In diesem Meinungsstück schreibt der Autor über den aktuellen Nichtsommer – und hofft, dass es bald doch noch was wird mit Freibad und lauen Nächten.
Wenn man nicht weiß, über was man reden soll, redet man übers Wetter, sagt man. Aber ganz ehrlich: Welches Gesprächsthema ist dieser Tage mehr angebracht als dieser Nichtsommer?! Das hier ist jedenfalls kein Smalltalk.
Es ist gerade einmal vier Woche her, da ich an dieser Stelle über eine schier nicht auszuhaltende Hitze gestöhnt habe. Kaum mehr denken, geschweige denn etwas Gescheites schreiben könne ich angesichts der Temperaturen nahe der 40-Grad-Marke. Und heute? Nein, der Griffel gefriert mir noch nicht zwischen den Fingern – aber, bitte: Das, was sich da draußen abspielt, hat mit Juli-, respektive Augustwetter doch so gar nichts zu tun.
Gewarnt wurden wir vor einem Jahrhundert-Hitze-Sommer mit trockenen Flussbetten und verdörrenden Wäldern. Was wir bisher bekommen, ist ein Wetter, auf das der April neidisch wäre: mal Sonne, viel Schauer, 17 Grad. So ein Mittelding, das wäre was. Und: ein wenig weniger Hysterie aus den Meteorlogenstuben.
Die Noten der Schüler können gar nicht so schlecht gewesen sein, als dass man sie zur Strafe mit solch unbeständigen Witterungsverhältnissen in die Ferien entlässt. „Da hinten reißt’s auf“, habe ich noch die Stimme der Mutter im Ohr, die – Richtung Elsass starrend – dem kleinen Jungen mit dem Ball unterm Arm Hoffnung machte, bald trockenen Fußes auf den Bolzplatz marschieren zu können. Heute fragt der längst erwachsene Sohn selbst: Wann reißt’s endlich auf?
Denn auch das arbeitende Volk, das in den Jahresurlaub startet oder bereits mittendrin ist, hat viel verdient, aber sicher keine Regendepression. Freibad. Laue Nächte. Freude über Hitzegewitter.
Es ist ein Déjà-vu, das Hoffnung macht: Vor einem Jahr war das Wetter ähnlich miserabel wie jetzt. Damals habe ich last minute Sommerurlaub gebucht, aus Angst die freien Tage größtenteils in der Bude verbringen zu müssen. Was passierte: Am Tag des Abflugs riss der Himmel tatsächlich auf – und blieb für Wochen wolkenfrei. Allen, die daheim bleiben, wünsche ich, dass sich Wettergeschichte wiederholt.