Auch das Wasserwerk Winterlingen soll auf den neuesten Stand gebracht werden; vorher ist aber die Biberlöchlesquelle dran . Foto: Anne Retter

Für rund 324 000 Euro brutto soll die Biberlöchlesquelle ertüchtigt werden – samt Brunnen und Betriebsgebäude. Die Maßnahme ist der erste von vier Abschnitten, womit die Wasserversorgung für Winterlingen bis 2027 generalsaniert werden soll.

In vier Bauabschnitten soll die Winterlinger Wasserversorgung bis 2027 im Zuge des Masterplans generalsaniert werden, beginnend mit der Ertüchtigung des Brunnens bei der Biberlöchlesquelle. Genauere Details hat das Empfinger Ingenieurbüro Dreher + Stetter im Gemeinderat vorgestellt. Dieses war mit einer Bestandsaufnahme und Bedarfsanalyse beauftragt worden.

 

Im Fall der Biberlöchlesquelle sieht laut Ingenieur Matthias Dreher die Lage wie folgt aus: Die Filterschlitze sind teils verschlossen und mit Ablagerungen behaftet, was ihre Effizienz einschränkt. Was die Bautechnik angeht, sagt Dreher: „Das Betriebsgebäude ist relativ ungeschützt“ wie auch die Zuleitung Richtung Schmeie, und die „Froschklappe“, die verhindere, dass Kleintiere in die Rohre gelangen, schließe nur noch undicht. Zudem gebe es keinen geführten Brunnenüberlauf, weswegen bei zu hohem Grundwasserspiegel das Wasser auch in das Gebäude überlaufen kann.

Bis April 2025 soll der Umbau abgeschlossen sein

Daher sollen im Betriebsgebäude eine Sicherheitstür eingebaut, die Fenster verschlossen, ein neuer Gitterstabzaun gezogen, der Auslauf zum Vorfluter wieder hergerichtet und Maler- und Fliesenarbeiten erledigt werden. Erneuert werden sollen auch Treppen, Geländer und die gesamte elektrotechnische Ausstattung, Rohre, Armaturen und Brunnenkopf sowie Träger für Elektrokettenzug und Laufkatze. Der Brunnenüberlauf soll direkt in den Ablauf geführt und der Brunnen selbst regeneriert werden. Gemäß Zeitplan sollen die Leistungsvergaben noch Anfang Juli versendet und Submissionen bis Ende Juli eingereicht werden; die Vergaben sollen im August und der Baubeginn im September erfolgen – alles noch in diesem Jahr.

„Sehr sportlich“, meint Rainer Pfersich, Fraktionschef der Liste „Zukunft Winterlingen“, dazu. Dreher ergänzte: „Im September beginnen die Planungen und die Materialbestellungen gehen raus.“ Diese nähmen einige Wochen Lieferzeiten in Anspruch; zudem werde einiges in Werkstätten vorbereitet, damit der Brunnen so kurz wie möglich außer Betrieb genommen werden muss. „Mit dem eigentlichen Umbau ist nicht vor Anfang 2025 zu rechnen.“ Bauende soll April 2025 sein.

Die Kosten hierfür werden auf etwa 324 000 Euro netto geschätzt. Zudem soll im selben Zug auch das Wasserrecht der Gemeinde auf die Biberlöchlesquelle neu beantragt werden, die Ende 2024 ausläuft. Bürgermeister Michael Maier hat hierbei keine Bedenken: Selbst zu extrem trockenen Zeiten habe es nie Probleme mit dem Pegelstand gegeben und auf Landesebene habe sich der Blick geändert: „Es sollen lieber mehrere Standbeine genutzt werden, statt auf die Bodensee-Wasserversorgung zu bauen, die selbst manchmal an ihre Grenzen stößt“, sagte Maier.

Danach werden im zweiten Abschnitt Wasserwerk und Hornquelle, im dritten Abschnitt der Hochbehälter Winterlingen und zu guter Letzt die Steuerungstechnik ertüchtigt, wobei auch eine SPS-Steuerung eingebaut werden soll. Gemeinderat Roland Gross wollte wissen, ob die Reihenfolge nach Dringlichkeit oder anderen Kriterien festgelegt wurde. „Von der Dringlichkeit her sind die Abschnitte gleich“, meint Dreher. Die Reihenfolge habe sich danach orientiert, wie schnell die Maßnahmen machbar und auch haushaltstechnisch zu stemmen seien.

Der Gemeinderat lobte die sehr verständliche Präsentation und gab einhellig seine Zustimmung zur Umsetzung der vorgestellten Maßnahmen.

Infos zu Wasserrecht, -versorgung und -verbrauch in Winterlingen

Die Biberlöchlesquelle
 verfügt über einen elf Meter langen Tiefbrunnen mit einem vier Meter langen Filterabschnitt und zwei Pumpen, Baujahr 2008 und 2022. Das Betriebsgebäude wurde zwischen 1971 und 1972 erbaut.

Wasserrechte
 nach 1961 werden laut Matthias Dreher auf 30 Jahre beschränkt ausgeschrieben; davor ausgeschriebene Wasserrechte gelten „auf ewig“. Das erstmalige Wasserrecht der Gemeinde Winterlingen an der Biberlöchlesquelle stammt von 1970; maximal dürfen dort 16 Liter Wasser pro Sekunde entnommen werden, täglich bis zu 1400 und jährlich bis zu 250 000 Kubikmeter.

Zur Wasserversorgung
verfügt die Gemeinde Winterlingen neben dem Brunnen Biberlöchlesquelle auch über den Brunnen Hornquelle mit einer Höchstentnahme von 22 Litern pro Sekunde. Im Wasserwerk Winterlingen werden täglich zwischen 900 und 1200 Kubikmeter Wasser aufbereitet und zum Hochbehälter (HB) Winterlingen gepumpt. Zur Notversorgung kann über den HB Harthausen auf den Zweckverband Wasserversorgung (ZV WV) Zollernalb zurückgegriffen werden.

Wasserverbrauch
Derzeit verbrauche die Gesamtgemeinde laut Dreher etwa 450 000 Kubikmeter Wasser – inklusive Wasserverlusten und Harthausen, das von der ZV WV Zollernalb versorgt wird. Der Pro-Kopf-Verbrauch liege etwa zwischen 30 und 40 Kubikmetern pro Jahr.