Bereits 2021 reduzierte Nagold aus Lärmschutzgründen an vielen Orten das Tempo auf den Straßen. Foto: Heiko Hofmann

Die Stadt Nagold will zur Lärmreduzierung auf zwei großen Straßenabschnitten die Geschwindigkeit reduzieren. Das gefällt allen – außer den Räten der AfD.

2021 sorgte der Lärmaktionsplan mit seinen zahlreichen Geschwindigkeitsreduzierungen für Aufsehen. Nun wird der Plan fortgeschrieben. Betroffen sind zwei große Straßenabschnitte in Nagold.

 

Dass die Stadt bei der Fortschreibung des Lärmaktionsplans diesmal nur vergleichsweise wenig Maßnahmen anpacken will, hat in erster Linie damit zu tun, dass man bei der Erstauflage 2021 recht fleißig war.

Damals beinhaltet der Lärmaktionsplan zahlreiche viel befahrene Nagolder Straßen im Stadtgebiet, auf denen das Tempo reduziert wurde. So zum Beispiel in der Freudenstädter Straße (Tempo 30), auf der Ortsdurchfahrt in Iselshausen (Tempo 30) oder auch auf Teilen des City-Rings und der Calwer Straße (Tempo 30).

„Dazu sind wir verpflichtet“

Nun steht die Fortschreibung des Lärmaktionsplans an. „Dazu sind wir verpflichtet“, informierte Stephanie Heitel von der Stadt Nagold. Sie ging auch darauf ein, dass es sich um ein standardisiertes Verfahren handle, entsprechend gering seien die Einflussmöglichkeiten.

Zwei neue Maßnahmenbereiche kommen diesmal im Lärmaktionsplan dazu. So soll die Geschwindigkeit im Bereich des westlichen Viadukts (ab der Breslauer Straße 65) bis zum Bächlen (Max-Eyth-Straße 16) von Tempo 70 auf dann Tempo 60 reduziert werden.

Noch kann auf der Haiterbacher Straße mit Tempo 60 gefahren werden. Foto: Heiko Hofmann

Der zweite Maßnahmenbereich umfasst die Haiterbacher Straße. Dort gilt bereits ab dem Kreisel an der Aral-Tankstelle bis zum Viadukt Tempo 30. Danach soll künftig durchgängig Tempo 50 gelten – bis zur Höhe des Gebäudes Karlstraße 38. Aktuell gilt in diesem Bereich Tempo 60.

„Wir schieben da gar nichts auf die EU“

Da die Lärmaktionspläne auf EU-Bestrebungen zurückgehen, war es Nagolds Oberbürgermeister Jürgen Großmann wichtig zu erörtern, dass man die Reduzierungen auch wirklich wolle. „Wir schieben da gar nichts auf die EU.“ Großmann weiter: „Die Maßnahmen sind wichtig. Da stehen wir voll dazu!“ Dabei ging das Stadtoberhaupt auch darauf ein, dass die bisherigen Reduzierungen etwas gebracht hätten – für die Gesundheit, aber auch für die Sicherheit und die Lebensqualität der Bürger.

In diesem Zusammenhang erörterte das Stadtoberhaupt weiter, dass die meisten Beschwerden von Bürgern, die im Nagolder Rathaus in Sachen Verkehr eingehen, mit zu hoher Geschwindigkeit zu tun hätten.

„Die Gängelei geht weiter“

Bis auf die AfD sprachen sich alle für den neuen Plan aus. Joachim Mehles (AfD) befürchtete unter anderem „erhebliche Verlängerungen“ der Fahrzeiten, und dass es immer so weiter gehe, mit neuen Reduzierungen. Günther Schöttle (AfD) ereiferte sich, dass die „Gängelei“ weitergehe, und bestimmt danach die Blitzer aufgestellt würden, um die städtische Kasse zu füllen. Er frage sich: „Wie lange akzeptiert man solche Formen, die den Bürger in seiner Freiheit einschränken?“ Zudem bezeichnete er die Lärm-Schutz-Ausbeute dieser Maßnahmen als „sehr bescheiden“.

Nagolds OB entgegnete: „Ob ich zehn oder auch 20 km/h weniger fahre, hindert mich in meiner Freiheit nicht. Im Gegenteil, es ist gut für die Gesundheit.“ Er, aber auch Daniela Steinrode (SPD) führten als Beispiel das „entspannte Fahren“ auf Autobahnen mit Tempolimits in „freiheitsliebenden Ländern“ wie Frankreich an. Daniela Steinrode: „Das ist ein völlig anderes tiefenentspanntes Fahren. Und die Emissionen sinken auch. Das macht also absolut Sinn“.

Auch CDU-Fraktionschef Carl Christian Hirsch war überzeugt von den Maßnahmen: „Es geht um die Frage, wie man die Gesundheit schützen kann, und das ist der logische Schluss. Also machen wir das so!“

Wie hoch ist die Zeitverlust?

Und wie viel Zeit verliert der Autofahrer nun wirklich? Das beauftragte Ingenieurbüro berechnete für den Bereich westlich des Viadukts eine Fahrzeitverlängerung bei Tempo 60 von acht Sekunden, und für den Bereich der Haiterbacher Straße verlängert sich die Fahrzeit mit Tempo 50 um elf Sekunden.

Die Fortschreibung des Lärmaktionsplans wird nun für einen Monat öffentlich ausgelegt, zudem werden die Träger öffentlicher Belange gehört.