Zweckverbandsvorsitzender Frank Schroft (vorne links), Bürgermeister von Meßstetten, lauschte wie die anderen Teilnehmer des Rundgangs den Erläuterungen von Projektleiter Matthias Dreher. Foto: Karina Eyrich

Die größte Baumaßnahme in der Geschichte des Zweckverbands Wasserversorgung Hohenberggruppe ist offiziell in Betrieb: 9,2 Millionen Euro hat das Wasserwerk im Beuroner Teilort Langenbrunn gekostet. Alles begann 2010 mit einer Hiobsbotschaft.

Sie war erschöpft, die Aktivkohle in den Filteranlagen des Wasserwerks Hammer, das dem Zweckverband Wasserversorgung Hohenberggruppe mit Sitz in Meßstetten gehört. Genauer: Ihre Adsorptionskapazität ließ zu wünschen übrig – die Beladungshöhe war ausgeschöpft, eine Modernisierung nicht möglich.

Sechs Jahre der Planung und Untersuchung verschiedener Lösungsmöglichkeiten gingen ins Land, bis der Verwaltungsrat der Hohenberggruppe 2016 den Neubau eines Wasserwerks im Weiler Langenbrunn bei Beuron beschloss.

Die Genehmigungsverfahren zogen sich bis Ende 2018 hin, Spatenstich war am 8. Mai 2019. Dass die Coronavirus-Pandemie und die Lieferkettenunterbrechungen durch den Angriffskrieg gegen die Ukraine die Bauphase verzögert haben, räumte Matthias Dreher vom Büro Dreher und Stetter aus Empfingen, der Projektleiter, ein. „Dafür haben wir das Budget sogar unterschritten“, fügte er hinzu.

Schroft: Die Dürresommer haben den Wert des Wassers deutlich gemacht

Seit 10. März 2022 ist die Ultrafiltrationsanlage im neuen Wasserwerk in Betrieb und liefert – erstmals – Trinkwasser vom Standort Langenbrunn an die Mitgliedsgemeinden. Die zentrale Wasserenthärtungsanlage ging im März 2023 ans Netz.

Vor dem Rundgang durch die Anlage, bei dem Matthias Dreher den Weg des Wassers erläuterte, erinnerte Zweckverbandsvorsitzender Frank Schroft, Bürgermeister von Meßstetten, an den Wert fließenden Trinkwassers, der angesichts der „Dürresommer in den vergangenen Jahren mit ihren gravierenden Auswirkungen auf Wälder, Landwirtschaft und Biodiversität in Deutschland“ wieder steige. Für den „zentralen Baustein“ einer zukunftssicheren Wasserversorgung, eine optimale Infrastruktur, sei das neue Wasserwerk von ganz entscheidender Bedeutung. „Gnadenlos zugeschlagen“ hätten die „scharfen und vom Gesetzgeber vorgegebenen Restriktionen im Umwelt- und Naturschutz“ – und die Planung erheblich erschwert.

In zwei Stufen wird das nasse Element künftig enthärtet

Die gute Nachricht für die Wasserkunden: Dank der Membranfiltration, die härtebildende Mineralien durch feinste Poren zurückhält, wird das Trinkwasser in den belieferten Gemeinden künftig einen weicheren Härtegrad haben. Da die Absenkung der Wasserhärte in zwei Stufen erfolgt, wie Schroft erklärte, wird erst im September das Optimum des Möglichen erreicht.

Die Aufgaben gingen dem Zweckverband – schon angesichts des „stark gestiegenen Wasserverbrauchs“ – freilich nicht aus, sagte Schroft und nannte die nächsten Projekte: die Modernisierung der Aufbereitungsanlage im Wasserwerk Hammer im Bäratal inklusive Installierung einer zentralen Enthärtungsanlage und Erneuerung der Pumpen, die Sicherstellung der Ersatzwasserversorgung und die Prüfung einer möglichen Reaktivierung des Wasserwerks Neidinger Mühle.

Zweckverband Wasserversorgung Hohenberggruppe

Der Verband
 versorgt mehr als 100 000 Einwohner in mehr als 28 Städten und Gemeinden der Landkreise Zollernalb, Sigmaringen und Tuttlingen mit Trinkwasser. Möglich ist das durch 260 Kilometer Leitungsnetz, sieben Druckregler und 29 Wasserbehälter.

Wasserknappheit
 war schon immer ein Thema auf der Schwäbischen Alb, wie Vorsitzender Frank Schroft erläuterte: Der karstige Untergrund biete nur sehr schlechte Speicherkapazität für Niederschlagswasser. Daher habe man sich schon in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts intensiv mit Möglichkeiten zur Verbesserung der Trink- und Brauchwasserversorgung beschäftigt, was 1886 zur Gründung der „Heubergwasserversorgungsgruppe links der Donau“ führte. Ein Jahr später wurde die Wasserversorgung in Betrieb genommen, was die Menschen mit großen Wasserfesten gefeiert hätten.

Das neue Wasserwerk
sollte laut Kostenberechnung 9,67 Millionen Euro kosten – am Ende waren es nur 9,2 Millionen. Mit insgesamt 2,2 Millionen Euro an Fördergeldern bezuschusst das Land Baden-Württtemberg den Bau.

Gewonnen
wird das Eigenwasser aus drei Tiefbrunnen. Über eine 1,65 Kilometer lange Leitung wird es dem neuen Wasserwerk zugeführt und mittels Ultrafiltration aufbereitet. Das Reinwasser wird zwischengespeichert, in einer zweiten Aufbereitungsstufe enthärtet und mit einer Transportchlorung versehen. Drei Förderpumpen bringen das enthärtete Reinwasser zum Hochbehälter Ellmaide, von wo es dem Wasserwerk Hammer zufließt. Von dort wird es zu den Haupthochbehältern des Zweckverbandes gepumpt und über 25 weitere Hochbehälter Verbrauchern zur Verfügung gestellt.