In die Färberstraße soll nach Bestreben der Stadtverwaltung Ruhe einkehren – sie möchte deshalb, dass die Kneipen am Wochenende bereits um 2 Uhr schließen.
Villingen-Schwenningen - Dieser Gemeinderatsbeschluss hat ordentlich Zündstoff: Die Gastwirte in der Kneipenmeile sollen den Zapfhahn früher dicht machen. Eine entsprechende Vorlage, forciert vom Bürgeramt, wird nun im Verwaltungs- und Kulturausschuss (25. Januar) vorberaten und steht im Gemeinderat (1. Februar) zum Beschluss. Ein Überblick über den Inhalt.
Welche Probleme führt die Stadtverwaltung an?
Laut Bürgeramt gibt es viele Beschwerden von Anwohnern, die sich in ihrer Ruhe gestört fühlen. Die Stadt führt in diesem Zusammenhang aus, dass die Färberstraße als "besonderes Wohngebiet" ausgewiesen ist. Entsprechend der Verordnungen solle deshalb die "Wohnnutzung auch erhalten und fortentwickelt werden".
Musikkneipen locken Party-Publikum an
Dem gegenüber stehen insgesamt 22 Gaststätten. Probleme würden, wie in der Vorlage ausgeführt wird, insbesondere so genannte "Musikkneipen" bereiten. Diese bieten den Gästen hauptsächlich Musikprogramm an und würden so ein vorwiegend jüngeres Party-Publikum anlocken. Genau hier gebe es Ordnungsstörungen und Straftaten. Auch würden sich im Bereich der Imbisse immer wieder größere Personengruppen ansammeln.
Zu Ruhestörungen komme es deshalb nicht nur durch die Betriebe, sondern ebenso durch lärmende Gäste, die in der Straße unterwegs sind. Angeprangert werden zudem Verunreinigungen durch Urin, Essensreste und Erbrochenem. Für die Anwohner sei diese Situation "nicht mehr länger akzeptabel". Eigens, durch die Anwohner durchgeführte Messungen hätten laut Bürgeramt gezeigt, "dass die Durchschnittswerte der einzelnen Messungen ausnahmslos und deutlich" über den Richtwerten liegen, die für ein "besonderes Wohngebiet" gelten.
Welche Belege gibt es zu den Problemen in der Färberstraße?
Die Polizei sowie der Kommunale Ordnungsdienst der Stadt (KOD) haben in den Jahren 2017 bis 2022 nach eigenen Angaben insgesamt 913 "Anzeigen und Feststellungen über störende Ereignisse" in der Kneipenmeile verzeichnet – beispielsweise Streitigkeiten, Körperverletzungen und Ruhestörungen. Die meisten Anzeigen gingen wegen Ruhestörung (249), Streitigkeiten (161) sowie Diebstahls (88) ein.
Die meisten Probleme nachts und am Wochenende
Auffällig sei, laut der statistischen Auswertung, dass die störenden Ereignisse ab 22 Uhr deutlich zunehmen – konkret würden sich mehr als 83 Prozent in den Nachtstunden, von 22 bis 6 Uhr, abspielen. Mehr als 70 Prozent zudem in den Nächten zwischen Freitag und Sonntag.
Was hat die Stadt bisher gegen die Probleme unternommen?
Für einige Musikkneipen sei der Einbau eines Pegelbegrenzers angeordnet worden, einen diskoähnlichen Betrieb einzelner Gaststätten habe man untersagt und zwei Bars sind – auch nach Aufdeckung massiver Probleme durch unsere Redaktion – geschlossen worden. Zudem gebe es regelmäßig Kontrollen des KOD, wobei ebenso Bußgelder verhängt würden.
Wie bewertet die Polizei die Lage?
Die Leitung des Polizeireviers Villingen erklärt in einer Stellungnahme, dass jener Bereich der Innenstadt, in dem sich die Färberstraße befindet, "erheblich stärker kriminalitätsbelastet ist", als in anderen Bereichen – konkret hätten sich hier 2021 vier bis acht Mal mehr Straftaten ereignet. Ein Großteil der Straftaten würden zudem den Zeitraum zwischen 2 und 6 Uhr betreffen.
Was hat die Stadtverwaltung nun vor?
Wie das Bürgeramt in der Vorlage erklärt, würden Anwohner die Existenzberechtigung der Gaststätten nicht in Frage stellen, vielfach sei sogar betont worden, dass diese zu einem besonderen Flair der Färberstraße beitragen würden. Allerdings sieht man seitens der Behörden keine andere Möglichkeit mehr den Störungen entgegenzuwirken, als die Sperrzeit zu verlängern. Die Sperrzeit beginnt in der gesamten Stadt am Wochenende um 5 Uhr und unter der Woche um 3 Uhr.
Polizei würde Sperrzeitverlängerung begrüßen
Vorgesehen ist nun, dass am Wochenende um 2 Uhr Schluss ist und unter der Woche bereits um 1 Uhr – aber nur in der Färberstraße. Dies hänge auch damit zusammen, dass ab 2 Uhr häufig eine Verlagerung der Besucherströme auf die Imbisse und Musikkneipen beobachtet werde – und dort dann Probleme auftreten würden. Auch die Polizei hält laut einer Stellungnahme eine Verlängerung der Sperrzeit für "absolut begrüßenswert".