Die erschreckenden Zustände in einem Wohnhaus im Baiersbronner Teilort Klosterreichenbach beschäftigen auch schon länger das Bauamt der Gemeinde. Selbst eine Zwangsräumung und ein Abriss des Hauses wurde schon angedroht. Was sagt Bürgermeister Michael Ruf zu all dem?
Für Sonja H. und Uwe H. war das Schreiben ein Schock: Im November des vergangenen Jahres bekam das Ehepaar Post von der Gemeinde Baiersbronn. Darin wurden sie gemeinsam mit anderen Eigentümern des Mehrfamilienhauses in der Rötherstraße im Teilort Klosterreichenbach aufgefordert, zahlreiche Baumängel am Gebäude zu beseitigen.
Das Schreiben liegt unserer Redaktion vor. Die Liste der darin genannten Mängel ist lang. So steht dort unter anderem: „Die Treppenräume und Flure dürfen nicht zur Lagerung von Reifen, Möbeln oder Baumaterial genutzt werden.“
Weiter heißt es: „Die Elektroinstallation im Untergeschoss ist bislang nur provisorisch ausgeführt beziehungsweise wurde zum Teil offensichtlich nicht fach- und vorschriftsgerecht ausgeführt.“
Wasser im Keller
In einem weiteren Schreiben vom März diesen Jahres wird zudem bemängelt: „Ein Nachweis, dass die Leitungen und Lüftungsleitungen (Wasser, Abwasser, Bad-/WC-Abluft) gemäß LAR und LüAR fachgerecht geschottet wurden, fehlt. Darüber hinaus steht in der Mängelliste: „Im Keller ist Wasser eingedrungen und der Schacht des Aufzuges ist vollgelaufen.“
Natürlich hätte das Ehepaar nichts dagegen, wenn diese Mängel beseitigt würden. Schließlich zählen sie selbst zu den Leidtragenden. Doch eine Stelle in dem Schreiben ließ sie das schlimmste befürchten.
Und zwar die, an der erklärt wird, was passieren kann, wenn die Mängel nicht behoben werden. Dann kann die Gemeinde laut dem Schreiben die Nutzung des Gebäudes untersagen und sogar den Abriss anordnen. Eine Horrorvorstellung für das das Ehepaar, das nach eigenen Angaben fast sein ganzes Geld in die Wohnung gesteckt hat.
Wie Sonja H. erklärt, könnten die Eigentümer selbst nicht tätig werden. Denn einige Eigentümer – darunter auch sie selbst – stünden noch nicht im Grundbuch. Denn einen Teil des Kaufbetrags hätten sie bisher zurückgehalten – schließlich sei das Gebäude ja nicht wie vereinbart fertiggestellt worden.
Auch eine Eigentümergemeinschaft gebe es deshalb noch nicht. „Dadurch haben die Eigentümer keine Möglichkeit, an dem Haus baulich etwas zu verändern“, erklärt Sonja H..
Alles andere als einfach
Uwe H. sieht daher das Unternehmen Triago Immobilien in der Pflicht, welches den Bau in Auftrag gegeben und die Wohnungen verkauft hat. „Uns sind die Hände gebunden und die Triago macht nichts. Und die Gemeinde sagt, wir sind verantwortlich“, schimpft Uwe H..
Unsere Redaktion hat sich daher mit Baiersbronns Bürgermeister Michael Ruf getroffen, um über das Thema zu sprechen. Dabei wird schnell klar: Auch für die Gemeinde ist der Fall alles andere als einfach.
„Das ist eine hochkomplexe Angelegenheit“
„Das ist eine hochkomplexe Angelegenheit“, meint Ruf. „Das ist sehr vielschichtig, weil es auf vielerlei Ebenen verworren und komplex ist.“ Auch für ihn sei das nicht alltäglich.
Doch offenbar plant die Gemeinde nicht, das Problem der vielen Baumängel auf die Eigentümer abzuwälzen. „Wir sind mit dem Unternehmen in Kontakt. Der Ansprechpartner ist in vielen Bereichen für uns die Triago.“
Gleichzeitig verteidigt Ruf das Schreiben an die Eigentümer: „Rechtlich gibt es die Möglichkeit, diese Forderungen an jeden Eigentümer zu stellen. Deshalb wurde die Anordnung an alle Eigentümer und die Triago versendet.“ Doch auch der Bürgermeister muss zugeben: Es ist schwierig, hier den richtigen Ansprechpartner zu finden.“
Trotz allem hat Ruf aber auch eine gute Nachricht für das Eigentümerehepaar, das in dem Haus wohnt: „Eine Zwangsräumung wäre das aller, aller, allerletzte Mittel.“ Nicht zuletzt auch deshalb, weil die Gemeinde die Kosten dafür tragen müsste. „Wenn irgendwie möglich möchten wir die Zwangsräumung absolut nicht durchführen.“
Das Unternehmen Triago Immobilien war für eine Stellungnahme zu diesen Vorgängen nicht zu erreichen.