Norbert Beck wird bei der Stichwahl in Alpirsbach nicht antreten. Das hat er nun in einer Gemeinderatssitzung bekanntgegeben. Dabei nannte er auch den erschreckenden Grund.
Bei der Stichwahl in Alpirsbach am 13. Juli wird nur Vanessa Schmidt auf dem Stimmzettel stehen. Amtsverwalter Norbert Beck verzichtet auf eine Teilnahme bei der zweiten Runde der Bürgermeisterwahl. Diese Entscheidung hat Beck nun am Dienstagabend im Gemeinderat bekanntgegeben.
„Das wird vermutlich vielen vom Gemeinderat nicht gefallen. Ich werde zur Stichwahl nicht antreten“, stellte Beck gleich zu Beginn der Sitzung klar. Der Grund für seine Entscheidung: zahlreiche Anfeindungen, die Beck offenbar kurz vor und nach der Wahl erleben musste.
Begonnen hätten diese nach Presseberichten über die von einigen Alpirsbachern gestarteten Aufrufe, Becks Namen in die freie Zeile auf dem Wahlzettel zu schreiben und ihn somit offiziell zum Bürgermeister zu wählen. Auf Anfrage hatte Beck angekündigt, sich ernsthaft zu überlegen, die Wahl anzunehmen, sollte er gewählt werden. „Damit ging der Shitstorm los“, berichtete Beck im Gemeinderat.
Auf offener Straße angebrüllt
Am Wahlsonntag sei er dann gemeinsam mit seiner Frau auf dem Weg zum Haus des Gastes gewesen, als ein Mann auf ihn zugekommen sei und ihn angebrüllt habe. „Unverschämt, zwei Tage vor der Wahl auf den Zug aufzuspringen, ungehörig, macht man nicht“, gab Beck die Worte des Mannes wieder.
Ebenfalls am Wahlsonntag sei er von mehreren Bürgern angesprochen worden. Der Tenor: „Ich wisse aber schon, wie alt ich sei und acht Jahre Amtszeit sei eine lange Zeit“, berichtete Beck.
Mails seien teils unverschämt gewesen
Am Montag und am Dienstag habe er dann mehrere E-Mails erhalten, die Beck als „teils unverschämt“, bezeichnete. In den Mails habe gestanden, er solle sich hüten, an der Stichwahl teilzunehmen.
„Diese drei Vorgänge haben mit mir etwas gemacht“, erklärte Beck. Er habe sich überlegt, ob er das wirklich nötig habe und ob er sich das gefallen lassen solle. „Nach Rücksprache mit meiner Familie waren wir alle vier der Meinung: Nein“, so Beck. Daher verzichte er schweren Herzens auf die Teilnahme an der Stichwahl.
Zu seiner Entscheidung hätten aber auch finanzielle Gründe beigetragen. „Leider habe ich erst gestern von meiner Pensionskasse eine finale Entscheidung erhalten“, berichtete Beck. „Demnach wird meine Pension bei einem entsprechenden Einkommen durch die Stadt Alpirsbach auf null gesetzt.“ Für Beck ist daher klar: „Das kann ich weder meiner Familie noch mir zumuten. Das geht einfach nicht.“
Unter den Zuschauern war auch Bürgermeisterkandidatin Vanessa Schmidt. Im Gespräch mit unserer Redaktion direkt nach Becks Rede sagte sie zu den von Beck beschriebenen Anfeindungen: „Dass er wirklich so angegangen wird, war mir nicht bewusst und nicht gewollt von mir.“
Schmidt: „Das finde ich nicht fair“
Schmidt stellte klar: „Das finde ich nicht gut, das finde ich nicht fair.“ Über Beck sagte Schmidt: „Ich habe höchsten Respekt vor ihm, vor seiner Arbeit und seiner Entscheidung.“
Zum Hintergrund: Bei der Bürgermeisterwahl am vergangenen Sonntag hatte Beck 42,41 Prozent der Stimmen geholt – und das, obwohl er gar nicht auf dem Stimmzettel stand. Denn zahlreiche Bürger hatten seinen Namen in die freie Zeile geschrieben. Schmidt holte bei der Wahl 48,97 Prozent.
Damit war klar: Es wird eine Stichwahl geben. Von der Entscheidung Becks hing es aber ab, ob auch er auf dem Stimmzettel steht, oder nur Schmidt und eine leere Zeile. Am Wahlabend wollte sich Beck noch nicht festlegen. Allerdings hatte Beck schon angedeutet, dass er offenbar nicht abgeneigt ist, bei der Stichwahl anzutreten. Umso überraschender ist nun Becks Verzicht.