Die Schwanen-Apotheke in Schwenningen feiert in diesen Tagen ihr 75-jähriges Bestehen. Seit nunmehr fast 50 Jahren wird die Gesundheitseinrichtung in der oberen Muslen von der Familie Seiler geführt.
Die Eröffnung dieser dritten Apotheke in Schwenningen fand am 10. November 1949 statt – damals gab es noch die Stadtapotheke und die Adler-Apotheke.
Um eine Apotheke eröffnen zu können, bedurfte es der Zustimmung des Innenministeriums des Landes Württemberg-Hohenzollern, das die Apothekenbetriebserlaubnis erteilte.
Unter anderem war vorgeschrieben, dass im näheren Einzugsbereich einer Apotheke mindestens 8000 Einwohner nachgewiesen werden mussten. Am 24. September 1948 schließlich wurde per Apothekenbetriebsgesetz bekannt gegeben, dass in einigen Städten, darunter auch in Schwenningen, eine neue Apotheke eröffnet werden durfte.
Daraufhin bewarb sich der seit vielen Jahren in Tübingen lebende Apotheker Josef Schuler. Durch seine Begegnung in englischer Kriegsgefangenschaft mit dem Schwenninger Zahnarzt Kurt Haller, der seine aufstrebende Heimatstadt in den besten Farben, mit tüchtigen Menschen und weltoffenen Bürgern beschrieb, bewarb sich Josef Schuler.
Schwenninger Wappentier
Er machte sich auf die Suche nach Räumlichkeiten und fand sie In der Muslen 55. Dort, im ehemaligen Wäschegeschäft Schlenker-Kayser, richtete Apotheker Schuler sein Ladengeschäft mit Nebenräumen ein und gliederte eine gut ausgebaute homöopathische Abteilung und ein Untersuchungslabor an. Da Josef Schuler das Schwenninger Wappentier als Firmenzeichen wählte, lag es nahe, sein Geschäft Schwanen-Apotheke zu nennen.
Zuvor hatte sich noch die Schwenninger Stadtverwaltung zu Wort gemeldet und sich dafür ausgesprochen, diese neue, dritte Apotheke in einem Außenbezirk von Schwenningen anzusiedeln.
Anderer Standort?
Die Verwaltung wollte das Schuler seine Apotheke im Westen der Stadt eröffnet. „Ich bitte Sie daher, um nochmalige Prüfung, ob es nicht möglich ist, etwa im oberen Teil der Karl- oder Alleenstraße oder des Mühlweges geeignete Räume zu finden“, schrieb Amtsleiter Werner Gräber damals an den neuen Apotheker.
Doch Schuler schaute sich die Umgebung an und stellte fest, dass am Mühlweg bei der Friedensschule die Bebauung endete und es rund um die alte Johanneskirche nur Wiesen gab.
In der Rietenstraße gab es nur einige Häuser und neben der Feintechnikschule nur noch zwei Lehrerwohnhäuser und etwas weiter entfernt das bebaute Salinenfeld.
Josef Schuler pochte auf eine gute Geschäftslage, denn eine Apotheke war immer auch auf Laufkundschaft angewiesen. Schließlich stimmte die Stadtverwaltung zu und die Schwanen-Apotheke konnte am gewünschten Standort eröffnet werden.
Einige Jahre später hatte der Sohn Heinz Schuler sein Staatsexamen als Apotheker abgelegt und sollte seinen Vater in der Apotheke unterstützen. Doch Heinz Schuler starb unerwartet am 12. Oktober 1974.
Schuler verkauft an Seiler
Durch diesen Schicksalsschlag verkaufte Josef Schuler die Schwanen-Apotheke an den Gelsenkirchener Apotheker Helmut Seiler, der am 1. Januar 1975 die Muslen-Apotheke eröffnete. Schon sein Vater habe eine Apotheke betrieben, so Seiler, für den dies sein Traumberuf wurde.
1979 wurde die Apotheke am Hockenplatz um die ehemaligen Räume des Lederwarengeschäfts Wildner erweitert und modernisiert. Ein weiterer Umbau erfolgte 1985.
Sohn übernimmt 2012
2012 übernahm Sohn Maximilian Seiler die Schwanen-Apotheke. Unterstützt wird er von seinem Vater Helmut und einem festen Mitarbeiterstamm. Nach seiner Ausbildung zum pharmazeutisch-technischen Assistenten in Isny studierte Maximilian Seiler an der Universität Saarbrücken mit dem Abschluss zum Apotheker.
Damals wie heute sind die Anforderungen an das Führen einer Apotheke nicht nur sehr umfangreich, sondern auch sehr kostenintensiv, weiß Helmut Seiler. Für ihn ein Grund, warum in Deutschland viele Apotheken schließen. Inzwischen ist die Schwanen-Apotheke mit ihren 75 Jahren die älteste, derzeit gibt es noch fünf in der Stadt. Vor einigen Jahren waren es in Schwenningen noch mehr als zwölf.
In Zukunft investiert
Erst vor wenigen Jahren hat Maximilian Seiler in die Zukunft investiert und die Schwanen-Apotheke nach modernsten Gesichtspunkten umbauen lassen. Dazu gehören unter anderem eine leistungsfähige Apothekeneinrichtung, eine Laborausstattung nach modernsten Standards, klimatisierte Betriebsräume und zum Beispiel ein Nachtdienstzimmer.
Besonders stolz ist man in der Schwanen-Apotheke auf das 15 000 Arzneimittel umfassende Warenlager und den Kommissionierautomaten. Ein modernes Computerprogramm, das auf dem neuesten Stand der Technik ist, ordert die verschiedenen Bestellungen, die dann über Förderbänder in das Offizin, den Verkaufsraum, transportiert werden, so Apotheker Seiler über die Optimierung der Lagerhaltung.
75 Jahre später sind Helmut und Maximilian Seiler auch ein wenig stolz, dass es den Betrieb noch gibt und dass viele Stammkunden schon seit Generationen in die Apotheke schräg gegenüber vom Schwenninger Narrenbrunnen kommen, um sich gerne beraten lassen – oder auch mal mit dem Senior ein Schwätzchen zu halten.