Die Bäume um die Kirche erhalten oder Fällen? Diese Frage beschäftigt derzeit die Hausener Bürger. Foto: Marschal/Archiv

An den drei Bäumen bei der Kirche scheiden sich derzeit in Hausen am Tann die Geister. In der jüngsten Gemeinderatssitzung wurde rege diskutiert, nicht nur einmal kochte die Stimmung hoch. In einem Bürgerbegehren soll nun abgestimmt werden, ob es ein weiteres Gutachten geben wird.

In Hausen am Tann wird es zum ersten Bürgerbegehren der Ortsgeschichte kommen. Grund dafür sind drei Bäume: eine naturdenkmalgeschützte Kastanie und zwei Linden, vor der Kirche sollen gefällt werden. So hat es der Gemeinderat in der Septembersitzung, basierend auf einem Gutachten, beschlossen.

 

In der Gemeinderatssitzung am Mittwochabend brachten die drei Vertrauenspersonen, welche 60 Unterschriften für ein Bürgerbegehren gesammelt hatten, ihre Argumente dagegen vor. Ziel der Unterschriftenaktion, die in einem Bürgerbegehren münden soll, ist es, ein zweites Gutachten für die Bäume einzuholen.

Wirtschaftlich und ökologisch sinnlos

In der Gemeinderatssitzung waren die Gemüter erhitzt, die Meinungen gespalten. „Wir haben den Beschluss nicht aus dem hohlen Bauch heraus gefällt“, stellte Gemeinderat Stefan Buhmann klar. Im Sommer habe ein zertifizierter Baumkontrolleur, den die Naturschutzbehörde des Landkreises beauftragt hat, festgestellt, dass es wirtschaftlich und ökologisch keinen Sinn ergebe, in diese Bäume zu investieren, da eine mittelfristige Überlebenschance nicht gewährleistet werden. Demnach habe die Untere Naturschutzbehörde für die Kastanie, ein Naturdenkmal, eine Fällgenehmigung erteilt.

Laut Buhmann ist vor allem die Sicherheit ein großer Aspekt: „Wir sind der Meinung, diese Bäume werden eine Gefahr darstellen.“ Der Weg entlang des Friedhofs ist wegen der Gefahr, dass vor allem die beiden Linden Totholz abwerfen und Fußgänger damit verletzten könnten, gesperrt.

Bürgerentscheid kostet um die 4000 Euro

Ein weiteres Gutachten, so, wie es das angestrebte Bürgerbegehren verlangt, würde aus der Sicht des Gemeinderats nichts bringen. Buhmann appellierte daher an die Initiatoren, den Antrag auf Bürgerentscheid zurückzuziehen, da man die 4000 Euro, die dafür grob anfallen würden, sinnvoller nutzen könne. Ihn stört vor allem, dass Qualifikationen von Behörden und Fachleuten in Frage gestellt werden, wenn das Ergebnis nicht der eigenen Meinung entspricht.

Manfred Neher, der als Vertrauensperson in der Sitzung angehört wurde, entgegnete, dass man, wenn es um Sicherheit ginge, ja jeden großen Baum an einer Straße fällen müsste. „Umsägen ist das letzte Mittel, weil es irreversibel ist“, so Neher. Weil Äste an der Kastanie stark und sichtbar austreiben, sei das für ihn ein Zeichen von Vitalität.

Vorschlag: Abwarten bis nächsten Herbst

Christa Bruder, welche die Aktion initiiert hat, erklärte, dass bei menschlichen Krankheiten doch bei Ärzten auch oft eine zweite Meinung eingeholt werde. Sie kritisiert, dass die Bürger nicht wissen, was geprüft wurde und mit welcher Methode. Eine Stellungnahme des Baumkontrolleurs habe sie nicht bekommen. Sie forderte mehr Transparenz in dieser Sache. Es sei nicht öffentlich vordiskutiert worden. „Ich habe so viele Fragen, die diese Stellungnahme beantworten würde“, so Bruder.Und wer habe den Sachverständiger ausgesucht? „Wir haben den empfohlenen genommen“, erklärte Bürgermeister Stefan Weiskopf.

Das Frühjahr abwarten

Bruder schlug einen Kompromiss vor: den Bürgerentscheid bis Ende Oktober zu verschieben und nur das Totholz jetzt zu entfernen, um die Vitalisierung der Bäume im Frühjahr und Sommer durchzuführen. Danach sei im Herbst 2024, gestützt auf ein neutrales Gutachten von einem öffentlich bestellten und vereidigten Sachverständiger, eine Entscheidung zu fällen.

„Wer geht in Haftung?“

Zwischenzeitlich wurde es unruhig, sowohl im Publikum als auch im Gremium. „Wir wären zu einem anderen Schluss gekommen, wenn die Bäume zehn Jahre oder länger überleben“, erklärte Weiskopf. Ergibt es Sinn, Geld reinzustecken, obwohl Bäume keine Chance auf ein Überleben haben? „Wenn wir bis Frühjahr warten, wer übernimmt dann die Haftung?“, fragte die Gemeinderätin Karin Ettwein. Vor allem wenn etwas passiert, und man wusste, dass die Bäume eine Gefahr sein könnten. „Wir handeln wider besseren Wissens“, sagte Buhmann, der allerdings auch betonte, dass man die 60 Unterschriften ernst nehme.

Bürgerbegehren am 21. Januar

Hinsichtlich des angestrebten Bürgerbegehrens verlief die Prüfung der Unterschriftensammlung positiv: Es haben mehr als sieben Prozent der Bürger unterzeichnet und 59 von 60 Unterschriften sind gültig. Die Vertrauenspersonen wurden angehört, die Fragestellung mit Ja und Nein zu beantworten. Als Wahltag wurde Sonntag, 21. Januar 2024, bestimmt, da dieser noch in die vegetationsarme Zeit fällt.