Dass aus den Brunnen im Wald, wie hier der Schutterer Brunnen in der Holzgasse, Wasser schießt, täuscht. In den kommenden Jahren muss mit noch mehr Trockenheit gerechnet werden. Foto: Bohnert-Seidel

In Friesenheim werden in den kommenden Jahren Millionen Euro in die Trinkwasserversorgung und in die Abwasserentsorgung investiert. Diese Investitionen werden den einzelnen Bürger belasten.

Mittlerweile zählt Friesenheim mehr als 14 000 Einwohner. Weitere Neubaugebiete in Heiligenzell hinter dem ehemaligen Klostergebäude sowie in Friesenheim im „Eschental“ entstehen. Mit dem Wachstum von Friesenheim geht auch ein gestiegener Trinkwasserverbrauch einher. In den kommenden Jahren werden hohe Summen in die Wasserversorgung investiert. Probebohrungen für einen dritten Tiefbrunnen dürften noch in diesem Jahr folgen.

 

Die unabdingbare Notwendigkeit in die Investition machte Bauamtsleiter Markus Reinbold unmissverständlich klar. Die Trockenheit der Böden und des Waldes infolge des Klimawandels wird bis im Jahr 2050 Friesenheim mit einer tiefroten Farbe überziehen. Bereits heute weise Friesenheim ein Defizit in der Reserve aus. In Spitzenzeiten, wenn vor allem die Quellschüttung ausbleibe, müsse verstärkt Wasser aus dem Tiefbrunnen in Oberschopfheim entnommen werden. „Wir entnehmen, was technisch gerade irgendwie möglich ist“, betont Reinbold. Künftige Maßnahmen, wie ein dritter Tiefbrunnen, sollen sowohl im mittleren Bedarf als auch in Spitzenzeiten über Reserven verfügen. Bürgermeister Erik Weide betonte: „Der erhöhte Kalkgehalt im Wasser ist unser geringstes Problem.“ Das müsse den Bürgern klar sein.

Wasserzins soll auf 1,65 Euro steigen

Da sich die Eigenbetriebe selbst finanzieren müssen, sei eine Gebührenanpassung unumgänglich. Das betreffe alle Gebühren. Während in diesem Jahr der Wasserzins noch bei 1,54 Euro pro Kubikmeter dem Vorjahresniveau stand gehalten hat, soll er im kommenden Jahr auf 1,65 Euro steigen, erklärt Wagner. Es wird im Jahr 2025 von einem Defizit in Höhe von 179 000 Euro ausgegangen.

Dieses ließe sich nur über die Gebühren reinholen. Dennoch falle der Wasserzins geringer aus, weil es in den Vorjahren Überdeckungen gegeben habe. „Ansonsten würde der Wasserzins auf 1,95 Euro steigen“, so Wagner. Diese Gebühr dürfte in den kommenden drei Jahren jedoch realistischer sein. Der Jahreswasserverbrauch der Gemeinde Friesenheim liegt aktuell bei 686 000 Kubikmeter. Über die Investitionen in die Wasserversorgung steigt der Schuldenstand von knapp 4,3 Millionen Euro auf knapp 7,7 Millionen Euro im Jahr 2025.

Weiter gehen auch die Millioneninvestitionen in die Abwasserbeseitigung an der Kläranlage. In der Summe ist für die kommenden Jahre mit 22 Millionen Euro zu rechnen. Dort wird der Schuldenstand für 2025 von 4,1 Millionen Euro auf knapp 6,7 Millionen Euro steigen. Bei den Eigenbetrieben wird sich der Schuldenstand gegenüber dem Jahr 2024 in 2025 nahezu verdoppeln. Dies führt zu einer Pro-Kopf-Verschuldung von voraussichtlich 773 Euro auf 1456 Euro pro Einwohner. Das Jahr 2024 ist noch nicht vollständig abgerechnet.

Eher ohne Verlust dürfte der Eigenbetrieb Naherholungsgebiet Baggersee Schuttern abschließen. Obwohl die Belegung des Campingplatzes 2024 geringer war aufgrund der Regenperioden dürften die Erlöse dennoch für 2024 hoch genug sein.

Info – Investition der Eigenbetriebe

Wasserversorgung:
Einbindung des Tiefbrunnens Friesenheim ins Netz vom Hochbehälter Vollmereiche zum Hochbehälter Mittelzone (2,2 Millionen Euro); Neuausweisung Wasserschutzgebiete Tiefbrunnen Friesenheim und Oberschopfheim (230 000 Euro); Planungsrate dritter Tiefbrunnen (400 000 Euro); Planungsrate redundante Förder-/Speise-Leitung sowie Tiefbrunnen zum Hochbehälter Vollmereiche (200 000 Euro); Hochbehälter Heiligenzell, Sanierung/Modernisierung/Neubau (300 000 Euro).

Naherholungsgebiet Baggersee Schuttern:
Brücken Seen. Entkalkungsanlage Sanitärgebäude (180 000 Euro); Ertüchtigung Stromverteiler (100 000 Euro); Abwasserbeseitigung Neubaugebiet Kloster Heiligenzell Regenüberlauf (500 000 Euro); Abwasser (eine Million Euro).

Photovoltaik:
PV-Anlage Soziales Wohnen Schuttern (94 000 Euro); PV-Anlage Baggersee (56 000 Euro).

Friesenheimer Bauland:
Erwerb von Grundstücken, Bebauungsplan Eschental (2,9 Millionen Euro).