Gotthard Kloker sammelt die Gründe unzähliger Wasserrohrbrüche. Foto: Hella Schimkat

Am 29. November geht Wassermeister Gotthard Kloker in den Ruhestand. Am gleichen Tag hört auch Andrea Vogel auf, die für die Abrechnungen im Rathaus zuständig ist. Dann übernimmt die Firma Aquavilla die Arbeiten des Wassermeisters sowie die Abrechnungen. Gotthard Kloker erzählt aus seiner langjährigen Tätigkeit.

Dann ist Kloker nicht mehr der Herr aller Wasserleitungen, Hochbehälter, Tiefbrunnen, Wasseruhren, Hydranten und Wasserrohrbrüche.

 

Auf die Frage, ob er traurig ist, in den Ruhestand zu treten, schaut er ganz groß und antwortet: „Auf keinen Fall, meine Frau Martina und ich werden viel reisen, uns unterwegs mit Freunden treffen, darauf freuen wir uns.“

Diese Schätze haben viel Arbeit gebracht

Im Hochbehälter Überauchen schleppt Kloker unzählige Bücher an und stapelt sie nebeneinander auf einem großen Tisch: „Das sind die Jahresbücher, da ist alles genau eingetragen, vom Austausch der Wasseruhren bis zum Beheben von Wasserrohrbrüchen.“

In einem mannshohen Regal hat er seine Schätze ausgestellt. Das sind keine Plüschtiere oder andere Mitbringsel, sondern verrostete, verkalkte Rohre mit Löchern, die ihn viel Arbeit gekostet haben – erst beim mühseligen Suchen, dann beim Ausgraben und Reparieren: „Das sind die gesammelten Rohrbrüche, im Jahr rund zehn Rohrbrüche“, klärt er auf.

Er erklärt einige seiner gesammelten Schätze: „Die älteste Leitung war die von Beckhofen bis zum Arenberg, die im Jahr 1897 von Männern von Hand verlegt wurde. Das waren massive Gussleitungen, die sehr lange gehalten haben“, so Kloker.

Berieselungs-Pumpe im Dauerbetrieb

Ein langes, verbogenes PVC-Rohr stammt aus der Beregnungsanlage des Klengener Sportplatzes. Die Berieselungs-Pumpe sei im Dauerbetrieb gewesen, irgendwann habe das Wasser angefangen zu kochen, verformte das Rohr, bis dieses brach und es eine riesige Fontäne gab. Das sei ein großer Schaden gewesen, erläutert er.

Brigachtal verfüge über die beiden Hochbehälter „Sallen“ und „Überauchen“. Jede Zone vom Abgang der Hochbehälter verfüge über eine Wasseruhr am Auslauf, die den Wasserdurchfluss aufzeichne, erläutert er.

Verbrauch in der Nacht deutet auf Rohrbruch hin

An jedem Schaltschrank der Hochbehälter wird der Wasserverbrauch aufgezeigt: „Nachts sollte eigentlich der Wasserverbrauch bei Null liegen. Stelle ich nachts einen Wasserverbrauch fest, bedeutet das für mich, dass wir einen Wasserrohrbruch haben, dann geht die Suche los“, so der Wassermeister.

Dann horche er an den Hausschiebern und den Hydranten, ob es rauscht, da jede Zone einige Straßen habe, müsse er oft tagelang suchen, bis er die Stelle des Wasserrohrbruchs gefunden habe, so Kloker. Dann beauftrage er eine Lecksuchfirma, die an besagter Stelle ebenfalls genau suche und seinen Verdacht bestätige, dann beginnen die großen Grabarbeiten. „Müssen wir unter einer Treppe oder an einer Hauswand graben, ist die Freude besonders groß“, meint er lakonisch.

Meistens gibt es Streit

Ab der Grundstücksgrenze seien die Hausbesitzer zuständig für die Kosten, das gebe oft Diskussionen, bei denen die Versicherungen auch noch mitmischen. Meistens gebe es Streit, weiß er aus Erfahrung.

Aber die Suche nach Wasserrohrbrüchen ist nur eine zusätzliche Arbeit für ihn: „Ich muss die Wasseruhren tauschen, alle sechs Jahre werden die Kaltwasseruhren vom Eichamt kontrolliert, manchmal musste ich 170 Uhren austauschen, manchmal mehr als 200“, betont er.

Gelernter Zimmermann

Kloker ist gelernter Zimmermann, der 1985 von Meinrad Belle für den Bauhof Brigachtal eingestellt wurde. „Meine erste Arbeit war die Drainage an der Friedhofskapelle anzulegen, das war vielleicht eine anstrengende Arbeit“, schmunzelt er.

Als Georg Käfer 1989 als Wassermeister aufhörte, habe er die Stelle bekommen. Damals habe er ein Jahr an der Volkshochschule aus eigenem Antrieb einen Kurs zum Thema „Trinkwasser“ absolviert.

Motorsportclub Brigachtal gegründet

Er gründete vor 40 Jahren den Motorsportclub Brigachtal. Dann kam ihm die Idee, für das Kinderferienprogramm die Bobby-Car-Rennen zu organisieren. „Diese Rennen waren der Hit.“ Er habe auch eine tolle Zeit mit dem Bundschuh verbracht: „Ich war immer der Koch, legendär waren die Feste auf der Burg zu Stühlingen“, schmunzelt er.

Jetzt freue er sich auf die Reisen mit seiner Frau Martina, zuerst ginge es mal nach Marokko, dann sehe man weiter, schließt er.