Unbeliebte Naturbewohner lassen sich im Zauberland auf Tafeln entdecken. Foto: Loßburginformation

Rund 300 Schilder werben seit kurzem für einen rücksichtsvolleren Umgang mit der Natur im Schwarzwald. 20 davon finden sich in und um Loßburg. Die Loßburg Information erklärt, warum diese Schilder sinnvoll sind.

Loßburg - "Unbeliebte Naturbewohner, die leider noch nicht vom Aussterben bedroht sind", bevölkern den Wald, wie den humorvollen Tafeln der Tourismus GmbH nördlicher Schwarzwald und der Nationalparkregion Schwarzwald GmbH zu entnehmen ist. Auf diese macht die Gemeinde Loßburg auf ihrer Facebook Homepage aufmerksam. Einige davon hängen im Ort, bei den Wanderwegen oder im Zauberland. Und diese besagten Schilder weisen auf interessante, wenn auch nicht gern gesehene Arten hin.

"Schnapsleichen" liegen am Wegesrand

Da gibt es zum Beispiel den "Weißen Rotzling", auch bekannt als Taschentuch, der sich häufig an Wegesrändern finden lässt. Seine Verrottungszeit beträgt ein bis fünf Jahre. Noch länger für den Abbau, nämlich bis zu 120 Jahre, braucht der gar nicht so seltene "Gemeine Beutler", der eher unter dem Namen Plastiktüte geläufig ist.

Zum "Gemeinen Rutscher", gelb, glitschig und ohne seinen natürlichen Inhalt, die Banane, hält sich das Gerücht, er schade seiner Umgebung nicht, weil er ja Biomasse sei. Tatsächlich braucht er aber bis zu drei Jahre um zu verrotten und Teil der Walderde zu werden. Während sich die "Fluppe" in zwei bis sieben Jahren abbaut, braucht das "Pappige Becherlein" bis zu 50 Jahre. Den Rekord hält die "Schnapsleiche", gelegentlich am Wegesrand in Bodennähe zu sichten. Mit ihren Glasscherben kann sie sich gegen andere Waldbewohner, sehr zu derem Leidwesen, verteidigen. Bis zu 50 000 Jahre braucht sie zum verrotten.

Besucher kommen sogar aus dem Raum Stuttgart

Viele mag die humorvolle Aufarbeitung des Themas Vermüllung der Wälder zum Schmunzeln bringen. Es steckt jedoch ein ernstes Problem dahinter. "Seit die Corona-Pandemie angefangen hat, ist vor allem das Zauberland sehr stark frequentiert", erklärt Tamara Schwarz von der Loßburg Information. Mehr Besucher bedeute auch mehr Müll, der anfalle. Das sei definitiv auch in Loßburg ein Thema. "Und die Besucher kommen nicht nur aus der Region, sondern auch aus der weiteren Umgebung. Aus dem Raum Stuttgart und Offenburg zum Beispiel." Das sehe man an den Kennzeichen der Autos in der am Wochenende meistens zugeparkten Schömberger Straße. Was aus touristischer Sicht ein Segen sei, werde für die Natur zunehmend zum Problem.

"Es sind zwar Mülleimer aufgestellt, aber nicht auf allen hundert Metern. Bei den ›Google Business Bewertungen‹ haben die Besucher teilweise angemerkt, dass es zu wenige seien. Und wenn die Leute nicht direkt einen finden, schmeißen manche ihren Müll in die Natur." Dort schade er nicht nur der Umwelt und den Tieren, sondern mache auch dem Bauhof zusätzliche Arbeit, weil der dann aufräumen müsse. Für dieses Thema wolle man sensibilisieren.

Ob es eine Option wäre, mehr Mülleimer im Zauberland und bei Wanderwegen zu platzieren? "Das ist nicht so einfach, weil die Standortkriterien stimmen müssen", erklärt Schwarz. "Man muss ja auch die Leerungen organisieren. Das bedeutet, der Bauhof muss an diese Stellen auch hinkommen." Das sei vielen Wanderern, die Mülleimer vermissen, nicht bewusst. So finde der Bauhof nicht selten Verpackungsmüll vom Mittagsvesper in den Büschen oder Plastikflaschen an Wegrändern. Die Zahl der weggeworfenen Zigarettenstümpfe sinke eher. "Ich habe den Eindruck, dass die Menschen in den vergangenen Jahren für das Thema Rauchen verstärkt sensibilisiert wurden", überlegt Schwarz. Auch in Hinsicht auf die gesamte Vermüllung der Wälder sei in den Köpfen bereits viel passiert. "Aber eben nicht bei allen."

Noch sind nicht alle Tafeln montiert

In Loßburg seien nun schon einige Schilder montiert. "Zum Beispiel am Kinzigsee im Zauberland, am Hexenhäusle, am Waldklassenzimmer und am Vogteiturm", zählt Schwarz auf. "In den kommenden Tagen werden auch noch einige Schilder in den Außenortsteilen von Loßburg, an stark frequentierten Plätzen montiert." Die Touristinformation habe den Eindruck, dass die Menschen die Aktion auf den sozialen Medien registrieren. Ein direktes Feedback habe es aber noch nicht gegeben. "Wir haben das Zauberland auch noch nicht ganz aus dem Winterschlaf geweckt", sagt Schwarz. "Die Wasserspiele mussten wir wieder abstellen, weil es kürzlich nachts noch Minusgrade gab und das Wasser sonst gefroren wäre." Aber in ein paar Wochen, wenn wieder mehr los sei, werde man bald sagen können, ob die Tafeln Wirkung zeigen.

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