Aus Werkrealschule wird Kindergarten – fragt sich nur wann. Denn einige Arbeiten an dem Gebäude verzögern sich bedingt durch die aktuelle Lage. Dadurch wird der Kindergarten erst einige Monate später fertig als geplant. Und teurer wird das Projekt wohl auch.
Calw-Wimberg - Derzeit läuft es einfach nicht rund in Sachen Kinderbetreuung. Nicht nur, dass die Stadt Calw mit gravierendem Personalmangel in den Kindergärten zu kämpfen hat, nun wird eine geplante neue Einrichtung auch noch später fertig – und überdies steigen deren Kosten. Trotzdem gab der Bau- und Umweltausschuss (BUA) sein Okay für die Vergabe der anstehenden Arbeiten. Wenn auch mangels Alternativen.
Mit knapp 200 000 Euro mehr als im Budget vorgesehen schlagen die technischen Gewerke zu Buche. Während Andreas Hailer vom Hochbauamt der Stadt Calw mit einer Vergabesumme von rund 467 000 Euro für Sanitär-, Heizungs-, Lüftungs- und Elektroinstallation kalkulierte, ergab die Summe der abgegebenen Angebote rund 661 000 Euro.
Kaum Rücklauf der Schreiner
Eine nicht unerhebliche Summe – doch, wenn man es jetzt nicht vergibt, wann wird es besser?, fragte Oberbürgermeister Florian Kling bei der Sitzung in die Runde. Im Angesicht des derzeitigen Baustoffmangels und der großen Nachfrage nach Handwerkern aller Art wohl nicht so bald. Das wird die Stadt auch bei den Schreinerarbeiten zu spüren bekommen, die als nächstes zu vergeben sind. Bei einer ersten Ausschreibung habe es seitens der Schreiner kaum Rücklauf gegeben, berichtete Kling. Dadurch verzögert sich die Fertigstellung des Kindergartens um mindestens drei Monate.
Also wird er voraussichtlich erst zum Ende des Jahres fertig, statt wie vormals geplant im September zum Schuljahresbeginn.
Kinder bleiben bei denselben Erziehern – gemeinsamer Umzug
Was aber bedeutet das für die Eltern, deren Kinder dort hingehen sollten? Für sie wurde zwischenzeitlich eine Lösung gefunden, berichtet Thomas Seifert, Leiter der Abteilung Bildung bei der Stadt Calw. Während OB Kling in der BUA-Sitzung noch andeutete, dass man wohl oder übel vertrösten müsse, präsentierte Seifert auf Nachfrage des Schwarzwälder Boten einen Plan für die Betroffenen: Die Kinder, die bislang noch in keiner städtischen Einrichtung betreut werden, jedoch dringenden Bedarf haben, werden in der Einrichtung in der Bahnhofstraße untergebracht, wo sich früher der katholische Kindergarten befunden hatte. Die Kinder werden dort von denselben Erziehern betreut, die später auch auf dem Wimberg tätig sein werden. Sie werden also nicht aus ihrem dann schon gewohnten Umfeld herausgerissen, beschreibt Seifert.
Aus seiner Sicht sei das eine "super Lösung" – und gleichzeitig ein Glücksfall, weil die Stadt in Absprache mit dem Diakonat die Räume in der Bahnhofstraße noch länger mieten kann als eigentlich geplant.
Ist der Bedarf nach Betreuung nicht gar so gravierend, warten die Eltern bis zur Eröffnung des Kindergartens auf dem Wimberg und schicken ihre Kinder dann dorthin. Die Kinder, die bereits an anderer Stelle in Calw betreut werden, bleiben bis zur Eröffnung des Kindergartens auf dem Wimberg in ihrer jeweiligen Einrichtung.
Von den Eltern sei dieses Konzept wohlwollend aufgenommen worden, berichtet Seifert. Es habe keine Unruhe gegeben.
"Wir schauen jetzt, was machbar ist"
Doch zurück zu den Sanierungsarbeiten. Der BUA votierte dafür, dass der OB die Schreinerarbeiten eigenmächtig vergeben darf, wenn denn ein Angebot vorliegt. Ein Schreiner aber habe Hailer geraten, die Leistungen nicht vor Oktober auszuschreiben. "Wir schauen jetzt, was machbar ist", meinte er.
Dieter Kömpf (Freie Wähler) riet dazu, nun die technischen Gewerke zu vergeben – "auch wenn’s wehtut". Die Entscheidung fiel schließlich einstimmig.
Die Roh- und Trockenarbeiten sind derweil übrigens schon in vollem Gange. Geplant ist im ersten Bauabschnitt das Erdgeschoss des Verwaltungsgebäudes Pestalozzistraße 12 umzubauen. Hier sollen unter anderem ein Mehrzweck- sowie zwei Gruppenräume entstehen. Auch ein abgeschlossener Außenspielbereich vor dem Gebäude ist vorgesehen. Dafür müssen zunächst Fußböden, Wände, Decken, Sanitäranlagen, Heizung, Fenster und Elektrik renoviert werden, wie Hailer vormals erläutert hatte.