Mehr als 16 Jahre engagierte sich Richard Dipper (rechts) als Gemeinderat und Ortsvorsteher in der Gesamtgemeinde Althengstett, Bürgermeister Rüdiger Klahm (Mitte) verpflichtete Yüksel Bounin Erdogan (links) in der jüngsten Sitzung als Nachrücker in sein neues Ehrenamt. Foto: Jeanette Tröger

Mit Richard Dipper wurde ein fraktionsübergreifend geschätzter Gemeinderat nach 16 Jahren verabschiedet – als Nachrücker Yüksel Bounin Erdogan verpflichtet.

Richard Dipper wurde 2009 erstmals für die SPD in den Althengstetter Gemeinderat gewählt. „Unsere gemeinsame Zeit endet heute“, sagte Bürgermeister Rüdiger Klahm, der ebenfalls 2009 als Gemeinderat startete, in seiner kurzen Ansprache. Dipper bat im November darum, zum Jahresende aus gesundheitlichen und aus Altersgründen aus dem Gremium ausscheiden zu können. Diesem Wunsch kam der Gemeinderat einstimmig nach.

 

Viel Verbindendes

„Was hat uns verbunden?“, blickte Klahm auf die mehr als 16 Jahre gemeinsames ehrenamtliches Engagement mit dem scheidenden Rat zurück und stellte fest: „2009 war die Zeit gar nicht so anders als aktuell“. Die Folgen der globalen Finanzkrise waren spürbar und die Gewerbesteuer ist um vier Millionen Euro eingebrochen. „Können wir uns die neue Ortsmitte überhaupt leisten?“, stand als Frage im Raum zum geplanten Projekt.

Auf Dippers Antrag hin musste der Kämmerer damals eine „Globale Minderausgabe“ von zehn Prozent im Haushalt unterbringen, berichtete Klahm. „Wir haben den Mut aufgebracht, nach vorne zu schauen und du hast dich mit eingesetzt, die Ortsmitte zu verwirklichen.“ Und weil Dipper das so gut gefallen habe, „hast du dich als Gemeinderat und als ehrenamtlicher Ortsvorsteher (OV) daran gemacht, sowas auch in Ottenbronn umzusetzen“, würdigte Klahm. Von diesem Amt war Dipper schon im vergangenen Jahr zurückgetreten.

Dipper und Klahm waren gemeinsam Mitglieder in der Verbandsversammlung der Hermann-Hesse-Bahn, der Zeitpunkt, Dipper zu verabschieden, sei daher „bestens zwei Tage vor Inbetriebnahme der Bahn“. Der soziale Bereich sei dem ausscheidenden Rat immer ein großes Anliegen gewesen, fuhr Klahm fort und nannte die Kitas und das Familienzentrum, dessen erster und langjähriger Beiratsvorsitzender Dipper war, „dafür konntest du dich auch hartnäckig einsetzen“. Für all dieses Engagement „sagen wir, Gemeinderat, Bürgermeister und auch die Bürgerschaft herzlich Danke. Wir wünschen dir künftig weniger Stress und alles Gute für deine Gesundheit“. Mit langem Applaus schlossen sich die Gemeinderäte dieser Würdigung an.

Emotionale Laudatio

Für die SPD-Fraktion ergriff Lothar Kante das Wort für eine längere und auch emotionale Laudatio. Die wichtigen Eigenschaften eines Gemeinderats nach Sokrates habe Altbürgermeister Clemens Götz so beschrieben: Er ist von edler Gesinnung, hat Scharfblick, lernt schnell und ist außerordentlich arbeitswillig. „Diese Eigenschaften hast du voll erfüllt“, so Kante. Dipper gehöre zu jenen, die nach vorne blicken, „die wagen, Geld in die Hand zu nehmen – wir hätten keine Ortsmitten, kein Sportzentrum und keine neuen Baugebiete“. Er könne sich an keinen Zwist erinnern, sagte Kante, „du hast immer mitgeholfen, die andere Seite zu verstehen. Warst immer respektvoll im Ton trotz hitziger Debatten“. Und schloss: „Die schlechte Nachricht ist: du gehst, die gute: Yüksel kommt“.

Dipper bedankte sich „für die schönen Worte von Bürgermeister und Fraktion. Mein Herz hängt an der Gemeinderatsarbeit, ich gehe mit schwerem Herzen,“ gestand er. „“Das mach ich, dass ich den Ort, in dem ich alt werde, mitgestalten kann“ – dass sei seine Motivation für das Amt des OV in Ottenbronn gewesen. Er bedankte sich für den guten Umgang in all den Jahren. „Ich freue mich, dass mit Yüksel die jüngere Generation zum Zuge kommt.“

Der Neue

Der ins Gremium nachrückende Rat wurde vom Schultes anschließend verpflichtet und von den Kollegen mit Beifall begrüßt. Bounin Erdogan (52) wohnt in Ottenbronn, ist dort bereits im Ortschaftsrat engagiert und ist Vorsitzender des SPD-Ortsvereins Althengstett/Simmozheim. Er ist verheiratet und Vater einer Tochter und eines Sohns. Der gelernte Konstruktionsmechaniker ist bei einem großen Automobilkonzern in der Region im Bereich Messtechnik beschäftigt.