden. Zudem ist eine regelmäßige Evaluation vorgesehen, um die Wirksamkeit der Maßnahmen zu überprüfen und gegebenenfalls nachzusteuern. Zum Abschluss der Veranstaltung hatten die Bürger erneut die Möglichkeit, weitere Anregungen und Wünsche einzubringen, was die Bedeutung der Bürgerbeteiligung auch für die kommenden Phasen unterstreicht.
Insgesamt zeigt das gesamtstädtische Aktivierungskonzept, dass Oberndorf am Neckar die Herausforderungen der Zukunft aktiv angeht. Durch die Verbindung von Bürgerbeteiligung, nachhaltiger Stadtplanung und gezielter Innenentwicklung soll die Stadt langfristig als attraktiver und lebenswerter Wohn- und Wirtschaftsstandort gesichert werden.