Klärwerks-Leiter Michael Heizmann (fünfter von links) erläutert OB Julian Osswald (links) und den Gemeinderäten die Siebfunktion. Foto: Jansen

Das Hauptklärwerk Freudenstadt ist rund um die Uhr im Einsatz. Bei einem Besuch hat sich der Gemeinderat den Betrieb vor Ort angesehen.

Freudenstadt - Immer wieder ist die Kläranlage Manbach Thema im Gemeinderat, nun haben sich die Stadträte bei einem bereits lang geplanten Besuch im Klärwerk vor Ort ein Bild vom Betrieb gemacht. Etwa 26 000 Einwohner kann das Freudenstädter Hauptklärwerk versorgen, jährlich werden hier etwa zwei Millionen Kubikmeter Wasser gereinigt, wie Leiter Michael Heizmann erklärt, der die Räte durch den Betrieb und seine Stationen führt. Zwei weitere Klärwerke gibt es auf dem Kniebis. Aber: "Jedes Klärwerk ist ein Unikat", erläutert Dominik Beck, technischer Leiter des Abwasserbetriebs.

Los geht es bei einem Sieb. Hier kommt das verschmutzte Wasser an – und alles, was darin schwimmt – nicht nur Toilettenpapier, sondern auch, was die Leute sonst so in die Kanalisation werfen. Kurios: Einmal wurde eine Lastwagen-Batterie im Klärwerk angeschwemmt.

Herausgefilterter Sand nicht verwendbar

Nachdem das Papier herausgefiltert wurde, geht es für das Wasser weiter. An der nächsten Station wird das Fett abgeschöpft. Im langsam fließenden Wasser fallen schwere Stoffe, wie etwa Sand, nach unten, Fett, das leichter ist als Wasser, schwimmt obenauf. Ob man den Sand nicht anderweitig, etwa beim Straßenbau verwenden könnte, wird gefragt. Das sei nicht möglich – der dunkle Sand, der als Sondermüll entsorgt wird, müsste kostenaufwendig beprobt werden.

Im Vorklärbecken werden weitere feste Stoffe herausgefiltert. Diese setzen sich als "Primärschlamm" ab. Im Gegensatz zum herausgefilterten Sand kann der weiterverarbeitet werden. Im Faulturm entsteht Gas, mit diesem wird Strom erzeugt und die Anlage teilweise betrieben. Der Betrieb läuft mit 15 Prozent Eigenstrom, berichtet Heizmann. "Wenn wir zuviel Gas haben, betreiben wir die Heizung auch mit." Bürgermeisterin Stephanie Hentschel ergänzt, dass der Wunsch bestehe, den Eigenstromanteil zu erhöhen.

Bakterien reinigen Wasser

Nach dem Vorklärbecken geht es für das Wasser in die organische Reinigung: Mithilfe von Bakterien werden hier gelöste Kleinstverschmutzungen entfernt – denn die Bakterien stürzen sich auf die organischen Überreste. In einem sprudelnden sauerstoffreichen Becken wird Ammoniak, das im Abwasser enthalten ist und aus Stickstoff und Wasserstoff zusammengesetzt ist, von den Bakterien in Nitrate umgewandelt. Die bestehen aus Stickstoff und Sauerstoff.

In einem sauerstoffarmen Becken holen sich die Bakterien dann den benötigten Sauerstoff aus den Nitraten heraus. Zurück bleibt Stickstoff – der kann in die Luft entlassen werden. Immerhin besteht die Atmosphäre zu einem Großteil aus diesem Element.

Zum Leben brauchen die Organismen Sauerstoff, Wärme und Nahrung. Deshalb wird ein Teil des Schlamms, der sich im letzten, dem Nachklärbecken absetzt, zurückgeführt. Das gereinigte Wasser wird in den Manbach geleitet.

Phosphor soll dauerhaft zurückgewonnen werden

Dauerhaft wünscht sich Heizmann die Möglichkeit, aus dem Klärschlamm Phosphor zu gewinnen. Dies ist für die Landwirtschaft ein wertvoller Stoff. Einige Modernisierungen gab es in den vergangenen Jahren allerdings bereits: etwa neue Düsen und das Herzstück, des Stromverteilers.

Während der Pandemie gab es die Überlegung, in Klärwerken Proben zu entnehmen, um Schwerpunkte der Viruslast festzustellen. Das war in Freudenstadt nicht der Fall. Es gibt hingegen jedoch Überlegungen, das Wasser im Manbach auf Rückstände von Arzneistoffen zu prüfen, berichtet Hentschel.

Einfach so Proben nehmen, um mögliche Belastungen festzustellen? Stadträtin Elisabeth Gebele hält davon nichts: "Wenn jemandem Blut abgenommen wird, muss man ja auch wissen, wonach man sucht", zieht sie einen Vergleich.

Anlage macht nie Pause

Die Kläranlage läuft 24 Stunden am Tag, sieben Tage die Woche. Vier Mitarbeiter sorgen für einen reibungslosen Ablauf – Feiertage gibt es für die Kläranlage nicht. Sanierungen seien dementsprechend immer "eine OP am offenen Herzen", beschreibt es Beck. Und wenn alle Mitarbeiter ausfielen – etwa wegen Corona – würde Personal von anderen Klärwerken einspringen.

Und auch beim Material ist noch keine Not am Mann: Das "Fällmittel", das beim Absetzen des Schlamms hilft, ist in manchen Klärwerken inzwischen knapp – in Freudenstadt bislang nicht. 1200 Liter sind aktuell im Tank, 150 werden täglich gebraucht. Heizmann hat sich bereits beim Händler erkundigt: Das Mittel ist lieferbar. Doch bei Neuerungen, die auch den Energieverbrauch reduzieren sollen, seien auch hier Verzögerungen zu bemerken.

Oberbürgermeister Julian Osswald ist sich sicher, dass die Investitionen in die Kläranlage noch öfter Thema im Rat sein werden. "Sie werden von uns hören", antwortet Beck.