Die 90-Grad-Kurve an der Ecke Hauptstraße-Laiblache-Thanheimer Straße könnte ab Juli zum neuralgischen Verkehrsknoten in Bisingen werden – insbesondere bei Lastwagen-Begegnungsverkehr. Foto: Julia Gern

Die Sanierung des Tunnels bei Laufen wirft auch auf Bisingen ihre Schatten voraus. Warum? Weil Pendler aus Tübingen von der B 27 über Bisingen nach Albstadt fahren könnten. Der Ärger ist vorprogrammiert – die Verwaltung fühlt sich schlecht informiert.

Voraussichtlich ab Mitte Juli wird der Tunnel und die Eyachbrücke in Albstadt-Laufen saniert. Eine 16-monatige Geduldsprobe auf verschiedenen Umleitungsstrecken – teils durch die Laufener Ortsdurchfahrt, teils über Dürrwangen, Stockenhausen, Zillhausen, Pfeffingen und Margrethausen – wartet dann auf Pendler, die die B 463 regelmäßig befahren.

 

Doch was hat die Gemeinde Bisingen damit zu tun? Auf den ersten Blick nicht viel, auf den zweiten Blick könnte sich Bisingen während der Sanierung aber zum gordischen Verkehrsknoten für Pendler aus Richtung Tübingen werden. Ist deren Ziel nämlich Ebingen, böte sich die Alternative über den „Stich“ an, um möglichem Stau auf der B 463 zu umgehen. Schließlich hatte schon eine zweitägige Sperrung des Laufener Tunnels im Februar für massive Zeitverzögerungen gesorgt.

Haben das Regierungspräsidium Tübingen und das Landratsamt das drohende Verkehrschaos in Bisingen im Blick?

Ja, wie sich auf Nachfrage unserer Redaktion zeigt. Die Alternative über Bisingen respektive dem Killertal könnte aber sogar zur überregionalen Umleitung werden. Das erklärt Steffen Maier, Pressesprecher im Landratsamt, der in Absprache mit dem Regierungspräsidium auf die Fragen unserer Redaktion geantwortet hat. Die Umleitungsschilder sollen dann schon frühzeitig auf der B 27 von Tübingen kommend und auf der B 463 von Sigmaringen kommend, Autofahrer auf die weiträumige Umfahrung Laufens hinweisen. Noch ist aber nichts sicher: „Die Abstimmung zwischen den zuständigen Verkehrsbehörden über diese Empfehlungen ist noch nicht abgeschlossen“, informiert Maier.

Wie ist die Gemeinde Bisingen in die Planungen eingebunden?

Pressesprecherin Sabrina Schwabenthan erklärt: „Vorab wurde die Gemeindeverwaltung Bisingen vom Regierungspräsidium (RP) Tübingen nicht in die Planungen der umfassenden und weit im Landkreis wirkenden Maßnahmen miteingebunden.“ Dazu habe man aus den Medien Kenntnis über die terminierte Maßnahme erlangt, worauf die Verwaltung hin umgehend den zuständigen Projektleiter im RP Tübingen zwecks überregionaler Umleitungen angeschrieben habe. Zwischen den Zeilen ist eine Gewisse Verärgerung ob der Kommunikation des Regierungspräsidiums zu hören. Denn: „Bislang haben wir, trotz vermehrter Rückfragen, (noch) keine Rückantwort des zuständigen Projektleiters des Regierungspräsidium Tübingen erhalten“, so Schwabenthan.

Welche Erfahrungen haben die Behörden mit bisherigen Sperrungen des Laufener Tunnels und deren Auswirkungen auf Bisingen gemacht?

Sowohl Landratsamt als auch Regierungspräsidium und Gemeindeverwaltung haben mit der Dauer von 16 Monaten Umleitung noch keine Erfahrungen gemacht. Aber: „Bei Sperrungen über einen kurzen Zeitraum waren die Auswirkungen überschaubar und unproblematisch“, heißt es aus dem Bisinger Rathaus. Auch Steffen Maier sind keine Auffälligkeiten bekannt. Er kündigt aber an: „Sollte das bei der anstehenden Sperrung der Fall sein, werden wir bedarfsorientiert reagieren.“

Für die Ortsdurchfahrt Zimmern kommt ein Durchfahrtsverbot für Fahrzeuge über 7,5 Tonnen. Die Schilder werden Ende März aufgestellt. Foto: Baur

Wird während der Tunnelsanierung in Bisingen häufiger geblitzt?

Das Landratsamt plant keine verstärkten Geschwindigkeitskontrollen. Man könne aber kurzfristig reagieren. Was die Gemeinde Bisingen betreffe, verweist Schwabenthan auf die erst vergangenes Jahr installierten stationären Blitzersäulen in der Bisinger Kernstadt und in Thanheim. Dadurch „halten sich die Verkehrsteilnehmer vermehrt an die jeweils vorgeschriebene Geschwindigkeit“, so eine erste Bilanz. In Sicherheit vor mobilen Radarkontrollen dürfen sich aber Autofahrer nicht wiegen: „Diese werden parallel fortgesetzt.“

Welche Stellen in Bisingen drohen zu neuralgischen Verkehrspunkten zu werden?

Insbesondere für sich entgegenkommende Lastwagen sind einige Bisinger Straßen nicht geeignet. Die Gemeindeverwaltung hat da den Kreuzungsbereich Hauptstraße-Laiblache-Thanheimer Straße als problematische 90-Grad-Kurve ausgemacht. „Lastwagen aus Richtung Thanheim kommend müssen dort aufgrund des geringen Kurvenradius zwangsweise auf die Gegenfahrbahn ausscheren“, warnt Schwabenthan. Daher könnte es dort bei Zunahme des Lastverkehrs zu Beeinträchtigungen kommen.

Dem Landratsamt bereitet eher die Route über Wessingen und Zimmern – nach Abfahrt von der B 27 an der Anschlussstelle Hechingen-Süd – Sorgen. Doch offiziell dürfen bis Baustellenbeginn in Laufen auf der kurvenreichen Verbindungsstraße von Wessingen nach Zimmern sowie in der Zimmerner Ortsdurchfahrt sowieso keine Lastwagen über 7,5 Tonnen mehr fahren. Das Landratsamt hatte eine entsprechende Verfügung bei einem Vor-Ort-Termin im Januar erlassen. „Die Schilder werden Ende März aufgestellt“, informiert Maier. Wie stark die Tunnelsanierung in Laufen Bisingen tatsächlich belastet, wird sich aber erst im Juli zeigen.