Mäh! Schafe sind typisch für Texel. Foto: Tanja Neumann, vielweib.de

Wer die niederländische Insel Texel kulinarisch erkunden möchte, braucht keinen Tisch, sondern Gummistiefel, eine Picknickdecke und Appetit auf Authentisches.

Die kulinarische Spurensuche beginnt im Watt. Bei Ebbe geht es mit einer geführten Tour hinaus ins Wattenmeer. Martin Zeeman, Austernkenner und Inhaber des Feinkostgeschäfts Smakelijk & Meer in Den Burg, zeigt den Teilnehmern, wie sich Pazifische Felsenaustern aus dem Schlick befreien lassen. „Die sehen manchmal eher aus wie Steine“, sagt er und deutet auf eine unscheinbare, bräunlich-graue Erhebung.

 

Mit etwas Übung erkenne man die typischen Wölbungen, die die Auster verraten. Einmal ist ihm sogar eine große Perle in die Hände gefallen. Solche Kostbarkeiten entstehen, wenn sich eine Auster gegen einen Eindringling wie ein Sandkorn schützt und ihn Schicht für Schicht mit Perlmutt umhüllt. „Eigentlich ist eine Perle nur ein ziemlich teures Sandkorn“, erklärt Martin augenzwinkernd. Die frischen Austern werden am Deich verkostet. Pur oder mit einem Spritzer Zitrone entfalten sie ihren salzigen, mineralischen Geschmack. Wer mag, genießt dazu ein Glas Weißwein mit Blick auf Texels Küste. Mehr Nordsee geht nicht – außer man steht mittendrin.

Auf den Weiden trifft Salzwasser auf ein Süßwasserdepot

Von der Küste aus geht es ins Inselinnere. Auf den Weiden grasen die berühmten Texelschafe, deren Fleisch und Milch seit Jahrhunderten die Grundlage der regionalen Küche bilden. Der 1625 erbaute Hof De Waddel ist einer der ältesten Schafzuchtbetriebe der Insel und die Heimat von Jan-Willem Bakker.

Seit Generationen lebt seine Familie für und mit den wolligen Vierbeinern. Die Weiden hier sind ein besonderes Biotop, in dem Salzwasser auf ein Süßwasserdepot trifft. Das Resultat ist eine vielfältige Vegetation, die die Schafe gesund hält und dem Lammfleisch seinen besonderen Geschmack verleiht. Wer möchte, kann bei der sogenannten Knapsack-Tour den Geschmack der Insel buchstäblich in den Rucksack packen.

Käse, Lammwurst, Eier, frisches Brot – alles stammt aus eigener Herstellung. Auf markierten Wegen geht es vorbei an Schafherden, grasbewachsenen Hügeln und kleinen Höfen. Rund um den Hoge Berg kann man das Picknick vom alten Bauernhof genießen. Dabei lernt man die Landschaft und die Geschichte des Hofes kennen, die eng miteinander verbunden sind.

Texel Foto: STZN/Lange

Im Beerengarten gibt es Texels Kulinarik zum Mitnehmen. Auf dem weitläufigen Gelände von Voedselbos bei Oudeschild wachsen über 100 Sorten Obst, Gemüse, Kräuter, Blumen und Nüsse, von denen viele selbst geerntet werden dürfen. Von Mai bis November kann man im Selbstpflückgarten von Jacco Boersen mit einem Korb durch die Felder streifen, probieren, pflücken und dabei jede Menge über die Pflanzen lernen. Auf kleinen Tafeln steht nachzulesen, wie Tomaten reifen oder was den Unterschied zwischen rotem und schwarzem Johannisbeerstrauch ausmacht. Gegärtnert wird nachhaltig: Der Einsatz von organischem Dünger, der Erhalt einer großen Biodiversität und der schonende Umgang mit Ressourcen sind feste Säulen der Arbeit.

Das Konzept verdanken sie einem Zufall: Als die Erdbeeren am Verkaufsstand von Jaccos Eltern ausverkauft waren, bot ein Kunde kurzerhand an, sie selbst zu pflücken. Heute versteht sich der Beerengarten als ein Ort, an dem alle Besucher in ihrem eigenen Tempo die Vielfalt der Insel erleben können – sei es aktiv beim Ernten oder entspannt im Hofladen und Café. Kinder entdecken den Garten auf einem eigenen Erlebnispfad und wer es romantisch mag, kann im begehbaren Gurkengewächshaus sogar Hochzeit feiern.

Das Nordseeklima beeinflusst die Aromen

Besonders bekannt ist das Skuumkoppe, ein dunkles Weizenbier mit malziger Note. Der Name spielt auf die weißen Schaumkronen der Nordseewellen an und ist eine Hommage an die maritime Heimat des Bieres. Neben der traditionsreichen Texelse Bierbrouwerij in Oudeschild prägen auch die TX Brouwerij in Oosterend und die Stokerij Texel die Craft-Beer-Szene der Insel. Wer gleich mehrere Stationen entdecken will, kann sich bei einer Texeler-Bier-Tour mit Chauffeur von Brauerei zu Brauerei fahren lassen. Unterwegs erfährt man, wie regionale Zutaten in den Sudkessel kommen, wie das Nordseeklima die Aromen beeinflusst und warum manche Biere mit Inselkräutern verfeinert werden. In der TX Brouwerij setzt man auf experimentelle Rezepte, in der Stokerij entstehen hingegen auch Whisky und Liköre. Die Bierreise wird zum Blick hinter die Kulissen einer Insel, die sich auch im Glas entdecken lässt.

Info

Anreise
 Mit dem Zug über Amsterdam nach Den Helder, www.bahn.de ; dann mit dem Bus 33 zur Fähre, www.teso.nl/de . Die Überfahrt zur Insel Texel dauert etwa 20 Minuten.

Unterkunft
Kulinarisch überzeugend ist der Aufenthalt im Boutique Hotel Texel mit eigenem Restaurant und Spa, DZ/F ab 166 Euro, www.hoteltexel.com . Das traditionsreiche Grand Hotel Opduin in De Koog liegt in den Dünen, verfügt über ein Kaminzimmer und ein Schwimmbad, DZ/F ab 155 Euro, www.opduin.nl/de . Das B&B Pastorie De Waal befindet sich auf der Rückseite eines alten Pfarrhauses aus dem Jahr 1680. Ein Stück Geschichte zum Übernachten, das zusätzlich Kochworkshops anbietet, DZ/F ab 145 Euro, www.pastoriedewaal.nl . Alle drei Unterkünfte servieren beim Frühstück frische Inselprodukte.

Aktivitäten
Parken ist auf Texel gebührenpflichtig. Unkompliziert geht das mit der digitalen Texelvignette. Sie kann im Voraus online www.texelvignet.nl gebucht werden. Der Texelhopper ergänzt den Linienbus mit Kleinbussen auf Abruf, die über 100 Haltestellen bedienen, www.texelhopper.nl/de . Ein rund 140 Kilometer langes, gut ausgebautes Radwegenetz macht das Fahrrad zur idealen Wahl für entspannte Inseltouren. Leihräder gibt es am Fähranleger, www.texel.net/de. Die kostenlose App des VVV Texel bietet Infos, Karten und Events – und gewährt bei vielen Restaurants, Hofläden und Aktivitäten kleine Rabatte, www.texel.net/de/nach-texel/texel-app .

Buchtipp Von der Autorin dieses Beitrags ist ein ganzes Buch über Texel erschienen: „Texel - ReiseGenuss: Kulinarik, Menschen, Geschichten“, 360° medien, 24,95 Euro.

Allgemeine Informationen
 Texel Tourismus, www.texel.net/de