An der Schwenninger Sturmbühlstraße werden derzeit vier Wohnblöcke mit 73 Wohnungen abgerissen. Doch ein Ersatz ist wider Erwarten kurzfristig nicht machbar.

VS-Schwenningen - Zwar sei der Eigentümer in Zugzwang, die fast 100 Jahre alten Gebäude nun zügig abzutragen, doch die aktuelle Marktlage mache eine schnelle Neubebauung unmöglich, wie die Wohnungsbaugesellschaft Villingen-Schwenningen (wbg) jetzt mitteilt.

 

Stattdessen denke man über eine Interimsnutzung nach, bis die Konstellation aus Förderung und Baukosten wieder eine sozial verträgliche Miete in den geplanten, rund 130 neuen Wohnungen erlaube.

Rainer Müldner blutet das Herz

Wbg-Geschäftsführer Rainer Müldner blutet eigentlich das Herz, wie er selbst gesteht: "Seit 2019 sind wir mit dem Projekt befasst, das 130 moderne und günstige Wohnungen bringen sollte. Stattdessen müssen wir nun die leeren Altbestände abreißen, um Vandalismus und Gefahren durch Bauschäden zu verhindern, können aber zeitnah keinen Ersatz bauen", fasst er zusammen.

Tragische Situation

Dass dies in Zeiten eines starken Mangels an bezahlbaren Wohnungen eine fast schon tragische Situation ist, dessen ist sich die wbg bewusst. Doch die aus dem Jahr 1923 stammenden Wohnblöcke wären nicht mehr sanierungsfähig gewesen: Es bestand keine Chance mehr, sie auf einen akzeptablen und zukunftsfähigen Stand bringen zu können, die Wohnungen hätten nicht erneut vermietet werden können, heißt es weiter.

Wbg verweist auf Geschäftsbericht

Dass ein zügiger Ersatz jedoch nicht machbar sein würde, das hätte sich vor zwei Jahren zum Projektbeginn niemand träumen lassen. "Denn dass die wbg die Zukunft für das bald brachliegende Areal völlig anders geplant hatte, als es im Oktober vor zwei Jahren an die Entmietung der Gebäude ging, das belegt unter anderem der jüngste Geschäftsbericht der wbg, teilt das Unternehmen weiter mit. Gleich fünf Seiten finden sich in dem Druckwerk über das visionäre Wohnprojekt, das eigentlich zügig nach dem aktuell laufenden Abriss an der Sturmbühlstraße entstehen sollte.

"Viel passiert"

"Seit dem Planungsbeginn ist aber leider viel passiert", bedauert Rainer Müldner: Die explodierenden Baukosten in Verbindung mit der wegfallenden Förderung durch den Bund sowie steigende Bauzinsen haben die wbg – wie viele andere Wohnbaugesellschaften auch – dazu gezwungen, eine krachende Vollbremsung bei allen Neubauvorhaben hinzulegen. "Derzeit geschieht daher bundesweit überall das Gleiche im Wohnbau: Viele Projekte werden deshalb auf Eis gelegt", so Müldner.

Baustart unklar

Wann sich die Situation wirtschaftlich wieder verbessern und ein konkreter Start für das Bauvorhaben auf dem bald abgeräumten Areal möglich sein wird, das steht noch in den Sternen: "Wir behalten die Rahmenbedingungen natürlich im Auge, um schnell reagieren zu können. Aber bis hier wirklich ein Baustart konkret wird, geht sicher noch etwas Zeit ins Land", formuliert Müldner zurückhaltend. Dennoch soll die Planung weiter vorangetrieben werden und für 2023 wird die Genehmigungsreife angestrebt.

Parken, Sport oder Kultur

Doch ungenutzt möchte die wbg das Gelände nicht lassen, auf dem aktuell die Bagger die Wohngebäude Stück für Stück abtragen und die Materialien zum Recycling sortieren und vorbereiten: "Wir denken aktuell über verschiedene Möglichkeiten nach, wie man das Gelände an so prominenter Stelle in Schwenningen zumindest sinnvoll zwischennutzen kann." Noch sind hierzu keine Entscheidungen gefallen, doch das weitläufige Areal soll nach der Fertigstellung der Abbrucharbeiten nicht einfach sich selbst überlassen werden. Von Parken über Sport bis Kultur ist hier vieles denkbar", lässt Rainer Müldner erste Ideen und Ansätze durchscheinen, wie das Gelände zumindest provisorisch und für begrenzte Zeit eine Bereicherung für Schwenningen werden könnte – wenn es mit dem Wohnbau schon nicht so schnell wie erhofft klappt.